Blaguss: Zwei Männer und 550 Busse. Geschäftsführer Thomas Blaguss und Paul Blaguss schildern im BVZ-Interview, wie aus dem Lohnfuhrwerk die Blaguss-Firmengruppe mit 1.400 Mitarbeitern wurde.

Von Michaela Grabner. Erstellt am 08. Januar 2020 (04:06)
Qualität und Kundenorientierung im Fokus. Die Geschäftsführer Thomas und Paul Blaguss „steuern“ für die Zukunft unter anderem an an, dass ihre Unternehmensgruppe weiterhin verlässlicher Arbeitergeber und hochqualitativer Partner für den Öffentlichen Verkehr bleibt. Foto: Blaguss Gruppe
Blaguss Gruppe

BVZ: Blaguss gibt es seit neun Jahrzehnten. Wie kam es 1929 zur Gründung und wie besteht man als Familienunternehmen über eine so lange Zeit?

Blaguss: Unser Großvater, Paul Blagusz, brachte mit Lastkraftwagen die Waren der Region zum Wiener Naschmarkt und einige Jahr später nahm er dann auch Personen mit. Aus dem Lohnfuhrwerk wurde schließlich der Personentransport. Rückblickend waren die vergangenen 90 Jahre eine abenteuerliche Zeit, geprägt vom unbändigen Willen und der Beharrlichkeit eine Idee zu verwirklichen. Unser Großvater hat sich trotz Rückschlägen und Schwierigkeiten, wie Wirtschaftskrisen, den Zweiten Weltkrieg und Fahrzeugkonfiszierungen nicht beirren lassen. Unsere Väter haben ebenfalls hart im Unternehmen gearbeitet und das Fundament geschaffen, auf dem wir beide aufbauen konnten, um Blaguss weiter zu dem zu entwickeln, wo die Unternehmensgruppe heute ist.

BVZ: Mittlerweile ist die Blaguss Firmengruppe mit Standorten in Österreich, Slowakei, Tschechien und Ungarn vertreten.  Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Meilensteine in den vergangenen neun Jahrzehnten?

Blaguss: Ein wichtiger Schritt war in den 1980er Jahren definitiv, den Hauptsitz des Unternehmens von Oberpullendorf nach Wien zu verlegen. Der Schritt unserer Väter den Linienfernverkehr Richtung Osteuropa/Schwerpunkt Ex-Jugoslawien aufzubauen, war immens klug, ebenso der Ausbau der Reisebüro-Filialen. Der damalige internationale Linienverkehr hat sozusagen den Grundstein für unsere heutige Partnerschaft mit Flixbus gelegt. In den vergangenen Jahrzehnten haben wir uns auch als Fullservice-Buspartner für Großveranstaltungen einen sehr guten Namen gemacht.

Auch unser zweites Standbein, der Tourismus, ist eng mit dem Personentransport verknüpft. Wir legen großen Wert auf Qualität und moderne Technologien, wir zählen mit unserer Flotte (rund 550 Busse, die übrigens ein Durchschnittsalter von nur 2 Jahren haben), zu den Top-Anbietern in Europa. Aber bei all dem Erfolg der vergangenen 90 Jahre, haben wir unsere Herkunft und Bodenständigkeit nicht vergessen und verstehen uns als verlässlicher Arbeitgeber und Dienstleister für die Menschen in den Regionen. Mittlerweile hat die gesamte Blaguss Gruppe rund 1.400 Mitarbeiter bei einem Umsatz von 150 Millionen. Euro.

BVZ: Wie viele Standorte gibt es im Burgenland und wie viele Mitarbeiter sind dort beschäftigt?

Blaguss: Wir haben im Burgenland mehrere Standorte, an denen wir teilweise alle Leistungen aus Reisebüro, Tankstelle und Busbetrieb mit Werkstatt vereinen, wie zum Beispiel in Oberpullendorf. Sie finden uns auch in Eisenstadt, Neusiedl/See und Mattersburg und im Burgenland beschäftigen wir rund 130 Mitarbeiter, wobei viele Burgenländer auch nach Wien pendeln und in unserer Zentrale arbeiten.

BVZ: Zuletzt gab es in der Region Gerüchte, dass Blaguss den Standort in Neunkirchen schließen und sich aus der Buckligen Welt zurückziehen wird. Was ist an diesen Gerüchten dran?

Blaguss: Das stimmt, aber nur teilweise. Es ist richtig, dass der Busstandort in Natschbach bei Neunkirchen geschlossen wird, aber wir ziehen uns nicht aus der Buckligen Welt zurück. Ein Teil unseres Geschäftes ist die Durchführung von regionalem und überregionalem Linienverkehr für Verkehrsverbünde. Diese Leistungen werden mittels öffentlicher Ausschreibung vergeben. Im Zuge dieses Verfahrens wurden mehrere Linien eines Ausschreibungspaketes, das operativ von unserem Standort in Neunkirchen abgewickelt wurde, einem anderen Anbieter zugesprochen.

Diese Linien haben wir zwar verloren, dafür haben wir wiederum die große und wichtige Ausschreibung für die Region Baden gewonnen. Ganz wichtig ist natürlich zu wissen, dass unsere Eilkurse und Pendlerlinien aus der Buckligen Welt und Mittelburgenland nach Wien, wie die Linien Lockenhaus-Kirchschlag-Wien, davon überhaupt nicht betroffen sind.  Auch unseren Betrieb in Kirchschlag in der Buckligen Welt betrifft dies gar nicht, Maria Kogler und ihr Team machen einen hervorragenden Job im Bereich Reisebüro, individuelle Gruppenreisen und Busvermietung. Für unsere Kunden ändert sich gar nichts, es kommt sogar zu einer Stärkung der Standorte Kirchschlag und Oberpullendorf.

 

BVZ: Blaguss  hat sich  im Laufe der Jahre zuallererst für Bustransporte einen Namen gemacht, im Charterbereich ebenso wie im Linienverkehr. Was  war dafür aus Ihrer Sicht maßgeblich?

Blaguss: Die Geschäftsidee, Menschen von A nach B zu bringen, gründet ja auf dem Unternehmergeist unseres Großvaters. Unsere Väter und wir haben das weiter entwickelt und Chancen und bestehende Geschäftsfelder oft miteinander verknüpft und ausgebaut. Wir haben auch immens darauf Wert gelegt, Top-Qualität und Service zu bieten. Blaguss zählt zu den größten Anbietern und hat sicherlich die modernste Busflotte Europas. Unsere Busflotte hat lediglich ein Durchschnittsalter von nur zwei Jahren, modernste Assistenzsysteme in den Bussen sind für uns selbstverständlich. Dazu kommt noch der Anspruch, mehr Service zu bieten als es der Kunde gewohnt ist. Das hat uns auch zu einem kompetenten Player bei Großveranstaltungen gemacht, für die wir auch die logistischen Konzepte entwickeln und somit Full-Service anbieten.

Der Boom, der im internationalen Linienverkehr in den vergangenen Jahren entstanden ist, ist der Veränderung im Konsumentenverhalten geschuldet. Junge Städter haben kein Auto mehr, machen meist gar keinen Führerschein mehr – schnelles, ökologisches Reisen, das auch noch leicht über Smartphones und moderne Technologien buchbar ist, ist das Erfolgsgeheimnis von Flixbus. Blaguss hat bereits in den 1970er Jahren auf den damals so genannten Gastarbeiterrouten, internationalen Linienverkehr betrieben – ein wichtiges Standbein für unseren Ausbau Richtung Osteuropa.

 

BVZ: Blaguss ist außerdem  als Touristikunternehmen bekannt. Allerdings ist das Angebot in dem Bereich umfangreicher als das den meisten Menschen  bekannte Reisebüro in der Region. Für Schlagzeilen hat beispielsweise im Vorjahr der Kauf des Donauturms durch Blaguss gemeinsam mit strategischen Partnern gesorgt Welche Services bietet Blaguss im Tourismusbereich?

Blaguss: (lacht) Ja, mit einer Beteiligung am Donauturm hätten wir vor mehreren Jahren selbst nicht gerechnet. Wir haben den Donauturm komplett renoviert und im Sockelbereich um einen Souvenirshop und ein Bierlokal, dem Donaubräu, erweitert. Wir sind mit der Auslastung zufrieden, wobei wir auch in diesem Unternehmen stark an der Qualität und dem Service arbeiten und selbstverständlich den Anspruch haben, unser Bestes zu geben und weiter zu entwickeln. Aber es ist immer wieder ein tolles Gefühl, in 170 Metern Höhe den wirklich grandiosen Ausblick über die Stadt zu genießen und sich gleichzeitig kulinarisch verwöhnen zu lassen. Der Donauturm ist sicherlich bekanntestes Beispiel für unser Engagement im Tourismus. Weniger bekannt sind die Schönbrunner Schlosskonzerte, Sightseeing Touren, der ViennaPass – eine All-Inclusive Sightseeing-Karte mit Zugang zu über 70 Sehenswürdigkeiten, oder Rius Incoming, eine Agentur, die für Donaukreuzfahrtschiffe die Landausflüge, Transporte und das Rahmenprogramm organisiert. Ebenso unser action4school-Aktivprogramm für Schulen, für Tagesausflüge, Projektwochen oder Schulskikurse. Apropos Skifahren, mit dem Produkt „Bring-mich“ bringen wir unsere Kunden mit unseren Bussen aus der Stadt direkt ins Skigebiet - Bus -und Lifttickets inklusive. Da sind wir nicht nur Impulsgeber für auslastungsschwächere Tage, wir sind auch nachhaltiger Partner für Regionen, weil wir da mit und für die Region arbeiten.

 

BVZ: Zurück ins Burgenland. Hier betreibt Blaguss ja auch zwei Landestankstellen in Oberpullendorf und Eisenstadt.

Blaguss: Wir beziehen den qualitativen Treibstoff von einem renommierten Großhändler und geben den Einkaufs-Vorteil nur mit einem knappen Aufschlag an unsere Kunden weiter. Wir bieten bei diesen Tankstellen nur die Basisleistung Treibstoff an, auf kostenintensive Services wird verzichtet, dies ermöglicht die für den Kunden so attraktiven Treibstoffpreise. Sozusagen Top-Sprit zu Top-Preisen!

 

BVZ: Der Blaguss-Slogan lautet „Weil jeder Ziele hat“. Welches sind Ihre Ziele in naher Zukunft für das Unternehmen?

Blaguss: Unsere Vorhaben sind vielfältig - haben aber immer die Qualität und die Kundenorientierung im Fokus – wollen weiterhin verlässlicher Arbeitgeber sein und hochqualitativer Partner für Öffentlichen Verkehr. Sehr gerne wollen wir Innovationen zur Mobilität und im Tourismus einbringen und weiterhin Projekte entwickeln.