Stefan Tasch von Lumitech: „Suchen uns unsere Spielwiese selbst aus“

Erstellt am 24. November 2022 | 11:47
Lesezeit: 6 Min
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Bereits 1997 glaubte die Firma Lumitech um den Jennersdorfer CEO Stefan Tasch an das Potenzial von LED-Technologien. Nun ist die Firma 25 Jahre und LED-Lampen im Trend wie noch nie.
Foto: Carina Fenz
Vor genau 25 Jahren gegründet, spielt die Firma Lumitech aus Jennersdorf mit ihrer LED-Technologie längst im Wettbewerb der ganz Großen mit. Dafür gab es den Martinipreis in der Kategorie Wirtschaft. Die BVZ sprach mit Gründer und CEO Stefan Tasch.

Heute schon an zukunftsfähigen Lichttechnologien von morgen arbeiten: Diesem Grundsatz verschreibt sich Lumitech seit der Gründung. Wie hat die erfolgreiche Geschichte begonnen?

Stefan Tasch: Als Physikstudenten haben wir im Jahr 1993 die ersten Versuche mit weißen LEDs begeistert mitverfolgt. Dass man mit diesen einen ganzen Raum beleuchten kann, davon war man damals allerdings noch einen großen Schritt entfernt. Das hat uns angespornt.

Ein Motivationsschub quasi, um eine Forschung zu starten?

Tasch: Es war absehbar, dass die klassische Röhrentechnologie durch Halbleiter ersetzt wird, auch in der Beleuchtung. Diesen ersten Schritt hat man nicht gesetzt, für uns war es aber absehbar.

„Begonnen hat eigentlich alles auf einem Bauernhof in St. Martin an der Raab“ stefan tasch, Gründer und CEO von Lumitech

Eine Zukunftstechnologie zu damaliger Zeit, gemacht in Jennersdorf. Das klingt jetzt einfach, war es aber wahrscheinlich nicht?

Tasch: Begonnen hat eigentlich alles auf einem Bauernhof in St. Martin an der Raab, wo wir unser erstes Forschungslabor eingerichtet haben. Das Schwierige daran war aber, dass wir unsere Forschung finanzieren mussten und daher haben wir nebenbei Forschung für andere Produkte gemacht. Wir haben unser Know-How angeboten und so die Eigenentwicklung finanziert. Unter anderem mit einem Sicherheitsmerkmal für den Euro.

Kam damit der große Geldsegen für das junge Unternehmen?

Tasch (lacht): Nein, nicht wirklich. Viel Geld hätten wir damit nur verdient, wenn wir auch die Prüfgeräte dazu gebaut hätten. Für uns war das ein super Forschungsprojekt, aber in diesem Fall kein Geschäft. Was wir allerdings heute noch machen sind Geräte zur Farberkennung von Casino Jetons, die zur farblichen Sortierung dienen. Das haben fast alle Casinos in Europa eingebaut, aber auch viele in den USA.

Kann man das als Meilenstein in der Entwicklung der Technologie von Ihnen sehen oder gibt es viel größere Projekte?

Tasch: Unser Kerngeschäft ist die LED-Beleuchtung und darauf konzentrieren wir uns auch. Hier können wir vor allem in Nischenbereichen punkten. Ein Segment davon ist die Herstellung der Beleuchtung für Supermärkte und Kühlmöbelbeleuchtung. Das ist unser Hauptthema und hier liefern wir rund 400.000 Meter Licht pro Jahr. Europaweit sind wir hier auf Platz 3 und wir gewinnen auch ständig Marktanteile dazu.

Für den Kunden zählt letztendlich nur, dass die LED-Lampe leuchtet. Aber wie viele Schritte hat es dazu gebraucht?

Tasch: Das funktioniert mit der Chip-on-Board-Technologie. Die war auch schon zu damaliger Zeit für Halbleiter nicht neu. Viel schwieriger war es, eigene Leuchtstoffe zu entwickeln, damit das Licht weiß und nicht blau leuchtet. Mit deutschen Partnern ist es uns auch gelungen, einen Leuchtstoff zu entwickeln. Das war der Start und das machen wir auch heute noch. Wir setzen verschiedene Chips auf eine Leiterplatte und versehen sie dann mit spezifischen Leuchtstoffen.

Waren Sie die Ersten, die das versucht haben?

Tasch: Ja, wir waren die Ersten, die es gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Forschung geschafft haben, warm-weiße LEDs herzustellen. Dafür haben wir auch unser erstes Patent bekommen.

Seit Anbeginn produzieren Sie in Jennersdorf. Warum haben Sie sich entschieden, den teureren Weg der Produktion zu gehen und nicht auf Billigproduktion in Asien zu setzen?

Tasch: Bis 2010 war es so, dass uns Kunden komisch angeschaut haben, wenn wir gesagt haben, dass wir in Europa produzieren. Wir haben aber gesehen, dass unser Platz bei der Herstellung von Nischenprodukten ist. Wir produzieren so gesagt Dinge, die andere nicht möchten, die speziell sind und da können wir auch konkurrieren. Wir suchen uns unsere Spielwiese selbst aus.

Wieder ein Beispiel, auch im Hinblick auf die vielen Krisen und die dadurch verzögerten Lieferketten, das die Innovation des Unternehmens zeigt?

Tasch: Die Coronakrise hat uns natürlich positiv in die Hände gespielt. Hier konnten viele nicht liefern, wir schon. Die Module werden in Jennersdorf und Szombathely gefertigt. Zusammenarbeit gibt es auch mit der burgenländischen Firma Becom aus Hochstraß. Unsere Technologien werden aber beispielsweise auch für Blutanalysen eingesetzt, wo man das Licht dazu braucht, den Sauerstoffgehalt im Blut zu messen. Lumitech-Technologie steckt aber auch in der Beleuchtung von Zahnarzt-Bohrern oder wenn es darum geht, eine Algenzucht zu beleuchten.

In Zeiten der Energiekrise ist das Thema Energiesparen in aller Munde. Wie viel Energie kann man mit Lumitech Technologien wirklich sparen?

Tasch: Stellt man die komplette Lichtanlage um, dann ist eine Energieeinsparung von bis zu 70 Prozent möglich und dies bei einer über 30 Mal längeren Lebensdauer. Bei einem Supermarkt beispielsweise rechnet sich die Umstellung in acht Monaten, in Schulen oder Büros sind wir hier bei zirka einem Jahr.

Können Sie sich aktuell vor Anfragen noch wehren?

Tasch: Wir haben große Projekte in Deutschland, der Schweiz, Slowenien, am Balkan oder Frankreich. Aktuell sind wir auch in Österreich im Rennen, um ein riesiges Projekt, wo es um die Beleuchtungs-Ausstattung eines großen Krankenhauses geht.

Stichwort Krankenhaus. Wird auch im neuen Krankenhaus Oberwart LED-Technologie zu finden sein?

Tasch: Wir haben hier ein sehr gutes Angebot gestellt, aber nicht den Zuschlag bekommen. Bei gleicher Qualifikation hätte man schon auf ein burgenländisches Unternehmen setzen können.

Bleiben wir im Burgenland. Ist der Standort in Jennersdorf langfristig abgesichert?

Tasch: Ja, wir haben uns auch vor einiger Zeit im Technologiezentrum eingekauft. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen zum großen Teil aus der Umgebung und das schätzen wir. Schwierig ist es aber, Entwickler zu finden.

Wie sieht es mit Wachstumsplänen von Lumitech aus?

Tasch: Um das Portfolio zu erweitern, wurde die Tochter Kiteo gegründet. Kiteo ist auf dekorative Leuchten und Lichtsysteme spezialisiert, die das Tageslicht in seinem natürlichen Verlauf nachbilden. Laut einer Studie ist es damit möglich, die Herzfrequenz und auch den Stresslevel zu senken.

Die perfekte Technologie für Wohnzimmer und Büro?

Tasch: Ja, damit scheint auch an nebeligen Tagen drinnen immer die Sonne und mit der richtigen Beleuchtung steigt auch die Effizienz im Job.