Energiesparen auch in der Gastro: Aus für Heizstrahler?

Erstellt am 23. September 2022 | 05:36
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Ein Winter ohne „Heizschwammerl“ sei möglich, aber noch keine Gesamtlösung.

Energiesparen ist angesagt, einen Energiefresser hat Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) nun identifiziert: Heizschwammerl. Statt den elektrisch betriebenen Freiluft-Heizgeräten sollen Wirtshäuser doch lieber auf Decken setzen.

Während in der Heizschwammerl-Hauptstadt Wien Innere Stadt Bezirksverteter bereits Kritik üben, rechnet Christoph Dolna-Gruber einen überraschend hohen Effekt auf einen Heizschwammerl-Verzicht vor: 50 Heizschwammerl mit einer Leistung von zwei Kilowatt hätten den gleichen Energieverbrauch wie 21 Haushalte im gesamten Jahr.

„Heizschwammerl“ als finanzieller Spaltpilz

Eine, die seit Jahren konsequent auf den Betrieb von Heizschwammerl verzichtet, ist Carmen Weyse, Inhaberin des Irish Pub Tamdhu in Oberwart: „Ich sehe den Gebrauch dieser Dinger als überhaupt nicht notwendig an. Damit schafft man zur kalten Jahreszeit eine Atmosphäre, die künstlich ist und einen Haufen Geld kostet. Im Sommer sollen die Gäste unseren Gastgarten genießen, im Winter die Atmosphäre im Pub und den Kamin.“

Um die Raucherinnen und Raucher aber trotzdem nicht in der Kälte stehen zu lassen, hat Weyse im Vorjahr in die Trickkiste gegriffen. „Wir haben in unserem Arkadengang eine Fenstermarkiese montiert, die im Winter für einen guten Kälteschutz sorgt“, erklärt Weyse.

Etwas weiter nördlich vertraut der Mattersburger Gastronom Holger Stefanitsch schon länger auf seine Heizschwammerl. Das dürfte sich nun ändern: „Meine Energiekosten haben sich vervierfacht, da muss ich alles einsparen, was viel Energie kostet, aber ineffektiv ist. Und dazu gehören die Heizschwammerl. Wenn es bei uns kalt ist, geht meistens auch der Wind und die Strahler heizen nicht mehr richtig.“

Es könne zwar sein, dass deswegen weniger Kundschaft kommt, das stehe aber in keinem Verhältnis zu den Kosten. Andere Einsparungen, wie kürzere Öffnungszeiten, würden nicht den gewünschten Spareffekt bringen, da Energie-intensive Geräte wie Tiefkühler trotzdem weiterlaufen. „Viele in unserer Branche sind knapp vorm Eingehen“, seufzt er.

Der Obmann der Gastro-Sparte der Wirtschaftskammer, Franz Perner, teilt seine Sorgen. „Auf der EU-Ebene muss endlich etwas geschehen, damit die Preise sich normalisieren, sonst kommt ein ordentlicher Crash auf uns zu.“ Wo eingespart wird, soll die Politik dennoch den Unternehmen selbst überlassen: „Das wissen die Wirtsleute am besten.“ Die Gastro-Branche sei zu unterschiedlich, um einen Faktor, wie die Heizschwammerl, herauszuheben.