„Eisenstadt – einst und heute“, Teil 28: Haydns Köpfe. Wie Eisenstadts großer Sohn, Joseph Haydn, seinen Kopf verlor und erst Jahrzehnte später wieder bekam. Sein Todestag jährt sich am Samstag zum 211. Mal.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 31. Mai 2020 (06:04)
Errichtet. Der Sarkophag von Eisenstadts berühmtesten Sohn, Joseph Haydn in der Bergkirche — ihm zu Ehren auch Haydn-Kirche genannt.  Foto: ÖNB
ÖNB

Am Samstag vor 211 Jahren, am 31. Mai 1809, starb Franz Joseph Haydn im Alter von 77 Jahren in Wien an Altersschwäche. Währenddessen drang die französische Armee unter Napoleon in Wien ein.

Zu seinen letzten Worten gehörte der Versuch, die Diener zu beruhigen, als in der Nachbarschaft Kanonenschüsse fielen. Wegen dieser angespannten Situation wurde Haydn auf dem Hundsturmer Friedhof (heute Haydn-park in Wien-Meidling) eilig beigesetzt.

Erst 1814 stiftete sein Schüler Sigismund von Neukomm das Grabmal, die Familie Esterházy zeigte zunächst kein Interesse, den Toten zu würdigen. Erst die Bewunderung von Adolphus Frederick, 1. Duke of Cambridge, erinnerte Fürst Nikolaus II. wieder an den früheren Bediensteten. Er ließ Haydn 1820 exhumieren und nach Eisenstadt in die Bergkirche überführen. Als bei diesen Arbeiten der Sarg geöffnet wurde, fehlte der Schädel.

Haydns Schädel wurde heimlich entwendet

Nachforschungen ergaben, dass der Sekretär des Fürsten Esterházy – Joseph Carl Rosenbaum, ein Anhänger der Schädellehre von Franz Joseph Gall – den Totengräber, einen Gefängnisverwalter sowie zwei Wiener Beamte bestochen hatte, acht Tage nach der Beisetzung heimlich das Grab zu öffnen und den Schädel zu entwenden. Rosenbaum vermaß Haydns Cranum und stellte fest: „Es wurde vorzüglich der Tonsinn, wie ihn Gall in seinem Prodromus bezeichnet, gefunden“ (Tagebuch des Joseph Carl Rosenbaum).

Das Versteck des Schädels konnte zunächst nicht ermittelt werden und so wurde der Leichnam ohne Schädel nach Eisenstadt überführt und dort beigesetzt. Später übergab der Gefängnisverwalter Johann Peter der Polizei einen angeblichen Schädel Haydns. Es stellte sich durch den Anatomen Mayer von der Universität Wien heraus, dass es ein Schädel eines Kindes war.

Nachdem die Polizei den Schwindel aufdeckte, übergab Rosenbaum einen Schädel eines Greises, aber nicht das Cranum Haydns, weil er die zugesagte „Belohnung“ durch Esterhazy nicht erhalten hatte. Dieser Schädel wurde ohne viel Aufhebens Haydns Gebeinen hinzugefügt.

Den echten Schädel hinterließ der Sekretär Rosenbaum seinem Freund Peter mit dem Auftrag, ihn dem Musikkonservatorium zu vermachen. Doch weder Peter noch seine Witwe wagten die Herausgabe.

Kurz vor seinem Tod übergibt Peter den Schädel seinem Arzt Carl Heller, der ihn in ein pathologisch-anatomisches Institut weitergibt, dem Carl Freiherr von Rokitansky vorsteht. Er übergibt den Schädel 1895 der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Weder Peter, noch Rosenbaum wurden je wegen Diebstahls, Grabschändung, Störung der Totenruhe etc. angezeigt oder verurteilt.

1932 ließ Paul Esterházy nach Plänen des Architekten Franz Kraus im linken Seitentrakt der Eisenstädter Bergkirche unter dem Nordturm das Haydn-Mausoleum errichten, in dem die Gebeine Haydns bestattet wurden. 1954 entscheidet der Musikverein, dass der Schädel mit den Gebeinen wiedervereint werden soll.

Am 5. Juni 1954 legte der Bildhauer Gustinus Ambrosi im Rahmen einer groß angelegten Feierlichkeit nach einer Weihung durch Prälat Dr. Josef Koller feierlich den Schädel zu den vorhandenen Gebeinen in den Sarkophag. Seither befinden sich also zwei Schädel in diesem Sarkophag.