Stück von Eisenstadts Stadt-Historie wurde abgerissen. Den 70. Geburtstag 2022 kann das Haus nicht mehr feiern, es wird abgerissen – sehr zum Leidwesen der Denkmalschützer.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 23. Oktober 2020 (05:45)
Abgerissen. Auf dem berühmten Fresko des Lagerhauses war zu lesen: „Die Ewigkeit ist Stille, laut die Vergänglichkeit. Schweigend geht Gottes Wille durch die Zeit.“ Fast schon prophetisch: Die Vergänglichkeit ist tatsächlich sehr laut, derzeit arbeiten sich Bagger durch den Stahlbeton.
PeterWagentristl

„Leider zu spät“, kam Norbert Pingitzer, wie er im BVZ-Gespräch bedauert. Der Landes-Observator der „Initiative Denkmalschutz“ versuchte noch mit seinen rund 30 Aktivisten Stimmung für den Erhalt des historischen Gebäudes (siehe Info-Box) zu machen, aber die Abrissbirne war schneller.

Die Allmacht der Abrissbirne

„In der Steiermark ist man da schon etwas schlauer und handelt nach dem Motto: sanieren statt demolieren. Ein guter Architekt hätte Lofts in das alte Haus hineingemacht, das wären die schönsten Wohn-Objekte der Stadt gewesen und ein Wahrzeichen wäre erhalten geblieben“, erklärt Pingitzer. „Zumindest die Fassade hätte man doch für die Nachwelt erhalten können“, trauert Pingitzer einem Stück Geschichte nach: „Das Haus wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aus Mitteln des Marshall-Plans erbaut, war ein Symbol des bäuerlichen Lebens und die Fassade hat 70 Jahre das Stadtbild geprägt.“ Diese wichtigen Symbole würden nun verschwinden.

Das Problem für die Allmacht der Abrissbirne sei die schwache gesetzliche Lage: „Die Strafen sind minimal, die Gesetze zu vage und sogar wenn etwas unter Denkmalschutz steht ist die Strafe für den Abriss zu niedrig. Da denken sich viele Bauherren einfach: Das reißen wir weg und zahlen lieber die Strafe.“

OSG: Symbol für die Entwicklung der Stadt

Die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft beginnt nun nach vollendetem Abriss mit dem Bau ihres neuen Hauptquartieres, dazu kommen Büros, Ordinationen und eventuelle kommerzielle Flächen. „Der markante Baukörper soll die Entwicklung von Eisenstadt widerspiegeln“, hatte OSG-Geschäftsführer Alfred Kollar 2018 der BVZ erklärt hatte. Für die OSG hat das Projekt einen besonderen Stellenwert. Die Kosten schätzt Kollar mit „20 bis 25 Millionen Euro“ ein: „Das ist unser bisher größtes Projekt.“