Die Streckhöfe sind zurück in Schützen am Gebirge

Um den Ortskern in Schützen neu zu beleben, plante Bauwerk GmbH elf Reihenhäuser im Stil der alten Streckhöfe.

Erstellt am 17. Oktober 2021 | 06:22

Sie sind noch in vielen burgenländischen Dörfern typische Gebäude im Ortsbild: die Streckhöfe. Aktuell gibt es im Burgenland rund 15.000 Streckhöfe. Noch bis in die 1950er Jahre gebaut, handelt es sich dabei um langgestreckte, schmale Häuser. Im vorderen Trakt wurde gewohnt, der hintere Bereich bestand aus Stallungen und Wirtschaftsgebäuden. Mit dem Ende der bäuerlichen Kleinbetriebe haben die meisten dieser Streckhöfe keinen Nutzen mehr. Viele davon stehen mitten im Ortskern, so auch in Schützen. Was tun damit?

Wolfgang Klepeis hat mit seinem Planungsbüro „Bauwerk GmbH“ hierfür ein Baukonzept entwickelt, das es so noch nicht gab. Auf einem brachliegenden Grundstück mitten auf der Hauptstraße in Schützen befanden sich zwei Streckhöfe, diese wurden zwar zugunsten des Projektes abgerissen, dennoch soll das keineswegs einen Verlust für die Streckhöfe in Schützen sein. Getreu dem Motto „aus Alt mach Neu“ möchte Klepeis aus den alten Streckhöfen bewohnbare Einheiten machen, die die Dachlandschaft der Straße bewahren sollen. Ein Mix aus traditionellem und zeitgemäßem Wohnen ist sein Ziel.

„Auch mir liegen die Wahrzeichen des Burgenlandes, unsere Streckhöfe, am Herzen. Ich möchte die Ortbilder bewahren, nicht zerstören. Daher ist dieses Projekt für mich persönlich sehr wichtig – es ist ein Herzensprojekt“, so Klepeis. Auf dem Grundstück sollen insgesamt elf Wohneinheiten mit jeweils 112 Quadratmetern entstehen.

Leistbares Wohnen für Jungfamilien

Die Reihenhäuser beinhalten im Erdgeschoss eine Garderobe, eine Speisekammer, ein WC sowie einen Wohnraum mit Küche. Im ersten Stock befinden sich drei Zimmer und ein Badezimmer. Außerdem gibt es eine 20 Quadratmeter große Terrasse und einen kleinen Garten.

Viel Natur und Grünfläche sind ein Hauptaugenmerk. Eine weitere Besonderheit der Reihenhäuser sind die aus Holz bestehenden Schiebetüren auf der Hinterseite der Häuser, sowie die Fenster aus Holz.

Klepeis erzählt: „Diese verleihen den Einheiten einen modernen Scheunencharakter.“ Die Wohneinheiten stehen jeweils für circa 360.000 Euro zum Verkauf. Der Bau der Reihenhäuser hat bereits Anfang Oktober begonnen. Die Fertigstellung ist für Mitte 2023 geplant. Gedacht sind die Reihenhäuser für Jungfamilien, denen leistbares Wohnen im traditionellen Stil ermöglicht werden soll.

Bürgermeister und Anrainer stehen hinter dem Projekt

Bürgermeister Roman Zehetbauer ist ein großer Befürworter des Projektes: „So wie in vielen anderen Gemeinden auch gibt es im Ortskern in unserer Gemeinde einige leerstehende Wohnhäuser. Die Errichtung von elf Reihenhäusern finde ich daher grundsätzlich sehr positiv, weil damit eine Belebung des Ortskernes im Bereich der Hauptstraße einhergeht und bestehende Baulandressourcen genutzt werden. Der Trend geht immer weiter in die Richtung, dass im Bereich des Ortsrandes neue Bauplätze aufgeschlossen werden und bestehendes Bauland oftmals nicht genutzt wird beziehungsweise nicht genutzt werden kann. Die Errichtung der Reihenhäuser in der Hauptstraße wirkt dem entgegen.“

Projekt als Vorbild für andere Ortschaften

Auch Vizebürgermeister Gunther Kos steht dem Bau der Reihenhäuser optimistisch gegenüber: „Ich begrüße den Bau dieser Reihenhausanlage in der Hauptstraße, da die Gebäude und das Grundstück teilweise schon sehr lange unbenutzt waren und anstelle einer weiteren Verlagerung von Wohnnutzfläche an das Ortsrandgebiet von Schützen hier direkt im Ortszentrum gebaut und gewohnt werden kann.“

Die Anrainer freuen sich ebenfalls über das neue Bauprojekt, da auf dem brachliegenden Grundstück „endlich etwas passiert“, denn in den letzten Jahren wurde der wild bewachsene Grund hauptsächlich als Müllhalde genutzt.

„Es machte kein schönes Bild. Es ist kaum zu glauben, was für große Mengen an Müll sich angesammelt hatten. Von Fahrrädern, Möbeln bis alte Spielsachen war alles dabei“, berichtet eine Anrainerin.

Auch andere Ortschaften haben leerstehende Streckhöfe. Daher möchte Wolfang Klepeis, falls die Nachfrage gegeben ist, dieses außergewöhnliche Projekt zukünftig auch in anderen Gemeinden realisieren.