Die Sorge der Wirtsleut‘ wegen der zweiten Welle. Die Corona-Fallzahlen steigen und ebenso die Sorge der Gastronomen vor einem zweiten Lockdown. Die BVZ hörte sich im Bezirk Eisenstadt um, wie sich Wirte auf den Winter vorbereiten.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 09. Oktober 2020 (04:55)
Haydnbräu. Der beliebte Barbetrieb ist eingeschränkt, draußen geht es weiter – wenn auch ohne Heizschwammerl. „Zach“, so Inhaber Jochen Lehner.
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Gerade als der erste Lockdown überwunden scheint, steigen die Corona-Fallzahlen wieder bedrohlich an. Während ein Land sich um seine Gesundheit sorgt, plagen die Wirte des Bezirks die Sorgen vor einem zweiten Lockdown. Den einen mehr, den anderen weniger. Die BVZ hat sich bei verschiedenen Wirten im Bezirk umgehört.

Eisenstadt: Darfs ein Heizschwammerl sein?

In der Eisenstädter Gastro-Institution Haydnbräu hat sich Betreiber Jochen Lehner breit aufgestellt – wirtschaftlich gesprochen. „Uns ist es im Lockdown ganz gut gegangen, wir haben für Lidl und die Krankenkassa gekocht, da sind schon 200 bis 300 Essen weggegangen“, erzählt Lehner der BVZ. Einfach sei es natürlich trotzdem nicht gewesen: „Wegen der Situation an der Grenze konnten die ungarischen Mitarbeiter nicht kommen und von den Österreichern war ich leider der einzige Koch“, hat Lehner trotz der enorm stressigen Zeit seinen Humor nicht verloren.

Daneben wurde renoviert und entrümpelt (Lehner: „Ich hab bissl einen Ordnungsfimmel.“), das Geschäft verlief nach Wiedereröffnung anfangs auch eher schleppend. „Aber die Leute haben sich dran gewöhnt, vor allem in der Gastgarten-Saison sind wir fast wieder zu 100 Prozent hochgefahren.“ Was weiterhin ein Totalausfall blieb, war der Kultur- und Event-Bereich: „Wir haben zweimal bei Events im Kulturzentrum das Catering gemacht, da ist nicht einmal ein Viertel der sonstigen Menge gegangen. Da sind die Leute eben noch besondes vorsichtig“, sucht Lehner nach Gründen.

Wie geht es nun weiter? „Es wird ein langer Winter“, seufzt Lehner. Existenzielle Sorgen habe er zwar keine, aber es wird „zach“: „Einen zweiten Lockdown können wir uns als Republik gar nicht leisten.“ Eine eventuelle Vorverlegung der Sperrstunde sei auch kein Problem: „Die Leute gehen jetzt sowieso schon zeitiger nach Hause als vor Corona.“

Oggau: Ruhig Blut im Herztröpferl

Das Winzer- und Wirt-Urgestein Matthias Siess kann nichts so schnell erschüttern. Sein Oggauer „Herztröpferl“ kam gut durch den ersten Lockdown.

Herztröpferl. Matthias Siess macht sich keine Sorgen um sein Oggauer Restaurant, im Weingut entwickelt er gerade Neues: Seit vergangenem Monat gibt es in St. Margarethen einen Madini-Automaten.
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„Wir haben einen Abhol- und Lieferservice eingerichtet, das ist super angekommen und wir konnten die schlimmste Zeit überbrücken“, erinnert er sich zurück. Nach der Wiedereröffnung sei das Geschäft dann sehr schnell wieder losgegangen: „Im Sommer haben wir sogar mehr Umsatz gemacht, als im Jahr davor.“ Vor einem zweiten Lockdown hat Siess keine Angst: „Die Sorge ist natürlich da, aber ich glaube nicht, dass wir noch einmal zusperren müssen. Ich vertraue darauf, dass die Maßnahmen der Bundesregierung greifen werden.“ Neben den Sicherheitsmaßnahmen im Inneren des Restaurants gibt es im Herztröpferl auch im Winter die Möglichkeit, im bezaubernd pannonischen Gastgarten zu sitzen: Ein paar „Heizschwammerl“ stehen schon.

„Alle an einem Strang ziehen“

Auch Alexandra Braunstein vom Purbacher Restaurant Braunstein „Pauli´s Stuben“ stellt fest: „Es geht uns besser als erwartet, aber schlechter als erhofft.“ Die Gäste würden sich gut an die Maskenpflicht halten: „Sie sind es teilweise schon gewohnt“, so Braunstein.

Paul Gregorits mit Tochter Johanna hatte während der Quarantänezeit einen Lieferservice. Der Winter wird wieder härter, glaubt er.
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Paul Gregorits betreibt mit seiner Frau Andrea den Gasthof Gregorits in Klingenbach. „Wir schauen, andere Wege anstelle der großen Familienfeiern zu finden, etwa eigene Themenabende, bei denen viel Obacht auf die Sicherheitsmaßnahmen gegeben wird. Es ist eine spannende Zeit und der Winter wird sicher wieder härter.“ Er sieht es aber auch pragmatisch: „Wir sollten alle an einem Strang ziehen, sonst wird es wieder härter für uns.“