Schul-Lockdown: Leere NMS, gefüllte VS. Ein BVZ-Lokalaugenschein im Bezirk Eisenstadt ergab Unterschiede zwischen den Gymnasien und Mittelschulen zu den Volksschulen: Die „Großen“ bleiben daheim, die „Kleinen“ eher nicht.

Von Sigrid Janisch, Doris Fischer und Peter Wagentristl. Erstellt am 19. November 2020 (03:28)
Leere Klassen. So leer wie im ersten Lockdown sind die Klassen allerdings nicht. In der Volksschule Eisenstadt waren etwa doppelt so viele Kinder zu beaufsichtigen als im März.
BVZ

Die Schulschließungen wurden von vielen Experten kritisiert. Die Eltern – zumindest der über 10-Jährigen – ließen dennoch ihrer Kinder weitenteils zu Hause. So auch im Gymnasium der Diözese sind die meisten Kinder zu Hause geblieben. „Wir haben im Schnitt acht Anmeldungen für die Betreuung“, berichtete die neue Direktorin Andrea Berger-Gruber auf BVZ-Nachfrage. Mit der Corona-Vorbereitung der Schule sei sie „sehr zufrieden“ (siehe Interview Seite 19).

Bei den Volksschulkindern sah das schon anders aus.

Doppelt so viele Kids in der VS Eisenstadt

In der Volksschule Eisenstadt wurden bis zu 58 Kinder am Tag in der Schule beaufsichtigt, in der Volksschule St. Georgen bis zu 28, erklärt Direktorin Charlotte Toth-Kanyak. Das seien etwa doppelt so viele Kinder wie beim ersten Lockdown. Über die Gründe möchte die Schulleiterin nicht spekulieren, es werde auch nicht abgefragt. „Ich habe die Eltern von Kindern der Deutschförderklasse angerufen und empfohlen, die Kinder in die Schule zu bringen. Beim Deutsch-lernen muss man am Ball bleiben“, erklärt Toth-Kanyak. Und: „Die seit einigen Wochen verpflichtenden FFP2-Masken für das Personal sind übrigens am Mittwoch endlich angekommen.“

E-Learning-Routine in Siegendorf und Neufeld

Gut vorbereitet auf das Distance Learning zeigt sich die Neue Mittelschule Siegendorf. „Seit Schulanfang arbeiten wir schon an der Vorbereitung für Distance Learning. Wir wollten es nicht darauf ankommen lassen und überrascht werden, wie im Frühling“, berichtet Siegendorfs NMS-Direktorin Rita Stenger. Demzufolge sind auch die Schüler sehr gut vorbereitet: „Unser Ziel war es, die Schüler für das Online-Learning fit zu machen.“ Am ersten Schultag mit Distance-Learning wurden 13 von 208 Kinder in der Schule betreut. Drei Kollegen sind derzeit in der Schule, der Rest unterrichtet per Distance Learning. Stenger freut sich, dass es dieses Mal viel besser gegangen ist, als noch bei der ersten Schulschließung im Frühjahr.

Gut angenommen wird das Distance-Learning auch in der NMS Neufeld. Hier werden derzeit drei Schüler von insgesamt 155 in der Schule betreut. Der Rest arbeitet von zu Hause aus. „Derzeit erreichen wir noch fast alle Schüler. Bei Online-Meetings waren in einzelnen Klassen ein bis zwei Schüler nicht anwesend“, beschreibt NMS Neufeld Direktorin Ursula Wallner den momentanen Schulalltag. Gleichzeitig betont Wallner, dass diese Woche beobachtet wird, wie man die Schüler erreicht. In einer Online-Konferenz mit den Lehrern wird geschaut, wie man die Schüler erreicht hat und ob es für jene Schüler, die zu Hause keine Unterstützung haben, nicht besser wäre in die Schule zu kommen.

Purbach: Fast alle Schüler zuhause

In der Mittelschule Purbach hält man sich an den Lockdown – am ersten Tag besuchten 4 von über 80 Schülern die Schule. „Das Fernlernen wird über verschiedene Kanäle gemacht, etwa über Skooly, LMS, Zoom oder per Mail“, erklärt Direktorin Elisabeth Szuppin. Das Ziel im ortsungebundenen Unterricht sei, dass jeder Schüler täglich Kontakt mit der Schule, also zumindest einem Lehrer hat. Um jedem die Möglichkeit zu geben, online zu lernen, hat die Schule auch Endgeräte verborgt. „Wir legen viel Wert darauf, den Kindern eine digitale Grundausbildung zu bieten. So können sie etwa den Europäischen Computerführerschein bei uns machen. Daher haben wir einige Tablets, die wir verborgen konnten“, so Szuppins Stellvertreter Ludwig Fingerhut.

Die Eltern würden das Fernlernen großteils positiv sehen, so Fingerhut weiter, „da sie wissen, worum es geht. Die Schüler sind eher traurig, weil sie ihre Freunde nicht sehen können.“