Winzer beginnen mit der Weinlese. Zur arbeitsreichsten Zeit kommt auf die Winzer des Bezirks Eisenstadt auch noch der Kampf gegen Stare, Insekten und Wildschweine. Der Ertrag wird zwar weniger, dafür heuer besonders fruchtig.

Von Sigrid Janisch, Peter Wagentristl, Markus Wagentristl und Doris Fischer. Erstellt am 20. September 2020 (04:45)

In der vergangenen Woche überzeugte sich eine hochrangige Delegation mit Weinbaupräsidenten Johannes Schmuckenschlager und seinem burgenländischen Amtskollegen Andreas Liegenfeld sowie Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich von den Weinlese-Vorbereitungen im Bezirk Eisenstadt. In den beiden „Nachhaltig Austria“ zertifizierten Weingütern Kirchknopf in Kleinhöflein und Karner in Donnerskirchen informierte sich die Delegation über den Insektizid- und Herbizidverzicht im Pflanzenschutz. In Schützen erklärte der ehemalige Obmann der Leithaberg DAC-Winzer, Georg Prieler, wie er dem Wein durch Vinifikation in Amphoren den „eigenen Willen“ lässt.

Lesereise.Johannes Schmuckenschlager, Andreas Liegenfeld mit Winzerfamilie Karner und Nikolaus Berlakovich.
zVg; Bayer; Agrarverlag

Einige Winzer haben bereits begonnen frühreife Sorten zu lesen, die Haupternte beginnt Mitte September, erklärten die Experten der LK vor Ort. Das sei zwar später als im Vorjahr, liege aber durchaus im Österreich-Trend. Bei der Qualität sind die Experten optimistisch: „Die spätsommerlichen Temperaturen am Tag und kühlen Nächten begünstigen die Reife der Trauben und vor allem die Aromaausbildung in den Beeren.“

Die BVZ hat sich dazu bei einem Lokalaugenschein bei einigen Winzern aus dem Bezirk umgehört.

Oggau: „Hiata“ gegen immer mehr Stare

„Für uns Winzer beginnt die aufregendste Zeit des Jahres. Die Ernte steht an“, freut sich Tobias Siess, Obmann des Weinbauvereins Oggau. Der Winzer weiß aber auch, dass damit — neben der ohnehin anstrengenden und zeitintensiven Lese — auch eine weitere Aufgabe einhergeht: die Starebekämpfung. In den vergangenen Jahren hat die Problematik sogar noch zugenommen, im Vorjahr verzeichnete man etwa in Rust einen enormen Ausfall bei der Spätlese. „Damit wir auch unsere Trauben gesund und in voller Stückzahl in die Keller bekommen, sind seit Mittwoch unsere `Hiata´ unterwegs“, erklärt der Weinbauverein-Obmann. Täglich vertreiben die Hüter von 6 bis 18 Uhr die ungeliebten gefiederten Gäste aus den Weingärten, um die Schäden möglichst gering zu halten und einen hochqualitativen Wein produzieren zu können.

zVg; Bayer; Agrarverlag

„Wir bedanken uns für euer Verständnis und freuen uns schon, mit euch gemeinsam auf den neuen Jahrgang an zu stoßen“, hofft Siess auf Verständnis, wenn es für einige Wochen in den Oggauer Weingärten zu Lärmbelästigung kommt.

„Fruchtbomben“ aus Eisenstadt

Diese Sorgen hat man in Kleinhöflein kaum: „Stare werden bei uns immer erst gegen Ende der Ernte aktiv und sind eher bei den Prädikatsweinen ein Problem. Uns sorgen eher die Wildschweine“, erklärt Bio-Winzerin Julia Klampfer der BVZ. In ihrem Biohof Klampfer fand auch heuer wieder ein – sehr schnell ausgebuchter „Weinlese-Workshop“ – statt.

zVg; Bayer; Agrarverlag

Klampfer über die bisherige Lese: „Die Trauben sind einfach wunderschön! Die Qualität passt absolut. Nachdem wir in den letzten beiden Jahren so früh und so viel gelesen haben, kommt es vielen heuer weniger und zeitlich spät vor. Tatsächlich ist diese Lese aber eine ganz normale Lese. Wir werden Ende September bis Mitte Oktober die Hauptlese haben. Gut ist, weil alles sehr langsam reift, kann man sehr genau entscheiden, wann man liest und so genau den individuellen Reifepunkt bestimmen. Ich glaube, dass die heurigen Weine richtige Fruchtbomben werden.“

Donnerskirchen: Weniger, aber besser

Das Donnerskirchner Weingut Reichardt startete mit der Lese vergangene Woche und ist bisher zufrieden. „Es ist von der Menge her zwar etwas weniger, aber die Qualität der Trauben ist sehr gut. Und die Menge reicht“, so Claudia Reichardt.

Die Winzer-Familie erntet die Trauben mit einer Lesemaschine, was die Qualität aber nicht beeinflusst. „Wir gehen vorher durch die Weingärten und sortieren die schlechten Trauben aus. Außerdem erkennt die Maschine faulige Trauben und nimmt diese dann gar nicht auf“, erklärt sie weiter. Daher ist Reichardt auch überzeugt davon, dass der Jahrgang „sicher sehr gut“ wird.