Nach Verkauf in Purbach: Was tun mit Grund und Boden?

Erstellt am 29. Juli 2022 | 05:47
Lesezeit: 4 Min
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In Schützen wurden zwei alte Streckhöfe abgerissen. Was häufig kritisiert wird, wurde hier zum Vorzeigebeispiel: Stattdessen entstand dort ein Neubau im Stil eines burgenländischen Streckhofes —mitten im Ort auf bereits versiegelter Fläche.
Foto: zVg/Archiv
Nach einem Grundstücksverkauf in Purbach – angedacht sind „Tiny Houses“ – entbrannte nicht nur auf Social Media eine Diskussion um die Nutzung von Grund und Boden. Die BVZ machte sich ein Bild vom konkreten Fall und erkundigte sich bei Land und Gemeinden über den Stand der Bodenversiegelung.

Die vermehrte Verbauung von Grünlandflächen sorgt bei immer mehr Menschen für Sorgenfalten. Zuletzt unter anderem auch der Verkauf eines Grundstückes in Purbach durch Gut & Fair Immobilien. Auf Facebook waren daraufhin kritische Kommentare zu finden, welche unter anderem den Tierschutz und den Bodenverbrauch betreffen.

„Und wieder Grünland verbauen“; „Was ist mit den Tieren? Die wissen sowieso nicht mehr, wo sie hinsollen“ ; „Wo soll das Wasser hin, wenn alles verbaut wird und es keine Grünflächen mehr gibt?“ – so lauten etwa drei Kommentare, die auf der Facebook-Seite von Gut & Fair Immobilien zu finden sind.

Trend zu kleineren Wohneinheiten erkennbar

Bürgermeister Martin Horak erläutert dazu: „In der Fellnergasse in Purbach steht ein Baugrundstück zum Verkauf, welches nur 7 Meter breit, aber sehr lang ist. Da dieses Grundstück kaum bebaubar ist, haben die Investoren offensichtlich das Konzept der Tiny-Häuser aufgegriffen.“

Bis dato sei kein Plan am Gemeindeamt eingereicht worden. In diesem Fall müsste dann geprüft werden, ob diese Kleinsthäuser den Bestimmungen der burgenländischen Bauordnung entsprechen. „Dass die Verbauung freier Grundstücke in diesem Fall ausgereizt wird, ist unbestritten und sorgt für einiges an Diskussionen bei den Bürgern und auch in den sozialen Medien“, führt Horak weiter aus.

Generell sei der Trend zu kleineren Wohneinheiten erkennbar, weil diese leistbarer sind. Die Verbauung von derartigen Grundstücken mit Tiny-Häusern scheint aber für den Bürgermeister als eher naturnah, platzsparend und eine mögliche Alternative zum ungeliebten Wohnungsbau.

Sehr hohe Nachfrage an Bauplätzen

Dass das Interesse an Grundstücken und Bauplätzen sehr hoch ist, beweist der rasche Verkauf des Grundstücks in Purbach durch Gut & Fair Immobilien. Vom Immo-Unternehmen heißt es: „Wir wurden für den Verkauf des Grundstücks kontaktiert, beauftragt und haben das Grundstück dann erfolgreich vermittelt. Der Begriff „Tiny House“ wurde von uns in der Überschrift als Vermarktungsvorschlag verwendet, um potenziellen Käufern eine Idee für platzsparendes Wohnen mitzugeben.“

Auch in Schützen am Gebirge ist die hohe Nachfrage an Bauplätzen ungebrochen. Dabei achtet die Gemeinde auch auf den Grünflächenverbrauch, welcher in Schützen laut Bürgermeister Roman Zehetbauer gering ausfällt. „Hinzu kommt, dass Schützen nicht auf großes Wachstum ausgerichtet ist, wir sind bemüht die Einwohnerzahl zu halten und etwas zu steigern“, so Zehetbauer.

Ziel der Gemeinde ist es außerdem, dass der Ortskern gestärkt wird, indem alte Häuser vermietet werden oder wie in der Hauptstraße, Häuser abgerissen wurden und neue Reihenhäuser in Streckhofoptik entstehen.

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Foto: BVZ

Auch Donnerskirchens Bürgermeister Johannes Mezgolits äußert sich zum Flächenverbau: „Der private Hausbau sowie die gemeinnützigen Wohnbauträger sind das Fundament im heimischen Bausektor. Fragt man konkret nach, dann wünscht sich ein jeder Bauwerber ein Häuschen am Land mit unverbaubarem Ausblick.“

Umweltschutz und Nachhaltigkeit erfordern laut Mezgolits allerdings auch ein Umdenken. Der Trend werde eindeutig Richtung mehrgeschossigem Wohnbau gehen, um Grünland zu schonen.

Helmut Hareter weist auf die derzeit sehr hohen Grundstückspreise hin. „Für Breitenbrunner Jungfamilien wollen wir leistbare Bauplätze schaffen, das ist derzeit wegen der hohen Grundstückspreise sehr wichtig. Und natürlich haben wir dabei auch immer die Natur im Blick“, sagt Hareter.

Peter Zinggl von der Landesplanung schildert den Status quo positiv: „Das Burgenland weist mit 15,6 Prozent den niedrigsten Wert bei der Flächeninanspruchnahme aller Bundesländer auf. 5,71 Prozent der Fläche des Burgenlandes sind als Bauland gewidmet. Ein Teil davon ist noch unbebaut.“

Auf der Homepage des Landes findet sich aber auch diese Passage: „Das Burgenland ist jenes Bundesland, das österreichweit den Spitzenplatz bei unbebautem Bauland vorweist. Während es im Bundesschnitt 23,5 Prozent sind, lag der Wert im Burgenland im Jahr 2019 bei 35,1 Prozent.“

In den Jahren 2012 bis 2020 weist, laut Peter Zinggl, das Burgenland im Bundesländervergleich mit vier Prozent den geringsten Anstieg der Flächeninspruchnahme auf. Er könne aber auch die Diskussion und Sorgen der Burgenländer zum Thema Flächenverbrauch verstehen, etwa bei den Themen Ortsbild- und Landschaftsschutz oder der Schaffung von Grünflächen in Ortskernen. Daher setze das Land „wichtige Maßnahmen zur Reduktion des Flächenverbrauchs und weitere wichtige Schritte zur Eindämmung der Flächeninanspruchnahme, so Zinggl.