Turm und Kirschen bei Stadtführung. Breitenbrunn führte durch die Geschichte seines Wehrturms und der für die Region typischen Kirschenbäume.

Von Lisa-Marie Zehetbauer. Erstellt am 03. August 2019 (06:19)
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Gute Aussicht. Vom Wehrturm aus eröffnet sich ein toller Ausblick von der Nordseite des Neusiedler Sees Richtung Ungarn.

Hoch hinaus und weit über das Land schauen – diese phantastische Aussicht bietet der Wehrturm im Herzen von Breitenbrunn. Man hat die Möglichkeit vom Neusiedler See bis hin zu den Kirschbäumen, die sich an den Hängen des Leithagebirges befinden, zu blicken.

Als Wohnort wurde der Turm im 13. Jahrhundert von einem Zweig des Geschlechts der Lutzmannsburger erbaut. Mit dem Herrschaftswechsel im Jahr 1334 begann man den Turm zu einem Wehrturm umzubauen. Der Zugang war aus diesem Grund nur über Leitern möglich. Der Turm liegt direkt an der Bundesstraße und der historischen „Bernsteinstraße“, die zu den bedeutendsten Handels- und Militärstraßen des römischen Reiches zählte. Jahrhunderte lang nahm der Turm eine bedeutende Kontroll- und Schutzfunktion ein.

Heute kann man kleine, wertvolle Raritäten, welche vom Urmeer bis hin zur Neuzeit die ereignisreichen Jahrhunderte wiederspiegeln, im Turmmuseum finden, wie zum Beispiel die älteste Einzeiger-Turmuhr des Landes, sowie der besonders von Kindern bestaunte Ludelloch Höhlenbär.

Mitten im Herzen der Kirschblüten-Region

Breitenbrunn liegt nicht nur mitten im Naturpark Neusiedlersee-Leithagebirge, sondern auch im Zentrum der Leithaberger Edelkirschregion. Diese erstreckt sich zwischen den fünf Gemeinden Donnerskirchen, Purbach, Breitenbrunn, Winden und Jois. Auch der Kirschblütenradweg führt entlang dieser Gemeinden an den Hängen des Leithagebirges. Dieses geologisch spannende Gebiet bildet die letzten Ausläufer der Alpen. Seit dem 18. Jahrhundert wird Kirsch- und Weinbau in dieser Region gemeinsam betrieben. Charakteristisch für die Region sind die vielen Kirschbäume. Im Frühling tauchen sie die Landschaft in ein weißes Blütenmeer. Die alten Kirschbäume sind sowohl Lebensraum, sowie Nahrungsquelle für eine Vielzahl von Tierarten. Das pannonische Klima und die fruchtbaren Böden sind optimale Voraussetzungen für den Wein- und Obstanbau.

Lisa Zehetbauer
Führung. Andrea Strohmayer am Wehrturm.

Bereits in der Jungsteinzeit wurde der Kirschbaum in Mitteleuropa als Wildobst genutzt. Kultursorten waren allerdings lange Zeit nur im Gebiet um das Schwarze Meer bekannt. In Europa nahm die Kultivierung von Süß- und Sauerkirschen vermutlich im antiken Griechenland ihren Anfang und dem römischen Feldherr Lukullus hat man es zu verdanken, dass kultivierte Kirschsorten in dieser Region wachsen. Denn Lukullus entdeckte bei seinen Reisen diese saftige, rote Frucht und nahm sie mit nach Italien. Von da aus verbreitete sich die Kirsche im Mitteleuropäischen Raum.

Jahrhunderte Tradition in der Kirschenzucht

Der Anbau der Kirschbäume in der Region begann im 18. Jahrhundert. Die Kirschernte wurde vorwiegend auf den Wiener Märkten zum Verkauf angeboten. Daher wurden Sorten gewählt, die eine lange Lieferzeit aushalten. Der Schwerpunkt der Sortenauswahl lag bei den Maikirschen und den Kirschen der ersten beiden Juniwochen. Spätere Sorten fanden weniger Verwendung, da von Mitte Juni bis Juli bereits Kirschen aus anderen Regionen Österreichs reif wurden. Im Laufe der Zeit entstand so die Region Leithaberg und damit auch regionstypische Süßkirschsorten.

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Wehrturm. Das Wahrzeichen der Gemeinde am See.

Inmitten der Weingärten wurden einst über 50.000 Kirschbäume gezählt. Heute sind davon nur noch wenige Bäume übrig. Acht besonders bedrohte Sorten werden durch Initiativen wie „Slow Food“ und „Genuss Regionen Österreich“ am Leben erhalten.

Andrea Strohmayer von der Kirschen-Genussquelle ist die Erhaltung der alten Kirschbaumbestände besonders wichtig. Sie erntet in Handarbeit dieedlen Kirschraritäten und verarbeitet diese in Ihren Produkten. Sortenreine, vegane Fruchtaufstriche heben den individuellen Geschmack der alten Kirschsorten hervor. Der Ausspruch „Mit dem ist nicht gut Kirschen essen“ hat seinen Ursprung bis ins Spätmittelalter zurück: das war ein gut gemeinter Ratschlag an Untergebene, sich vor den Launen ihrer Herren in Acht zu nehmen. Diese bespuckten in der Kirschenzeit nur allzu gerne Rangniedere mit Kirschkernen.