„Eisenstadt – einst und heute“ - Teil 31: Haenlein-Haus. Das ikonische „Haenlein-Haus“ gegenüber des Rathauses hat bewegte Zeiten als Kunstsammlung hinter sich und ist mit einem großen Namen verbunden.

Von Hans Larnhof. Erstellt am 01. August 2020 (05:22)
Das Haenlein-Haus einst, als es noch das Mayr-Fajt-Haus war und eine Kunstsammlung beherbergte (unbekanntes Aufnahmedatum).
Sammlung Margarete Kohs; Hans Larnhof

Michael Mayr, geboren am 6. Juli 1796 in Wien, fristete als Statist an den Wiener Vorstadttheatern ein kümmerliches Dasein, wurde dann Sänger am Theater an der Wien, wo er die Bekanntschaft der Dekorationsmaler de Pian und Gail machte, welche sein Interesse für die Malerei weckten. 1822 arbeitete er im Atelier des k.u.k. Hoftheaters und ging 1830 mit dem Dekorationsmaler Gail nach Olmütz, um das neuerbaute Theater einzurichten. 1831 kam er ans Leopoldstädter Theater.

Um sein schwer verdientes Geld kaufte er sich Stiche oder erwarb Zeichnungen verstorbener Theatermaler. Im Fach immer vollkommener, bekam er auch immer günstigere Engagements. Eine große Schar von Wiener Malern gesellte sich zu ihm, die von ihm ständig Geld borgten und ihre Schulden mit Gemälden abzustatten versuchten.

Er war mit mit den Komponisten Joseph Lanner, Johann Strauß Vater und dem Literaten Ferdinand Raimund befreundet, malte die Dekorationen zu den beliebtesten Stücken jener Zeit, dekorierte Garten und Saalfeste von Strauß und Lanner.

Als Mayr 1846 eine unerwartete Erbschaft machte, übersiedelte er nach Eisenstadt, wohin er auch seine graphischen Sammlungen und die kleine Galerie dieser oft namenlosen Kleinmeister mitnahm.

Aus seiner Erbschaft besaß Mayr viele Möbel aus dem 18. Jahrhundert und aus der Rokokozeit, außerdem Alt-Wiener Silber, Porzellan, Textilien und Familienportraits aus den genannten Jahrhunderten. Seine Wohnung erinnerte an ein kleines Museum, denn er besaß auch ältere Gemälde.

Mayr setzte seine Sammeltätigkeit auch in Eisenstadt fort und schon bald scharte sich ein Kreis von jungen Künstlern um ihn, die er unterstützte und förderte. Von ihm gibt es einige Bilder mit Eisenstädter Motiven.

Das Haenlein-Haus heute.
BVZ

Mayr hatte zwei Töchter. Die eine heiratete nach Wiener Neustadt und bekam als Mitgift Bilder und Kunstobjekte. Die andere Tochter, Marianne, blieb lange beim Vater und heiratete endlich Josef Fajt.

Nach Mayrs Tod am 14. Oktober 1870 übersiedelte Familie Fajt in die Hauptstraße, gegenüber dem Rathaus, wo in drei Gassenzimmern die nunmehr vereinigte Mayr-Fajt Sammlung einen würdigen Platz fand und von Fremden ständig besucht wurde. Die graphische Sammlung und sonstiger alter Hausrat wurde in einem riesigen Zimmer im Hoftrakt aufgestellt.

Marianna Fajt leitete im 1. Weltkrieg die Rot-Kreuz-Filiale Eisenstadt und war bis zum Ende des Ersten Weltkrieges wahrhaft vermögend und stets bereit, alle ihre Bilder und Sammlungen auch Fremden zu zeigen.

Als aber die Armut an ihre Tür klopfte, war sie genötigt, Unterhandlungen betreff Verkaufs ihrer gesamten Sammlung zu pflegen. Schließlich veräußerte sie die gesamte graphische Sammlung an den aus Ödenburg stammenden amerikanischen Sammler Hans Scholz, der 1962 in New York die besten Stücke ausstellte.

Marianna Fajt starb 1946 in Elend, außer den Graphiken behielt sie alles aus dem großväterlichen Erbe unversehrt; ein Teil verblieb in Eisenstadt bei ihrem Freundeskreis, ein anderer Teil aber wurde zerstreut.

In der Zwischenkriegszeit waren einige Geschäfte in dem Gebäude von Marianne Fajt eingemietet, so der Optiker Hoffmann und der Spengler Siertz.

Später gelangte das Haus in den Beitz der Familie Haenlein, die rechts vom Tor eine Drogerie, Parfumerie und einen Fotofachhandel betrieben und im Obergeschoß ihre Wohnung hatte. Dieser Gebäudeteil steht leider seit Jahren leer.

Der links vom Tor befindliche Teil war an unterschiedliche Geschäfte vermietet, bis vor einigen Wochen an Demmer‘s Teehaus, heute noch immer die Bäckerei Gradwohl.