108-Betten-Notspital in Eisenstadt einsatzbereit. Im Burgenland stehen bei einer weiteren Zunahme der Covid-19-Erkrankungen nun zusätzliche medizinische Kapazitäten bereit: In Eisenstadt wurde das Allsportzentrum zu einem Notspital mit 108 Betten umgebaut. Am Samstag fand ein Testbetrieb statt.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 04. April 2020 (14:23)

Die Notkrankenanstalt wird vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder betrieben und besteht aus drei Stationen. Berechnungen zufolge seien im Vollbetrieb rund 60 Mitarbeiter im Pflegebereich notwendig, so Robert Maurer, der Gesamtleiter des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder. In Vollbelegung würden weiters 15 bis 20 Medizinerinnen und Mediziner benötigt, dazu kämen weiters fünf bis sechs Mitarbeiter für die Aufnahme der Patienten und für Administration.

"Wir versuchen, ausschließlich Patienten zu behandeln, die Erscheinungstyp zwei von insgesamt fünf Erscheinungstypen der Krankheit aufweisen", erläuterte Primar Reinhold Renner vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Typ eins sei der Patient, der zu Hause versorgt werden könne und den die Hausärzte mitversorgen können. "Typ zwei wäre der, der bereits krankenanstaltspflichtig ist - in erster Linie, weil es mit der Atmung nicht so funktioniert und weil er auch Sauerstoffversorgung benötigt und zum Teil auch Begleiterkrankungen hat", beschrieb Renner.

Die Patienten werden täglich überwacht und untersucht. Wenn sich der Zustand verbessere, könne man den Betroffenen wieder in häusliche Pflege entlassen. Bei einer Verschlechterung - wenn der Patient etwa mehr Atemunterstützung brauche - müsste man ihn ins Krankenhaus bringen bzw. mit einem anderen Patienten des Krankenhauses tauschen.

Bezüglich des erforderlichen Material- und Geräteaufwands habe man versucht, zu mobilisieren: "Die Weltmarktlage ist derzeit so, dass nahezu nichts an medizinischem Material im Moment zu kriegen ist. Wir waren glücklicherweise aufgrund der Entscheidung des Landes Burgenland so früh dran, dass wir noch Ressourcen verfügbar hatten", sagte Renner. Somit habe zum Beispiel die Sauerstoffversorgung noch installiert werden können.

Viele anderen Dinge seien leihweise hier: Die Wandabtrennungen kommen aus der Messe Oberwart, die Elektroinstallationen von Großbetrieben, die normalerweise Events wie Rockfestivals machen. Medizingüter habe man noch bestellen können, einiges werde aufgrund längerer Bestellzeiten noch geliefert. Wir konnten ein Mischsystem aus Kauf bei günstigeren Dingen und Leihstellungen bei größeren Sachen umsetzen. So wurde beispielsweise ein Röntgengerät gemietet.

"Der heutige Testbetrieb hat gezeigt, dass wir gut vorbereitet sind."Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Eisenkopf

Mittwoch vor einer Woche sei das "Go" von der Landesregierung gegeben worden. Dann habe man angefangen, die Firmen verbindlich zu organisieren und den Aufbau zu terminisieren, "und heute ist es fertig", skizzierte Renner die zeitlichen Abläufe. "Da sehen Sie, was in neun Tagen da eigentlich möglich war."

Unterstützt wird das Notspital vom Roten Kreuz, das einen Container für medizinische Notfälle zur Verfügung gestellt hat, so Landesgeschäftsleiter Thomas Wallner vom Roten Kreuz Burgenland. Tritt ein Notfall ein, wird der Patient aus der Station in den Container gebracht und dort notfallmäßig versorgt.

Kommt ein Patient in das Notspital, wird er zunächst aufgenommen, untersucht und anschließend auf die Bettenstation gebracht. Das Notspital sei ausgestattet mit Röntgen, jedes Bett habe Sauerstoff und eine Stromversorgung, erläuterte Wallner.

"Der heutige Testbetrieb hat gezeigt, dass wir gut vorbereitet sind. Es ist wichtig, alle denkmöglichen Szenarien durchzuspielen, um für den Ernstfall gerüstet zu sein", stellte Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Eisenkopf (SPÖ) fest. "Die Stadt stellt ihre Infrastruktur selbstverständlich kostenlos zur Verfügung. Die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung hat oberste Priorität", sagte Bürgermeister Thomas Steiner (ÖVP).