Das Eisenstädter Bezirksleben in Zeiten der Epidemie. Im Bezirk Eisenstadt waren mehrere Großevents von den Maßnahmen betroffen. Die Gemeinden bereiten sich mit Krisenstäben auf die Herausforderungen vor. Kritische Infrastruktur gesichert.

Von Peter Wagentristl und Doris Fischer. Erstellt am 18. März 2020 (06:12)
Musikalisch. Nicht von ihrem Fenster, sondern ihrem Balkon aus, haben die Zillingtaler Rudolf und Nadine Horvath musiziert. Sie spielten die österreichische Bundeshymne.  Foto: zVg
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Die aktuellen Maßnahmen zur Eingrenzung der Pandemie haben Auswirkungen auf alle Gemeinden im Bezirk. Die Versorgung der Bevölkerung ist sichergestellt, betont nicht nur die Politik. Die Grenze nach Ungarn ist gesperrt. Nur mehr ungarische Staatsbürger dürfen nach Ungarn einreisen.

Angesichts der vor Kurzem in Kraft getretenen Vorkehrungen treten die Absagen von Großevents fast in den Hintergrund. In der Cselley Mühle wurden etwa alle Veranstaltungen abgesagt (etwa Voodoo Jürgens und Erwin Steinhauer), Ersatztermine sollen folgen.

In Mörbisch fiel der Radmarathon dem Coronavirus zum Opfer und wird voraussichtlich im Herbst nachgeholt. In Siegendorf hätte die Angelobung der Grundwehrdiener mit 600 Leuten über die Bühne gehen sollen, was schon nach den ersten Maßnahmen vergangene Woche abgesagt wurde.

Bürgermeister Rainer Poric erklärt: „Wir halten uns sehr genau an die bundesweiten Vorgaben. Abgesagt werden leider unter anderem der Frühlingsempfang (des Bürgermeisters), dieser wird im Sommer nachgeholt. Voraussichtlich wird auch die bischöfliche Visitation und eben die Angelobung abgesagt.“

Die Rekruten werden stattdessen in Kleingruppen angelobt. Neben zahlreichen weiteren Flurreinigungen und Frühjahrsempfängen fallen auch andere Events weg. Eine sportliche Großveranstaltung entfällt etwa in der Freistadt Rust, dort musste die Staatsmeisterschaft im Orientierungslauf abgesagt werden — was auch für den Tourismus Umsatzeinbußen bedeutet.

Grundversorgung in den Gemeinden gesichert

In den Gemeinden werden derzeit Krisenstäbe gebildet, einbezogen werden dabei meist die Blaulichtorganisationen, Gemeindeärzte und Nahversorger. Für die Versorgung mit Lebensmitteln gibt es verschiedene Modelle. In Oggau und Donnerskirchen wurden etwa Lieferservices der örtlichen Nahversorger eingerichtet. In anderen Dörfern, wie in Siegendorf und Oslip, bietet die Gemeinde selbst Einkaufsdienste für Lebensmittel und Medikamente für Risikogruppen an.

Mörbisch hat mit dem Essensservice der Sozialen Dienste schon seit langem einen Lieferservice für ältere Gemeindebewohner. In der Küche der Sozialen Dienste werden weiterhin täglich Mahlzeiten zubereitet.

Helfer. Soziale Dienste Mörbisch-Obmann Peter Dreo-Vargyas.  Foto: WP
Peter Wagentristl

Bei den Ehrenamtlichen — ein großer Teil davon sind rüstige Pensionisten, die selbst schon eher eine Risikogruppe sind — gibt es allerdings einige Wechsel, erklärt Obmann Peter Dreo-Vargyas: „Vor allem die jüngeren Helfer sind nun gefragt, damit wir die Älteren entlasten können. Unsere Mitarbeiter sind angewiesen, sich regelmäßig zu desinfizieren und Kontakte möglichst kurz zu halten.“

Als Teil der kritischen Infrastruktur sei es nötig und selbstverständlich, dass die Sozialen Dienste weiterhin ihren Betrieb aufrecht erhalten. Vom Bürgermeister wurde man vorbildlich unterstützt, so Dreo-Vargyas. Aber auch von den jungen Gemeindebürgern, die von der Arbeit freigestellt wurden oder auf home-office umgestellt wurden: „Es haben sich viele junge Menschen bei uns gemeldet und sich bereit erklärt, zu helfen. Wenn wirklich einmal helfende Hände fehlen, wurde uns auch zugesagt, dass die Gemeindearbeiter einspringen“, freut den Obmann die Solidarität im Ort.
Kuriose Versammlung von Polizei aufgelöst

In Oggau machte am Sonntag eine Gruppe, die in einem Weingarten dem Versammlungsverbot trotzte und noch ein letztes Mal gemeinsam anstießen (siehe auch Foto oben). Die verwunderliche Menschenansammlung stieß bei einigen Passanten auf Kritik und zahlreiche Reaktionen in sozialen Medien.

Wie Bürgermeister Thomas Schmid (SPÖ) der BVZ mitteilte, wurde die Versammlung von der Polizei aufgelöst: „Es handelte sich dabei um eine 15-köpfige Familie, die im Weingarten unterwegs war. Beim Eintreffen der Polizei zeigte die Gruppe Verständnis, entschuldigte sich und fuhr nach Hause.“

Sie hätten nicht gewusst, dass die Maßnahmen schon mit Sonntag in Kraft getreten sind, sei die Erklärung der Familie gewesen. Nach Auskunft einer Augenzeugin gegenüber der BVZ habe die Gruppe auch mit fragwürdigem Humor („Corona-Party“ und gespieltem Niesen) versucht zu provozieren.

Gemeinderatssitzungen von Absage betroffen?

Das ganze Ausmaß der Maßnahmen lässt sich derzeit aber noch nicht einschätzen. So stellt auch das Vorgehen bezüglich Gemeinderatssitzungen die Politik vor Probleme: Diese sind zwar vom Versammlungsverbot explizit ausgenommen, die Teilnahmemöglichkeit als Zuhörer ist dabei aber rechtlich verankert und widerspricht den neuen Sicherheitsvorkehrungen vermutlich. In Oslip will man beispielsweise bei der auf Anfang April festgesetzten Sitzung jeden zweiten Sessel für Publikum aus dem Saal entfernen, in Rust prüft man derzeit mit Juristen die Lage.

Auch der Parteienverkehr in den Gemeinden soll eingeschränkt werden, erklärt unter anderem Oslips Bürgermeister Stefan Bubich (ÖVP): „Weniger dringende Anliegen wie ausgefallene Laternen oder Schäden an Gehsteigen sollen telefonisch oder per Mail gemeldet werden. Nur unaufschiebbare, dringliche Themen können persönlich am Gemeindeamt deponiert werden.“

Auch in der Marktgemeinde Hornstein bleibt das Rathaus bis auf weiteres geöffnet, jedoch muss ein Besucherformular ausgefüllt werden, bevor das Bürgerservice in Anspruch genommen werden kann. „So weit es möglich ist, sollten alle Anfragen telefonisch oder per Mail erfolgen“, appelliert Bürgermeister Christoph Wolf (ÖVP).

Abgesagt sind hingegen alle Veranstaltungen im Forsthaus sowie der Bauernmarkt. Turnsaal und Bücherei stehen ebenfalls nicht mehr zur Verfügung. Der Ortsbus steht bis auf weiteres nur für Notfälle und unvermeidbare Fahrten zur Verfügung.

Auf die gastronomische Versorgung muss man in Hornstein aber trotz Schließungen nicht verzichten. Beim „Jaitz“ können Essen bestellt werden, auch „Essen auf Rädern“ geht weiter. Das Essen kann vor der Gasthaustüre abgeholt werden.

Geschlossen bleibt bis auf weiteres auch das Landessportcenter VIVA in Steinbrunn. „Seit Donnerstag wurden alle Kurse abgesagt, die Naturfeunde bieten keine Kletterkurse mehr an“, berichtet VIVA-Geschäftsführer Bernd Dallos. Er rechnet alleine durch den Ausfall der Kurse mit einem finanziellen Schaden von rund 300.000 Euro.

Neben der Absage aller sportlichen Veranstaltungen steht auch das Hotel leer. Da geht es laut Dallos um ein Minus von 4.000 bis 5.000 Nächtigungen. „Wir hätten jetzt ein Firmenjubiläumsfest mit 400 Nächtigungen, Turnier und Verpflegung gehabt. Es wurde verschoben“, schildert Dallos die Auswirkung der Corona-Krise.

Und auch die Kinderfreunde setzen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. „Die Minis-Gruppe und das Kinderturnen ruhen bis auf weiteres, der Frühjahrsputz in unserem Materiallager ist bis auf weiteres verschoben, der gemeinsame Besuch der Bücherei am 28. März ist abgesagt. Jedoch soll das happy easter camp stattfinden“, fasst Steinbrunns Kinderfreundeobmann, Andreas Posch, die nächste Zeit zusammen.

Großhöflein: Altes Kaufhaus bleibt offen

Coronabedingt muss die Laientheatergruppe der Pfarre Großhöflein ihre „Pause“ verlängern. Nach einjähriger Pause haben sich die Laienschauspieler rund um Gerald Tarnai entschlossen, heuer wieder mit einer englischen Komödie die Großhöfleiner zum Lachen zu bringen.

„Wir hätten jetzt das Fotoshooting haben sollen, mussten es aber absagen beziehungsweise verschieben. Verschoben sind auch die Aufführungen“, lässt Regisseur und Hauptdarsteller Gerald Tarnai wissen. Aber „verschoben ist nicht aufgehoben“ lautet die Devise. „Wir können derzeit ja nicht einmal miteinander proben. Aber sobald sich die Lage erholt hat, werden wir spielen“, versichert der Chef der Laienschauspieler der Pfarre.

Abgesagt werden musste in Großhöflein neben allen Gemeindeveranstaltungen, wie der Flurreinigung, auch das „Gröste Leber- und Gulaschessen“ des Verschönerungsvereines
„D Schei(n)nmocha“ sowie der traditionelle Trachtenball der ÖVP-Großhöflein.

Musikalisch. Nicht von ihrem Fenster, sondern ihrem Balkon aus, haben die Zillingtaler Rudolf und Nadine Horvath musiziert. Sie spielten die österreichische Bundeshymne.  Foto: zVg
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Unter dem Motto „Großhöfleiner helfen Großhöfleinern“ haben sich bereits viele gemeldet, die ihre Dienste für die Allgemeinheit anbieten.

Bürgermeister Heinz Heidenreich (SPÖ) weist auch darauf hin, dass trotz Öffnungsverbots „Die Zeche“ Essensbestellungen entgegennimmt. Und auch das „Alte Kaufhaus“ hält offen. Bestellungen werden entgegengenommen, und es wird auch geliefert.

Hausmusik hingegen gab es am vergangenen Sonntag in Zillingtal (siehe Foto links). Dorfmusik-Obmann Rudolf Horvath und seine Tochter Nadine haben sich an der Aktion „Musiker spielen aus ihren Fenstern“ beteiligt. Sie spielten von ihrem Balkon aus die österreichische Bundeshymne.

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