Bezirk Eisenstadt: Vom Gefängnis-Insassen direkt zum Dealer

Erstellt am 21. November 2022 | 05:11
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Foto: Shutterstock.com, Salivanchuk Semen
29-Jähriger war nach der Haft gleich wieder „auf Heroin“ und verschaffte anderen Süchtigen Drogen.

„Sie wurden am 30. April 2022 entlassen. Hat Sie die Haft nicht beeindruckt?“, fragte Richterin Karin Knöchl den Angeklagten.

„Doch“, behauptete der 29-Jährige. „Ich wartete zwei Stunden vor dem Gefängnis, dass mich jemand abholt.“ Doch weder seine Mutter noch sein Stiefvater seien gekommen.

Von viereinhalb Jahren Haft wegen Heroinhandels hatte er drei Jahre verbüßt. Der Rest wurde ihm bedingt nachgesehen.

„Ich war gleich wieder drauf“

3500 Euro Entlassungsgeld hatte er in der Tasche. Aber auch 30.000 Euro Schulden beim Staat: Mit diesem Betrag hatte er sich beim Heroinhandel bereichert.

„Mir fiel nichts Besseres ein, als nach Wien zu fahren“, gab der Angeklagte ehrlich zu. Er habe sich somit unmittelbar nach der Haftentlassung etwas „zum Rauchen“ gekauft: „Ich war gleich wieder drauf.“

Dann habe er versucht, in Eisenstadt ein Zimmer zu mieten. Ohne Lichtbildausweis, den er nicht besaß, sei das aber nicht möglich gewesen.

„Meine sogenannten Freunde fragten mich, ob jemanden kenne“, sagte der Angeklagte und meint damit Kontakte zu Dealern. „Ich sagte, ja, machen wir uns einen schönen Nachmittag.“

Gemeinsam sei man nach Wien „rauf“ gefahren, er habe vom Dealer die Drogen geholt und diese an seine Freunde ausgehändigt.

43,3 Gramm Heroin und drei Gramm Cannabisblüten überließ er auf diese Art an elf Personen.

Mehr als zwei Jahre Haft für den Drogensüchtigen

Die Richterin verurteilte den Süchtigen zu 20 Monaten Freiheitsstrafe, dazu muss er fünf Monate aus einer früheren bedingt verhängten Strafe verbüßen.

Den gewünschten Strafaufschub zur Absolvierung einer stationären Therapie erhält er nur, wenn ein Sachverständiger ihm die nötigen Voraussetzungen bescheinigt.