Im Weihnachtskorb Drogen gebracht: Eisenstädter vor Gericht

Erstellt am 27. November 2022 | 05:48
Lesezeit: 4 Min
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Der Freund einer Nachtclub-Mitarbeiterin bestellte Drogen. Diese habe er selbst konsumiert, behauptete er vor Gericht.
Foto: Symbolfoto: Tinnakorn jorruang, shutterstock.com
Pärchen bezog bei Dealerin Crystal Meth. 33-jähriger Eisenstädter wegen Drogenhandels angeklagt.

Einem 33-jährigen Slowaken mit Wohnsitz in Eisenstadt wird vorgeworfen, Pico und Speed gekauft und an seine Lebensgefährtin weitergegeben zu haben.

Hatte der Verdächtige bei der Polizei noch ausführlich über die Drogeneinkäufe geplaudert, so ruderte er vor Gericht zurück und bestritt vor allem, seiner Freundin Suchtgift überlassen zu haben.

Dabei war angeblich sie es gewesen, die ihn überhaupt in die Sucht stürzte.

Er soll die Frau 2018 kennengelernt haben.

Damals war sie in einem Nachtclub tätig, wo immer wieder Drogenexzesse stattgefunden haben sollen.

„Er brachte sie dann weg von den Drogen“, berichtete die Verteidigerin.

Die Freundin clean, selbst süchtig geworden?

Als jedoch die 43-jährige Drogenlieferantin, mit der die Nachtclub-Mitarbeiterin befreundet war, 2019 einen Weihnachtskorb mit Suchtgift schickte, sei auch ihr Mandant in die Drogensucht hineingerutscht.

Er habe dann in den folgenden Jahren immer wieder selbst bei der Dealerin seiner Freundin Metamphetamin („Pico“ oder „Crystal Meth“) bestellt.

Die Dealerin kaufte die Drogen in Ungarn ein und importierte sie nach Österreich.

„Er hat alles selbst konsumiert und nichts weitergegeben“, führte die Verteidigerin zugunsten ihres Mandanten aus.

„Der Geschenkkorb war für mich“, beteuerte der 33-jährige Angeklagte.

Neben Pico seien in dem Korb auch Sim-Karten für Handys gewesen.

„Wie kam die Lieferantin auf die Idee, Ihnen einen Korb mit Drogen zu geben, obwohl vorher Ihre Lebensgefährtin ihre Kundin war?“, wunderte sich Richterin Karin Knöchl.

„Vielleicht wusste sie nicht, dass meine Freundin keine Drogen mehr nimmt“, meinte der Angeklagte. Bei der Polizei hatte er noch ganz andere Angaben gemacht.

Er hatte nämlich behauptet, die Drogenbestellungen stets komplett an seine Freundin weitergegeben zu haben.

„Schämte mich zuzugeben, dass ich abhängig bin“

„Ich schämte mich zuzugeben, dass ich selbst abhängig war“, versuchte der Angeklagte diesen Widerspruch aufzulösen.

„Warum sagten Sie bei der Polizei, dass Ihre Freundin Drogen konsumiert?“, wunderte sich die Richterin.

„Wir waren damals zerstritten“, sagte der Angeklagte.

„Sie haben sie wissentlich falsch belastet!“, hielt ihm die Richterin vor.

„Anschwärzen wollte ich sie nicht“, antwortete dieser.

Die Richterin hielt ihm auch vor, dass er bei der Polizei von wöchentlichen Drogenkäufen erzählt habe.

„Wieso sagten Sie das und unterschrieben das Protokoll?“

„Ich weiß nicht, ich war überrumpelt“, behauptete der Angeklagte.

Er habe „irgendwelche Dummheiten“ erzählt, um schnell wieder „heimgehen“ zu können.

Mutter des Angeklagten stürzte aus dem Saal

Seine Mutter, die der Verhandlung als Besucherin beiwohnte, stürzte während seiner Einvernahme weinend aus dem Saal: „Ich kann mir das nicht anhören! Mein Sohn ist so gut!“

Die Richterin hatte sie zuvor mehrfach gebeten, den Prozess nicht zu stören.

Die Lieferantin war am 5. Juli dieses Jahres verhaftet worden.

Sie sitzt bereits eine Freiheitsstrafe ab und wurde aus dem Gefängnis zur Zeugeneinvernahme in den Gerichtssaal gebracht.

„Ich nehme an, dass sie die Drogen gemeinsam konsumierten“, sagte sie über den Angeklagten und seine Freundin.

„Bist du so lieb und bringst etwas für uns?“

„Es hieß, bist du so lieb und bringst etwas für uns“, sagte die 43-jährige Frau, die bis zu ihrer Verhaftung im Bezirk Oberpullendorf lebte.

Manchmal habe man die Drogen auch zu dritt konsumiert, so die Dealerin.

Der Prozess wurde vertagt.

Beim nächsten Prozesstermin sollen die Freundin des Angeklagten, eine zweite Drogenlieferantin und ein ermittelnder Polizist befragt werden.