Eine Nebelwanderung zur „Kaisereiche“. Was tun im Lockdown?“ – Bei der dieswöchigen Tour wird es sportlich: Es geht vier Stunden lang von Eisenstadt zur Kaisereiche bei Donnerskirchen. Die Tour, hat sogar im Nebel Charme.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 08. Januar 2021 (04:41)

Startpunkt der dieswöchigen Tour ist das Gymnasium der Diözese in Eisenstadt. Wer es aus der Stadt hier herauf geschafft hat, hat schon etwa 100 Höhenmeter in den Waden. Als Entschädigung gibt es ein wunderschönes Panorama über die Stadt und einen Blick auf das renovierte Wolf-Mausoleum. Dessen Geschichte ist einen erzählerischen Umweg wert.

Vom Wolf-Mausoleum zur Kürschnergrube

Der jüdische Weinhändler Leopold Wolf hatte eine Christin geheiratet, woraufhin der Eisenstädter Rabbiner so erbost war, dass er sich weigerte, die gleiche Schwelle der Synogoge wie Leopold Wolf zu übertreten. Um den Rabbiner nicht in die Verlegenheit des Wortbruches bringen zu müssen, schlugen die damals noch zahlreichen Eisenstädter Juden einen neuen Eingang in die Synagoge, die Schwellenübertritts-Frage war damit gelöst. Auch bei dessen Beerdigung war Pragmatismus angesagt, da er und seine Frau wegen ihrer inter-religiösen Ehe weder gemeinsam am katholischen, noch am jüdischen Friedhof beerdigt werden durften. Laut dem spannenden Blog des Jüdischen Museums Eisenstadt, ließ die Familie Wolf daher das Mausoleum neben dem heutigen Gymnasium bauen.

„Nebel ist der Schneefall der Burgenländer.“Eine neu erkannte Wanderer-Weisheit.

Vom Mausoleum geht es östlich über Weingärten der Weinbauschule und vom Weingut Tinhof in den Wald. Ab dem ORF-Landesstudio ist der Weg gelb-weiß ausgeschildert. Erster Halt ist die „Kürschner-Grube“ (wie bereits zum Auftakt dieser Serie beschrieben). Bei Nebel muss man fast schon aufpassen, dass man nicht in die Grube des ehemaligen Steinbruches hineinfällt und ein weiteres Opfer des legendären Räuberhauptmannes „Kürschnersepp“ wird.

Vom Wilden Jäger über neun Kogeln

Von dort geht es weiter zum Buchkogel, zu ihm weisen bereits die rot-goldenen Markierungen. Viel höher als seine 443 Höhenmeter wird es im Leithagebirge außerdem nur selten. Leider geht es noch ein paar Mal auf und ab. Der nächste Abstieg führt über die Leithabergstraße nach Stotzing, von dort ist man gleich bei der Waldrast „Wilder Jäger“. Erst im Vorjahr ließ die Stiftung Esterhazy als Eigentümer des Waldabschnittes den Biotop in der Nähe der Waldrast erneuern. Bei schönem Wetter ist der Wilde Jäger also einen Besuch wert, Saisonstart ist der 1. Mai – sofern die Corona-Situation diesen zulässt.

Danach geht es weiter, ab dem Ramsauberg versucht das Leithagebirge mit einem durchgehenden Bergauf-Bergab noch die Wanderer zu zermürben.

Fast wäre es gelungen, aber nach dem letzten Kogel mit dem selbsterklärenden Namen „Neun Kögel“ hat man es geschafft. Fast wie zur Belohnung lichtete sich bei der BVZ-Tour hier der Nebel für die einzigen zehn Sonnenminuten der gesamten vier Stunden Wegzeit.

Entlang der B15 zur Kaisereiche

Dass die burgenländischen und die niederösterreichischen Wanderwege sich anscheinend nicht verstehen, lernt man am einzigen unschönen Teil der Tour. Nach dem letzten Kogel geht der Weg nämlich bergab und gut 15 Minuten entlang der Bundesstraße B15.

Aber danach ist man gleich nach dem Übertritt über die Grenze zu Niederösterreich schon beim Parkplatz, von dort sind es noch zehn Minuten zur Kaisereiche. Hier, auf dem 440 Meter hohen Gipfel des Steinerwegberges, errichtete der Österreichische Touristenklub (ÖTK) – dessen ehrenamtliche Mitglieder auch die Wanderwege in Schuss halten – die Franz-Josefs-Warte anlässlich des 40-jährigen Dienstjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. Das Bauwerk wurde als Kaiser-Franz-Joseph-Warte am 18. August 1889 unter enormem Andrang eingeweiht.

Der Name Kaisereiche kommt eigentlich von einer prächtigen Eiche, die schon Kaiser Ferdinand I. bewunderte, als er 1839 den Aussichtspunkt bestieg.

In der Vereinszeitung beschrieb der ÖTK bei einem Besuch der Warte 1891 den Blick ins Burgenland, bzw. die damals noch „ober-ungarische Tiefebene“, als herrlich. Der Seewinkel hingegen sei ein „ungeheurer Moorgrund, welcher sehr schwer zugänglich ist“. Wie sich die Zeiten doch ändern.