Frauenhaus: Zuflucht bei häuslicher Gewalt. Seit 15 Jahren finden im Frauenhaus Burgenland in Eisenstadt Frauen, die mit häuslicher Gewalt konfrontiert sind, eine vorübergehende Bleibe.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 14. August 2019 (13:13)
APA (dpa/Archiv)
Volksanwaltschaft und Frauenhäuser schlagen Alarm

503 von ihnen wurden bisher in der vom Verein "Die Treppe" geführten Einrichtung aufgenommen, sagte Vereinsobfrau Gabriele Arenberger am Mittwoch in Eisenstadt. Während die Zahl der aufgenommenen Frauen sinke, verlängere sich jedoch die Aufenthaltsdauer.

Eine Besonderheit sei, dass das Frauenhaus in Eisenstadt über Bereiche verfüge, die bei Bedarf gekoppelt oder getrennt werden können, erläuterte Arenberger. Dies ermögliche, dass Mütter männliche Kinder ab zwölf Jahren nicht, wie dies bei anderen Frauenhäusern verlangt werde, in ein Heim geben müssen.

Die Auslastung liege bei 70 bis 80 Prozent. Die Einrichtung sei "kein Hotel", trat Arenberger Vorurteilen entgegen. Für die Bewohnerinnen gebe es strenge Auflagen: "Es ist Alkoholverbot, es ist Rauchverbot. Sie müssen eine bestimmte Zeit hier sein, sie müssen sich melden, wenn sie weggehen, weil das einfach notwendig ist, um wieder Strukturen in das Leben hineinzubekommen und auch, um den Frauen eine gewisse Sicherheit zu geben."

"Es bleibt keine Frau länger bei uns als notwendig", stellte die Vereinsobfrau fest. Positiv sei, dass viele Frauen es schaffen würden, dass sie nach dem Aufenthalt nicht wieder zu den Gewalttätern zurückgehen, sondern ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben führen. Die steigende Aufenthaltsdauer sei in dem Zusammenhang zu sehen, dass die Gewalt zwischen Mann und Frau diffiziler geworden sei. Zur körperlichen Gewalt hinzu käme auch psychische und wirtschaftliche, wobei erstere stark zunehme.

Die Bewohnerinnen werden mit Hilfe eines Sicherheitskonzepts geschützt. "Es hat noch keinen einzigen Zwischenfall gegeben bei uns im Frauenhaus, wo wir nicht Herr der Lage gewesen wären, um diese Situation in den Griff zu bekommen." Mehr Bedarf sieht Arenberger bei der Täterarbeit: Hier gebe es viel zu wenig Angebote. "Wenn da nicht wirklich angesetzt wird, wird das zu Problemen führen."

Das Burgenland sei früher das einzige Bundesland ohne eigenes Frauenhaus gewesen, erinnerte sich Landtagspräsidentin Verena Dunst (SPÖ), die damals als Landesrätin die Errichtung in die Wege leitete. Der Weg sei anfangs ein sehr steiniger gewesen: Damals habe es Männer gegeben, denen sie erklären musste, "dass es so etwas wirklich braucht", sagte Dunst. Heute hinterfrage niemand mehr ein Frauenhaus oder eine Frauenberatungsstelle.

Seitens des Landes wurde zum Jubiläum eine Notrufnummernbroschüre neu aufgelegt, berichtete Landesrätin Astrid Eisenkopf (SPÖ). Eine weitere Broschüre, die sich vor allem an Pädagogen richte, solle dazu beitragen, Gewalt an Kindern zu erkennen und entsprechend zu handeln. Gewalt gegen Frauen sei heute weniger ein Tabuthema als vor 15 Jahren. Dennoch sei weiterhin vieles zu tun. In Österreich gebe es bereits sehr hohe Strafrahmen. Statt diese weiter zu erhöhen, wäre es vielleicht sinnvoller, Richter und Staatsanwälte noch mehr für diese Themen zu sensibilisieren und bestehende Strafrahmen auszuschöpfen, meinte Eisenkopf.