Josef Jagenbrein: „Meine Kunden sind Freunde geworden“

Josef Jagenbrein feiert 30-jähriges Bestehen. Die BVZ sah sich beim letzten Greißler in Eisenstadt genau um.

Markus Kaiser
Markus Kaiser Erstellt am 14. Oktober 2021 | 06:05
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„Habe schon auf Regionalität gesetzt, bevor die Lebensmittelkonzerne auf diesen Zug aufgesprungen sind.“ Kaufmann Josef Jagenbrein in der Mitte seines regionalen Weinsortiments.
Foto: Kaiser

Am 5. Oktober 1991 öffneten sich die Türen der Greißlerei von Josef Jagenbrein zum ersten Mal – bis heute sollten sie an keinem Werktag geschlossen bleiben. „Der Chef steht selber an der Kassa und grüßt die Kunden noch mit Namen. Das schätzen die Menschen und dann kommen sie auch wieder“, erklärt Josef Jagenbrein das Geheimnis, wie er den Kampf gegen die übermächtig scheinende Supermarkt-Konkurrenz gewinnen konnte. Jagenbrein rechnet vor: „Wir brauchen ja nicht den Großeinkäufer, der mit Gutscheinen auf Schnäppchenjagd geht. tägliche Frischeeinkauf wie Milch, Schinken, Gebäck, Obst und etwas zum Naschen wichtig, um ein Fortbestehen der Nahversorgung zu sichern.“

Die positive Einstellung und die Freundlichkeit hat Jagenbrein schon über so manche schwierige Phase geholfen, „echt hart ist es aber während Corona gewesen“, erinnert er sich zurück. Sein zweites Standbein, die Catering-Firma, brach während des Lockdowns weg, Corona-Förderung bekam er trotzdem keine. Der St. Georgener gab aber nicht auf, sondern startete ein Lieferservice. Das ist auch lange nach dem Lockdown noch sehr beliebt. „Da beliefere ich auch ein paar alte Damen. Die sagen mir immer: ,So lange wir noch leben, dürfen Sie nicht aufhören!‘ Also mach ich halt weiter“, lacht Jagenbrein, der eigentlich nur mehr vier Jahre zur Pension hätte. Aber ob die Tochter (Lehrerin) oder der Sohn (Finanzexperte) einmal übernehmen?

Jetzt wurde erst mal gefeiert: In der Vorwoche gab es einen Bieranstich, sogar Kastner-Chef Christoph Kastner kam, die Winzer Lichtscheidl und Nährer schenkten aus, erzählt Jagenbrein gerührt: „Kunden und Lieferanten sind mittlerweile Freunde geworden.“