Cari Cari aus Mörbisch: Ein Geheimtipp von Welt. Alexander Köck und Stephanie Widmer schafften es mit ihren Songs von Mörbisch nach Melbourne, von der Cselley Mühle zu den Amadeus Awards. Die BVZ lud sie zum Interview.

Von Reinhold Woditsch. Erstellt am 11. Januar 2020 (05:44)
Cari Cari. Von ihrem Studio in Mörbisch verschlug es Alexander Köck und Stephanie Widmer schon nach Hamburg, London und Melbourne. Auch aus Film und Fernsehen kennt man ihre Songs.
zVg Andreas Jakwerth

Die burgenländische Band Cari Cari als Geheimtipp zu beschreiben wäre 2019 nicht nur vermessen, sondern schlichtweg viel zu spät. Ausverkaufte Konzerte, Auftritte in Europa und Australien und nicht zuletzt die Verwendung ihrer Musik in den internationalen Fernsehserien „Shameless“ und „Animal Kingdom“ sprechen für sich.

An neuen Projekten arbeiten die beiden Bandmitglieder Alexander Köck und Stephanie Widmer in Mörbisch. Als wir sie zum Interviewtermin gebeten haben, waren sie gerade am Heimweg von einer Show in Deutschland. Zwischen Bühne, Tour Bus und Hotel fanden sie Zeit, um unsere Fragen zu beantworten.

Melbourne, Hamburg, London... Die Orte, an denen ihr schon gelebt und gearbeitet habt lesen sich beeindruckend. Wie ist eure Beziehung zum Burgenland?

Alexander Köck: Wir haben unser Studio in Mörbisch, quasi mit Blick auf den Neusiedler See. Es ist schon ein Unterschied ob du in einer Aufnahme-Pause deinen Kaffee in einer Londoner Urinlacke trinkst bevor du wieder in dein verschimmeltes Kellerloch kriechst oder in den See springst bevor du weiter arbeitest. Ich glaube das beschreibt unsere Beziehung zum Burgenland sehr gut (lacht). Die Lebensqualität ist einfach extrem hoch. Je mehr wir unterwegs sind desto mehr freue ich mich, heimzukommen.

Stephanie Widmer: Ich war als Kind immer den Großteil des Sommers am Neusiedler See, habe also auch schon einen Bezug aus der Kindheit. Ich liebe die Landschaft, das Lebensgefühl und den Wein (lacht). Wir reisen viel in sehr schnelllebige Metropolen wie Berlin oder London. Da ist das Burgenland der perfekte Ausgleich und Ruhepol für uns. Das genieße ich sehr.

Eure Musik wurde bereits in bekannten US Fernsehserien wie beispielsweise Shameless verwendet. Was habt ihr aus dieser Erfahrung mitgenommen?

Köck: Gerade hat Guinness einen Song von uns für ihre globale TV Kampagne verwendet. Der wurde sogar in Japan und Neuseeland ausgestrahlt. Dass wir unsere Songs in einem Keller in Mörbisch mit einfachsten Mitteln aufnehmen können und die dann in Hollywood-Produktionen vorkommen können, das hat mich schon umgehauen. Ich glaube für uns war das Conclusio: Du musst nicht in LA oder New York leben, sondern du musst gut sein und dein Ding machen.

Widmer: Ich glaube es hat uns einen gesunden Mangel an Respekt vor großen Namen gegeben (lacht). Sobald man in so einem Hollywood-Umfeld vorkommt, versuchen viele Leute, einen auszunutzen. Wir haben uns aber gedacht: Die kochen auch nur mit Wasser. Wenn sich etwas nicht richtig anfühlt, dann machen wir es auch nicht.

Köck: Es hat uns sicher genauer gezeigt, wohin der Weg gehen muss und uns eine gewisse Glaubwürdigkeit gegeben, durch die sich viele Türen geöffnet haben.

„Sobald man in so einem Hollywood-Umfeld vorkommt, versuchen viele Leute, einen auszunutzen. Wir haben uns gedacht: Die kochen auch nur mit Wasser.“Stephanie Widmer

Der Verkauf von Tonträgern zählt 2019 wahrscheinlich nicht mehr zu den Haupteinnahmequellen von Musikern. Welche Kanäle sind für euch wichtig, um von der Musik leben zu können?

Köck: Das variiert sehr von Genre zu Genre. Wir bewegen uns im Liebhaber-Bereich, unsere Fans kaufen nach wie vor viel Musik und das meistens auf Schallplatten! Dementsprechend macht es für uns die Mischung: Konzerte, Merchandise, Tantiemen, aber auch Tonträger. Am Ende des Tages ist es aber am wichtigsten wie man mit dem Geld, das man so einnimmt, umgeht. Ich kenne Musiker, die von Straßenmusik leben können, genauso wie Künstler, die 5000 Euro pro Abend verdienen und nicht damit auskommen.

Was würdet ihr jungen, burgenländischen Musikern raten?

Köck: Es gibt kein richtig oder falsch. Immer weiterarbeiten, immer wieder scheitern und irgendwann so gut werden, dass sie euch nicht ignorieren können. Selbst wenn ihr nicht aus New York, sondern aus Mörbisch kommt.

In fast jedem Artikel liest man über eure Liebe zu Quentin Tarantino. Welche drei Filme - egal, ob von Tarantino oder nicht - hättet ihr gerne musikalisch begleitet?

Widmer: Alle Sergio Leone Western mit Clint Eastwood. Aber das hätten wir sicher nicht besser machen können (lacht).

Köck: Natürlich Pulp Fiction von Tarantino oder die Filme aus der „Ocean’s ...“-Reihe. Die finde ich musikalisch auch sehr gelungen.

Mehr Infos zu den sympathischen Burgenländern gibt es auf www.caricariragazzi.com