Welterbe im Polit-Fokus. Nach erstem Treffen mit ungarischen Vertretern ortet Land „leichte Beruhigung“ in Causa um geplantes Tourismus-Großprojekt. Petrik will dagegen „nicht in die Knie gehen“.

Von Alexandra Gollubics-Prath und Peter Wagentristl. Erstellt am 02. November 2019 (06:30)
Landesrätin Astrid Eisenkopf und Hannes Klein, Geschäftsführer des Vereins Welterbe Neusiedler See.
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Nach monatelanger Aufregung um das am Neusiedler See geplante Mega-Projekt im ungarischen Fertörakos spricht Umweltlandesrätin Astrid Eisenkopf nun vorsichtig von einer „ersten leichten Beruhigung.“ Ausschlaggebend dafür sei ein kürzlich stattgefundenes erstes Treffen mit ungarischen Vertretern in Sopron, bei dem „einige Unklarheiten“ beseitigt worden seien sowie die Einrichtung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe.

Regina Petrik, Grüne Landessprecherin, warnt vor einem Umfaller von SPÖ und FPÖ.Wagentristl
Peter Wagentristl

Ihre Bedenken seien zwar mit dem Gespräch nicht – wie auf der Homepage von Sopronmedia behauptet – ausgeräumt gewesen, man habe aber jetzt „einen direkten Draht.“ Zum Hintergrund: In Fertörakos soll um 75 Millionen Euro eine Anlage mit Hotel, Wasser- und Freizeitpark sowie Anlegeplätze für Boote und Campingplatz entstehen. Kritiker sehen unter anderem den länderübergreifenden gemeinsamen UNESCO-Welterbe-Status in Gefahr.

In diesem ersten Treffen habe man nun eben klargemacht, „dass Naturschutz-und Welterbekonformität ein wichtiges Anliegen von uns“ sei und im Gegenzug auch versichert bekommen, dass für die Ungarn der Welterbe-Status ebenso „oberste Priorität“ habe. Von ungarischer UNESCO-Seite gebe es auch bereits eine entsprechende positive Stellungnahme, die Eisenkopf dieser Tage zugesendet werden soll.

Die vom Land geforderte grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sei laut Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus nicht notwendig. „Die auf ungarischer Seite durchgeführte UVP wurde als ausreichend angesehen. Das ist zur Kenntnis zu nehmen“, so Eisenkopf.

Grüne weiter kritisch, FPÖ „wohlwollend“

„Irritiert“ davon zeigte sich Grünen Landessprecherin Regina Petrik, sie fordert von Eisenkopf weiterhin Engagement in dieser Sache, schließlich gebe es auch einen diesbezüglichen All-Parteien-Antrag, man dürfe zudem generell „nicht vor den ungarischen Behörden in die Knie gehen.“ Die Grünen hoffen in einer Aussendung, dass die Antragsunterzeichner von SPÖ und FPÖ nun keinen Rückzieher machen: „Medial einen Antrag vorzustellen, den man dann wieder zurücknimmt, wäre ein schweres Foul und eine Schwächung der Glaubwürdigkeit der Politik“, so Petrik. „Ich hoffe, die Kollegen stehen zu ihrem Wort und zu ihrer Unterschrift und lassen sich nicht von oben zurückpfeifen“, warnt Petrik.

Geza Molnar, FPÖ-Klubobmann, sieht „positive Signale“ nach den „Bemühungen“ von Landesrätin Astrid Eisenkopf.
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FPÖ-Klubobmann Geza Molnar zeigte sich hingegen erfreut über die „positiven Signale“ aus Ungarn. „Das Hauptproblem bisher war der Mangel an belastbaren Informationen. Dieses Problem dürfte sich dank der Bemühungen der Landesrätin nunmehr lösen“, so Molnar.

Apropos Fertörakos: Ab 5. November soll übrigens die L210, die Fertörakos und St. Margarethen verbindet, vorerst eingeschränkt und ab 23. November gänzlich wieder öffnen.