EWT-Steuerberater Kampits: „Pleitewelle kommt erst“. Als Steuerberater hat EWT-Chef Stefan Kampits Einblick in hunderte Unternehmen im Großraum Eisenstadt. Er sieht eine Corona-bedingte Marktbereinigung auf uns zukommen.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 15. Oktober 2020 (05:35)
Markus Wagentristl

Der Lärm der Baustelle Ecke Liszt-Gasse dröhnt bis in den letzten Stock des Hauses in der Haydn-Gasse 40, wo seit genau 30 Jahren die Steuerberatungs-Kanzlei EWT sitzt. Aber Stefan Kampits hat sich sein sonniges Mattersburger Gemüt auch in Eisenstadt behalten: „Erst das KUZ, dann das Kolpinghaus, jetzt unsere direkten Nachbarn – wir sind den Lärm gewohnt“, zuckt der 39-Jährige lächelnd mit den Schultern. Er übernimmt demnächst die Führung von seinem Co-Gesellschafter Bertold Schuster, die Zeit der Übergabe ist eine in vielerlei Hinsicht spannende, wie er der BVZ im Interview erklärt.

BVZ: Wie betrifft Corona Ihre eigene Firma EWT?

Stefan Kampits: Wir hatten zum Glück schon zuvor die technischen Voraussetzungen getroffen, um von zu Hause aus zu arbeiten und haben daher „offengelassen“ – Kunden-Anfragen gibt es derzeit genug. Die größte Herausforderung für uns als Berater ist, die neuen Corona-Gesetze zu verstehen. Diese sind vage und teilweise widersprüchlich, es verändert sich alles extrem schnell und wird immer mehr. Der Kontakt mit Behörden ist teilweise äußerst unbefriedigend, die Behörden-Hotlines gehen nur ihren Frage-Antwort-Katalog durch – und den kann ich selber auch lesen.

Was sind die größten Herausforderungen für die Unternehmen derzeit?

Kampits: „Koste es, was es wolle“ wird sich am Ende in vielen Fällen als Problem erweisen und zwar dort, wo man Stundungen vergibt. Das Geld haben sich ja trotzdem viele ausgeborgt und müssen es irgendwann zurückzahlen. Unternehmen, die schon vorher gekränkelt haben, die holen die Umsatzeinbußen aber nicht mehr auf. Diese Unternehmen werden künstlich am Leben gehalten und wenn diese Hilfen wegfallen, kommt der große Crash.

Waren die Hilfen der Bundesregierung ein Fehler?

Kampits: Hilfen sind gut und notwendig, aber hätte man hier nicht eine Differenzierung vornehmen müssen, wer das bekommen soll und wer nicht? Denn: Wer vorher schon krank war, wird dadurch nicht gesund. Und ein Schuldenschnitt wäre ja auch nicht fair den Unternehmen gegenüber, die gesund sind und Rücklagen bilden konnten.

Was sind die Kriterien für ein gesundes Unternehmen?

Kampits: Wer aus der Kredit-Spirale nicht mehr herauskommt und sich sanieren kann, der ist ungesund – und den trifft nach Corona die große Keule.

Neben diesen harten Fakten zählen auch die Menschen und deren Vision. Banken behandeln Kunden leider immer mehr rein nach automatisierten Kriterien; das ist ein Grundproblem unserer immer weiter fortschreitend digitalisierten Welt.

Was halten Sie von Investitions-Anreizen wie der Corona-Prämie?

Kampits: Die ist generell sinnvoll, auch die Beantragung geht gut. Allerdings sind die Richtlinien so allgemein formuliert, dass man erst im Nachhinein sehen wird, ob man alles richtig gemacht hat. Im schlimmsten Fall könnte es zu Rückzahlungen kommen. Leider wurde unsere Kammer da nicht zur Beratung herangezogen, wie das vor Corona üblich war.

Sie haben große wie kleine Kunden aus allen Branchen im Großraum Eisenstadt – welcher Branche geht es in der Corona-Zeit gut, welcher schlecht?

Kampits: Wir merken, dass es der Baubranche gut geht, manche sprechen sogar von der Saison ihres Lebens. Die Sorge ist aber, dass es sich hier um einen kurzfristigen Effekt handelt, weil die Menschen im Lockdown Zeit hatten, sich mit Umbau-Arbeiten zu beschäftigen und diese Nachfrage wieder einbricht. Die Gastronomie konnte einen Teil aufholen, aber auch hier wird der Winter spannend. Hotellerie und Eventbranche sind sehr stark betroffen. Im Vergleich dazu merkt die Gesundheitsbranche weniger Veränderungen. Aber wie gesagt: Viele Auswirkungen werden sich erst nach Jahren zeigen, wenn die Kredite zurückgezahlt werden müssen.

Sehen Sie auch positive Dinge an der Corona-Krise?

Kampits: Die Marktbereinigung, die kommen wird, ist etwas Gutes. Ich hoffe nur, dass die gesunden Unternehmen für diese nicht herhalten müssen.

Wenn ein jungen Mensch zu Ihnen kommt und sagt, er will sich selbstständig machen: Was raten Sie ihm?

Kampits: Wenn ein junger Mensch Ziele hat, muss man ihn darin bestärken. Auch in dieser Situation. Wobei: Mit der Eröffnung einer Disko sollte er natürlich ein wenig warten.

Ist Österreich wirklich so über-bürokratisiert?

Kampits: Zum Vergleich: Um in Österreich eine Steuernummer zu bekommen, dauert es ein paar Tage, maximal Wochen. Ein Kunde, der eine deutsche Steuernummer gebraucht hat, musste sechs Monate darauf warten. Aber natürlich gibt es auch Länder, in denen das noch schneller geht als bei uns.

Würden Sie jungen Menschen den Beruf Steuerberater empfehlen?

Kampits: Ja! Das ist ein ganz wunderbarer Job, der sich auch für Quereinsteiger eignet. Der Nachwuchs wird aber auch bei uns weniger.