Prügelei im Mörbischer Kindergarten. Im Mörbischer Kindergarten prügelten einige Kinder einen Kollegen heftig. Nun gehen im Ort die Wogen hoch — Land, Gemeinde und eine Psychologin wurden eingeschaltet.

Von Peter Wagentristl und Doris Fischer. Erstellt am 12. Februar 2020 (05:48)
Gewalt. Im Kindergarten in Mörbisch kam es vor Kurzem zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen Kindern. Die Behörden und eine Kindergartenpsychologin nehmen sich nun des Falls an.
Peter Wagentristl

Ein Vorfall im Mörbischer Kindergarten schlägt hohe Wellen: Wie erst jetzt bekannt wurde, kam es bereits im September zu einer Prügel-Attacke von Burschen auf einen Kollegen. In Schulen kommt es leider öfters zu derartigen Vorfällen, im Kindergarten ist ein solcher Vorfall dagegen sehr ungewöhnlich.

Die genauen Umstände sind nach wie vor nicht bekannt, bestätigt wurde der Vorfall aber von der mittlerweile eingeschalteten Kindergarteninspektion des Landes, die sich bereits um den Fall annimmt.

Bürgermeister Markus Binder (ÖVP) versprach ebenfalls, sich des Falls anzunehmen: „Wir sind bemüht, den Vorfall zu klären und eine Lösung herbeizuführen“, erklärt Binder. Es gebe engen Kontakt mit den zuständigen Stellen des Landes als nächsthöhere Behörde. Nach der Prügelei im Kindergarten gab es bereits Krisenversammlungen, weitere Elternsprechtage sind geplant.

Für zusätzliche Expertise wurde auch eine Kindergartenpsychologin zugezogen, „die uns dabei unterstützt, den Vorfall aufzuarbeiten“, so Binder. Die Sonderkindergartenpädagogin ist auf den Umgang mit Kindern nach derartigen Ereignissen spezialisiert. Gemeinsam mit der Expertin soll ein Konzept erarbeitet werden, um den Fall aufzuarbeiten und ähnliche Entwicklungen in Zukunft vermeiden zu können.

Bürgermeister stellt sich hinter Pädagoginnen

Grundsätzlich ist der Ortschef jedenfalls zufrieden mit seinem Personal: „Fakt ist: Im Kindergarten sind wir personell eigentlich gut aufgestellt. Die Pädagoginnen sind immer in Sicht- und Hörweite.“ Wie es zu dem Vorfall gekommen ist, sei schwer zu verstehen. Als Binder von dem Vorfall erfahren habe, wies er das Personal an „besonders aufmerksam auf Problemkinder zu schauen.“ Die Pädagoginnen haben seither eine zusätzliche Schulung zum Umgang mit verhaltensauffälligen und gewaltbereiten Kindern absolviert. Als Ortschef stehe er hinter seinem Personal: „Ich brauche meine Kindergärtnerinnen, sonst können wir die Kinder nicht beaufsichtigen. Ohne sie wäre der Fortbestand gefährdet.“

Neben den Elternabenden im Kindergarten habe es zudem auch Einzelgespräche mit den beteiligten Kindern und deren Eltern gegeben. Zudem führte die Gemeinde eine Erhebung bei den Familien durch, um Feedback zu erhalten, „was im Kindergarten gut läuft und wo es Verbesserungspotenzial gibt.“ Die Auswertung der Fragebögen läuft derzeit noch.

Von einer möglichen Anzeige wegen Aufsichtspflichtverletzung weiß Binder nichts: „Das kann ich nicht bestätigen, dazu habe ich keine offiziellen Informationen.“ Das Gerücht, dass die Pädagoginnen während des Vorfalls rauchen gewesen wären, weist der ÖVP-Politiker entschieden zurück: „Das höre ich überhaupt zum ersten Mal. Die Gerüchteküche brodelt, man hört immer wieder andere Aussagen.“

Land und Gerichte mit Fall beschäftigt?

Das Hauptreferat Bildung der Burgenländischen Landesregierung bestätigt die Prüfung der Vorwürfe (Korrektur: nicht den Vorfall an sich): „Die pädagogische Aufsicht wurde durch die gegenständliche Kinderbildungs- und betreuungseinrichtung kontaktiert und seitens der Fachaufsicht werden alle vorgebrachten Vorwürfe einer umfassenden Prüfung unterzogen“, beantwortet Hauptreferatsleiterin Nicole Bartl eine Anfrage der BVZ.

Da es sich um laufende Erhebungen handelt, können vonseiten der Behörde derzeit keine näheren Details kommentiert werden. „Allerdings kann mitgeteilt werden, dass die pädagogische Aufsicht bereits mehrmals vor Ort war, Gespräche mit Pädagoginnen, Eltern und dem Rechtsträger geführt hat und alle notwendigen Schritte bereits in die Wege geleitet wurden, um den Sachverhalt umfassend zu klären“, so Bartl.

Nach dem Vorfall seien jedenfalls eine sorgfältige Aufarbeitung sowie Präventionsmaßnahmen nötig, betont auch Bürgermeister Binder. „Ich verstehe, dass das keine einfache Situation für die Eltern ist. Wir bemühen uns, das Vertrauen in den Kindergarten wiederherzustellen“, verspricht der Ortschef. „Wir wollen natürlich nicht, dass der Kindergarten in einem schiefen Licht gesehen wird. Ein gutes Klima ist uns sehr wichtig, damit die Kinder gerne in den Kindergarten gehen. Das ist unser höchstes Ziel.“