Die Wentzels in Eisenstadt: Vom Greißler zum Investor. Die Familie Wentzel aus Draßburg startete mit einem kleinem Laden am Stadttor, 2012 verkaufte sie ihre Anteile am Großhandel Kastner-Wenzel.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 13. Dezember 2019 (04:40)
Das etwa 2.200 Quadratmeter große Geländer zwischen St. Antoni- und Feldstraße wurde verkauft, dort soll bald ein Wohnprojekt gebaut werden.
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Die Familie Wentzel stammt aus Draßburg, die Brüder Roman und Rudolf eröffneten in der Zwischenkriegszeit je ein Geschäft in Eisenstadt.

Roman betrieb bei der Kreuzung vor der Magdalenenkapelle beim Alten Stadttor einen Lebensmitteleinzelhandel mit angeschlossener Tankstelle und zwei weitere Lebensmittelgeschäfte in der Hauptstraße. In der Hauptstrasse waren etwa die Herren Hohensteiner und Grass zur Lehre, später erwarben die beiden auch diese Geschäfte.

Sein Bruder Rudolf betrieb in der St. Antoni-Straße einen Lebensmittelgroßhandel. Er hatte 4 Töchter und einen Sohn. Der Sohn Eduard absolvierte in Mödling seine Kaufmannsausbildung, ein Schulfreund war Rudolf Babits (1922-2016), dessen Eltern ein Lebensmittelgeschäft in Neufeld hatten.

Das Geschäft der Familie Wentzel in der St. Antoni Straße.
zVg

Eduard Wentzel fiel leider 1944 im Krieg. Da die Töchter keine kaufmännische Ausbildung hatten, konnte Rudolf Babits 1946 als geschäftsführender Gesellschafter ins Unternehmen eintreten — er heiratete auch die älteste Tochter von Rudolf Wentzel.

Rudolf Babits, aber auch Rudolf Wentzel waren Pioniere des österreichischen Lebensmittelhandels, sie waren modernen Abläufen und Neuerungen gegenüber sehr aufgeschlossen. Rudolf Babits bereiste viele Länder zu Studienzwecken und setzte sie dann im Betrieb der Familie Wentzel auch um. Der Betrieb in der St. Antoni-Straße wurde ausgebaut. Der Betrieb war international bekannt, es kamen aus vielen Ländern Delegationen, um Abläufe und Technik kennen zu lernen.

Rudolf Babits lernte in den Niederlanden die Organisation der A&O kennen und brachte diese nach Österreich. Er fand Lebensmittelgroßhändler aus ganz Österreich (wie Kastner, Kiennast, Hornig, Zumtobel), die sich im „A&O-Zentralkontor“ in der Wiener Mahlerstraße zusammenschlossen, um gemeinsame Einkäufe, Abläufe, und Einrichtungen umzusetzen. Rudolf Babits wurde ihr Geschäftsführer. Für die Lebensmitteleinzelhändler wurde die „Freiwillige Leistungsgemeinschaft A&O“ gegründet. Aus der Werbeabteilung der A&O entwickelte sich später eine selbständige Werbeagentur, die noch heute unter dem Namen „St. Stephen‘s“ in Wien existiert.

Die Kooperation mit der Firma Kastner intensivierte sich über A&O, die Firma Wentzel übersiedelte in den 1980er Jahren in die Industriestrasse. 1990 begann die Kooperation Kastner-Wentzel in Eisenstadt, 2012 wurden nach 22-jähriger Zusammenarbeit die Anteile der Firma Wentzel am gemeinsamen Unternehmen, sowie die Immobilie in der Industriestrasse von Kastner übernommen.

Das Gelände in der St. Antoni Strasse wurde nicht mehr für Geschäftszwecke genützt. In jüngster Zeit wurde die Liegenschaft, die doch knapp 2.200 m² groß ist, von einem Investor übernommen.

Hier knüpft die BVZ mit ihren Recherchen an: Bei dem Käufer der Liegenschaft handelte es sich um Schmex-Geschäftsführer Michael Züger. Er riss die bestehende Halle ab und veräußerte den Grund an eine Projektgesellschaft, an der er weiter als Teilaktionär involviert ist. Gegenüber der BVZ erklärt er, dass auf dem Gelände in bester Lage ein Wohnprojekt mit „Town-House“-Charakter entstehen soll. Der Bau soll laut Plan im Frühling 2020 starten, derzeit ist man in der Einreichphase.