Eisenstadt , Güssing

Erstellt am 14. November 2018, 13:11

von Elisabeth Kirchmeir

Prozess in Eisenstadt: „Er hat unsere Familie zerstört“. Fünf Jahre unbedingt für Betrüger bei Prozess am Mittwoch in Eisenstadt – nicht rechtskräftig.

Das Justizzentrum Eisenstadt.  |  Werner Müllner

Heute, Mittwoch, wurde ein 56-jähriger Mann wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs am Landesgericht Eisenstadt zu fünf Jahren Haft verurteilt. Seine Opfer hat er um 590.000 Euro betrogen. Angeklagter und Staatsanwalt baten um Bedenkzeit.

Der gelernte Kellner, arbeitslos und mittellos, logierte an den feinsten Adressen, ließ sich mit dem Taxi von Wien bis Stegersbach und Salzburg chauffieren und kleidete sich teuer.

Finanziert wurde dieser Luxus von gutgläubigen Opfern, unter ihnen ein Zahnarzt aus Deutschland, den der Betrüger um 484.000 Euro erleichterte.

„Offensichtlich hat der Angeklagte meinen Bruder getäuscht“

„Er hat unsere ganze Familie zerstört“, berichtete die in Wien lebende Schwester des Zahnarztes, mit der der Angeklagte von 2013 bis 2016 liiert gewesen war.

Der Hochstapler soll dem Zahnarzt vorgegaukelt haben, er investiere in ein Gas-Pipeline-Projekt, in Wahrheit versickerte das Geld in den Hosentaschen des Angeklagten.

Dieser hatte sich am ersten Verhandlungstag weitgehend schuldig bekannt.

„Wie kam es, dass Ihr Bruder dem Angeklagten so viel Geld überwiesen hat?“, wollte Richterin Birgit Falb von der Schwester des Zahnarztes wissen, auf dessen Einvernahme verzichtet worden war.

„Mein Bruder ist ein rechtschaffener, arbeitsamer, netter Mann“, erklärte die 52-jährige Ex-Lebensgefährtin des Angeklagten. „Offensichtlich hat der Angeklagte meinen Bruder getäuscht. Er hat sich an ihn herangeschlichen und bezeichnete ihn als seinen Schwager.“ In der Familie würden sich, so die Zeugin, „Dramen abspielen“, seit die Betrügereien ihres Ex-Freundes aufgeflogen waren.

Erst Manager eines Hotels im Bezirk Güssing schlug Alarm

2015 hatte der Angeklagte im Cafe Landtmann in Wien eine 46-jährige Frau kennengelernt – am Tag ihrer Scheidung. „Ich war das perfekte Opfer“, sagte diese heute in Kärnten lebende Frau als Zeugin vor Gericht aus. Sie habe dem Mann 15.000 Euro „für irgendwelche Besprechungen geborgt, für die er momentan kein Geld hatte“.

Alarm geschlagen hatte erst der Manager eines Hotels im Bezirk Güssing, in dem sich der 56-Jährige unter falschem Namen eingemietet hatte. Der Gast, der dem Hotel 10.860 Euro schuldig blieb, habe „finanziell potent“ gewirkt, so der Hotelmanager, der im September 2016 Anzeige gegen den Hochstapler erstattet hatte.

In einem Wiener Luxushotel klaffte bereits davor eine offene Rechnung von 12.766 Euro. Jener Taxiunternehmer, der den Angeklagten selbst kürzeste Strecken, etwa vom Hotel bis ins Kaffeehaus, transportierte, machte 16.200 Euro Verlust. Ihm hatte der Angeklagte versprochen, er werde ihn als Privatchauffeur in seiner Firma anstellen und ihm 400.000 Euro zahlen, „sowie er das Geld bekommt…“, so der 68-jährige Taxifahrer, der den Gerichtssaal sichtlich unter Schmerzen und auf Krücken betrat.

„Das Geld“ dürfte nur in der Phantasie des Angeklagten existieren. Und er dürfte davon noch immer träumen: Vor dem Gerichtssaal soll er behauptet haben, er warte auf Geld vom Erdgasunternehmen Gazprom, das „nächste Woche“ kommen werde…

Ein Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Birgit Falb verurteilte den dreifach vorbestraften Mann nicht rechtskräftig zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. An seine Opfer, allen voran den Zahnarzt, muss er mehr als 500.000 Euro zurückbezahlen, außerdem wurden 81.000 Euro für verfallen erklärt – diesen Betrag muss der Verurteilte an den Staat Österreich bezahlen.

„Über Jahre wurde mit extremer krimineller Energie vorgegangen“, fasste die Richterin die Straftaten des Mannes zusammen. Mildernd habe sein Geständnis gewirkt.