Eisenstadts Berufsschul-Direktor Fenz nimmt den Hut

Erstellt am 05. August 2022 | 04:26
Lesezeit: 4 Min
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Wirtschaftskammer-Direktor Peter Nemeth und Spartenobmann Matthias Mirth gratulieren Johannes Fenz zum Pensionsantritt.
Foto: Foto WKB;zVg
Johannes Fenz geht in Pension, mit der BVZ blickt er auf eine lange Pädagogen-Karriere zurück.

„Abschied nehmen ist immer schwer. Ich möchte keinen einzigen Tag, den ich in der Berufsschule Eisenstadt war, missen“, beginnt Johannes Fenz zu erzählen. Der Direktor der Berufsschule Eisenstadt geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge Ende August in Pension. Zuvor lässt er noch seine 40 Jahre an der Schule Revue passieren.

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Neo-Pensionist. Johannes Fenz.
Foto: WKB/zVg

Nach der Pflicht- und Hotelfachschule trat er damals eine Stelle als Koch in Deutschland an. Danach war er als Kellner in der Schweiz tätig. Im Anschluss wollte der Weltenbummler eine Zeitlang in Ghana und Südafrika arbeiten. Dazu kam es allerdings nicht, da zu dieser Zeit dort Bürgerkrieg herrschte. So kam er ins Hotel Intercontinental in Wien, wo er als Hotelkassier und Night Auditor arbeitete.

In Wien lernte der heute 62-Jährige seine Gattin kennen. So blieb er in Österreich. Nach Stationen als Bankettmanager, Hotelleiter und Geschäftsführer bewarb er sich schließlich 1982 als Lehrer an der Berufsschule Eisenstadt. Dort unterrichtete er dann die Lehrberufe Koch, Kellner, Fachtheorie im Einzelhandel, Bewegung und Sport sowie Politische Bildung. Schnell kam Fenz dann zu folgenden Beschluss: „In dieser Schule bleibe ich.“

„Hier ist die praktische Intelligenz zu Hause“

Theoretisches Wissen kann man immer lernen. Aber praktisches Wissen führt zum Erfolg.“

Nachdem Fenz 1993 zum Direktorstellvertreter ernannt wurde, musste er im Jahr 2000 nicht lange überlegen, als die Stelle als Direktor frei wurde. „Ich kannte bereits die Abläufe und war daher wie geschaffen für den Job“, lacht Fenz.

Woanders als in der Berufsschule würde er als Direktor nicht tätig sein wollen, verrät er: „Hier ist die praktische Intelligenz zuhause ist. Die Lehrlinge wissen weitgehend was sie wollen, sie haben einen Beruf gewählt und sich ein Ziel gesetzt. Das macht Berufsschule viel interessanter als andere Schulen.“

Auch von der dualen Ausbildung, der Kombination von Ausbildungsbetrieb als Lernorten mit der Berufsschule, ist der Direktor überzeugt. Die Berufsschule habe die Aufgabe, die berufspraktische Ausbildung zu fördern sowie die Allgemeinbildung zu erweitern. Der Direktor schätzt nicht nur jeden Tag an der Schule, sondern zählt den Beruf als Schulleiter und Lehrer zu den Schönsten der Welt: „Es freut mich, wenn ich Schülern helfen konnte, etwas neugestaltet wird und wenn sich die Lehrer engagieren“, so Fenz.

Die Berufsschule im Wandel der pädagogischen Zeit

Wenn Johannes Fenz auf seine lange Laufbahn in der Berufsschule zurückblickt, so fallen ihm einige einschneidende Veränderungen auf.

„Die Berufsschule entwickelt sich entsprechend der Wirtschaft. Zu Beginn meiner Berufsschulzeit gab es sehr viele Lehrlinge im Textilhandel und kaum welche im Baustoffhandel. Bäcker und Fleischer waren die ,Gründungslehrberufe‘ in der Berufsschule Eisenstadt mit jeweils mehreren Klassen pro Schulstufe“, erzählt er. Heute werden die drei Fleischerlehrlinge des Burgenlandes in Niederösterreich eingeschult. Bei den Bäckern gibt es pro Schulstufe nur mehr eine kleine Klasse.

Auch waren die Schüler nicht so vielen Reizen ausgesetzt. Fenz erinnert sich vor allem noch an eine Zeit ohne Handy zurück. Schüler standen bei der Telefonzelle im Internat Schlange und es mussten sogar Zeitkärtchen ausgegeben werden, damit alle vor dem Schlafen gehen noch telefonieren konnten, erzählt Fenz von früheren Zeiten.

„Ich war jetzt 40 Jahre an der Schule und wir hatten 40 Jahre Baustelle. Bei rund 15.000 Quadratmetern Fläche und bei 18 Lehrberufen ist immer etwas zu tun“, so der Direktor mit Verweis auf die Erneuerungen und den Neubau von Lehrwerkstätten, wie zuletzt die Erneuerung der Lehrküchen und der Lehrrestaurants.

Dazu kommt der politische Umbau: „In meiner Ära hatte ich vierzehn Unterrichtsminister. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass jeder Minister die Bildung neu erfinden wollte und man glaubte, wenn man im Ministerium einen Reformschalter umlegt, dass es sofort in den Schulen ankommt.“ Was einst Sorgenfalten bereitete, sieht der 62-Jährige heute gelassener. Wie die Umsetzung des lernergebnis- bzw. kompetenzorientierten Unterrichtes. Jetzt reiche es aber langsam: „Im Moment glaube ich, ist die beste Entwicklung nichts entwickeln zu wollen.“

Abschließend betont Fenz, warum allen eine Lehre empfehlen würde: „Mit einer Lehre stehen den jungen Menschen alle Türen offen. Der Großteil der Unternehmer kommt nach wie vor aus der Lehre. Theoretisches Wissen kann man sich immer aneignen, praktisches Wissen und Handeln, das man von der Pike auf gelernt hat, führen zum Erfolg.“