Vier Schuldsprüche im Prozess um Überfall in Eisenstadt. Weil sie im März 2017 ein Juweliergeschäft in Eisenstadt überfallen haben, sind vier Männer im Alter von 24 bis 35 Jahre am Dienstag vor Gericht gestanden. Ein Schöffensenat sprach das Quartett des schweren Raubes schuldig und verurteilte zwei Angeklagte zu vier Jahren, die beiden anderen zu zwei Jahren Haft, jeweils als Zusatzstrafe zu einer Verurteilung wegen eines Juwelierraubes in Deutschland.

Von Elisabeth Kirchmeir. Update am 29. Januar 2020 (06:26)
Elisabeth Kirchmeir

Die Urteile sind rechtskräftig. Man habe es mit einer Bande zu tun, die es sich zum Ziel gemacht habe, sich durch Raubüberfälle in ganz Europa das Leben zu finanzieren, stellte der Staatsanwalt im Eröffnungsplädoyer fest. Nachdem einer der Vier schon früher das Juweliergeschäft in Eisenstadt ausgekundschaftet habe, seien alle schließlich im März 2017 angereist, um den Raub auszuführen. Während einer der Männer das Umfeld im Auge hatte, gingen die anderen ins Geschäft, nachdem ein Bandenmitglied die Eigentümerin unter einem Vorwand nach draußen geholt hatte.

Wir berichteten von der Verhandlung: 

Acht bewaffnete Sicherheitskräfte brachten die Männer in den Schwurgerichtssaal im Landesgericht.

Die vier Männer im Alter von 35, 30 und 24 Jahren waren zuvor von den deutschen Behörden bedingt ausgeliefert worden. Sie waren im Februar 2018 wegen ihrer Beteiligung an einem am 1. Juni 2017 in der deutschen Stadt Recklinghausen begangenen Raubüberfall auf einen Juwelier zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Zu dem Raubüberfall auf den Juwelier Hohensteiner bekannte sich der mutmaßliche Kopf der Bande schuldig. Der 35-jährige Bauarbeiter gab an, er habe nur den Tatort ausgekundschaftet und am Tag der Tat den 24-jährigen Mittäter nach Eisenstadt gebracht.

Ein von der Überwachungskamera im Juweliergeschäft aufgenommenes Video zeigt den Mann, wie er bereits am 2. Februar 2017 die Räumlichkeiten auskundschaftet.

Der 24-jährige und der 30-jährige Angeklagte kündigten an, die Verantwortung für die ihnen vorgeworfene Straftat übernehmen zu wollen, ein weiterer 35-jähriger Angeklagter wollte zunächst gar nichts sagen.

Der Prozess ist vorerst für zwei Tage angesetzt. Am ersten Verhandlungstag sei, so die vorsitzende Richterin Birgit Falb, ausschließlich die Einvernahme der Angeklagten geplant.

Täter gab sich als Kunde aus

Der Zweitangeklagte, ein 24-jähriger Gelegenheitsarbeiter, hatte am 7. März 2017 um 12.46 Uhr das Juweliergeschäft Hohensteiner zuerst betreten. Schick gekleidet, wie Richterin Birgit Falb bemerkte, mit dunklem Sakko und lässigem Schal.

Der Mann gab sich als Kunde aus und lockte die Seniorchefin unter dem Vorwand, er interessiere sich für eine Uhr in der Auslage, hinaus vors Geschäft.

Bei der Rückkehr ins Innere des Lokals zückte er eine Softgun und einen Pfefferspray. Zwei weitere Täter, die sich in der Zwischenzeit mit Schals oder Tüchern vermummt hatten, drängten ebenfalls ins Geschäftslokal.

Die Sicherheitstüre wurde mit einem Ziegelstein blockiert.

Männer befahlen: „down, down“

Die maskierten Männer im Alter von 30 und 35 Jahren eilten gezielt zu den Glasvitrinen mit den wertvollen Uhren, zerschlugen diese mit Spaltäxten und entnahmen eine Vielzahl an Uhren, die sie in Rucksäcken und Umhängetaschen verstauten.

Der 24-Jährge nahm indessen eine bedrohliche Haltung ein und bedrohte die Seniorchefin und deren Tochter mit den Worten „down, down“.

Die Männer flüchteten nach wenigen Minuten mit einer Beute im Wert von 343.000 Euro mit einem am Tag zuvor in Wien gestohlenen Audi.

Nach nur 700 Metern stellten sie das Auto in der Nähe des Bahnhofs ab.

Er habe, behauptete der 24-jährige in seiner Befragung vor Gericht, die anderen Beteiligten vorher nicht gekannt.

Alles, was in der Anklageschrift zu seiner Person stehe, gebe er zu. Zu den anderen Angeklagten werde er nichts sagen, kündigte er an.

Ähnlich verantwortete sich der Viertangeklagte, ein 30-jähriger Baumetallarbeiter, bei seiner Einvernahme.

Seine Verteidigerin hatte zu Beginn des Prozesses erklärt, dass ihrem Mandanten, Vater von drei Kindern, „alles sehr leid“ tue und er ein Anti-Aggressionstraining absolvieren wolle.

DNA-Spuren sichergestellt

Vom Zweit- und vom Viertangeklagten wurden DNA-Spuren an diversen, beim Raubüberfall in Eisenstadt verwendeten Gegenständen sichergestellt. Weitere Hinweise auf die Täter lieferte die Auswertung von Telefonüberwachungen und die Videoaufnahmen der Überwachungskamera im Juweliergeschäft.

Fotos sollen den Zweit- und den Viertangeklagten am Tag des Raubüberfalls bei ihrer Anreise per Zug nach Eisenstadt zeigen.

Nach der Tat in Eisenstadt sollen die Angeklagten im Mai 2017 in Tirol Vorbereitungen für einen Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft in Innsbruck getroffen haben. Dabei wurden sie bereits von der Polizei observiert und nach dem Diebstahl eines Autos verfolgt, wodurch dieser Raub vereitelt werden konnte.

Anfang Juni 2017 kam es dann in der deutschen Stadt Recklinghausen zum Raubüberfall auf ein weiteres Juweliergeschäft. Alle vier für die Tat in Eisenstadt angeklagten Männer waren auch an diesem Überfall beteiligt.

„Es sind Profis!“

„Es sind Profis, daran besteht kein Zweifel“, sagte Staatsanwalt Christian Petö in seinem Anklagevortrag. Er sei optimistisch, genügend Beweise vorlegen zu können, um die „Berufsverbrecher“ zu überführen.

Im Prozess gestand der Erstangeklagte, dass er sich vor der Tat in dem Geschäft aufgehalten habe, er habe auch gewusst, dass ein Überfall geplant sei. Sein Mandant gebe dies zu, obwohl die Beweislage seines Erachtens "nicht erdrückend" sei, sagte der Verteidiger des Erstangeklagten.

"Ich habe diesen Raub durchgeführt, der mir zur Last gelegt wird", gab der 24-jährige Zweitangeklagte zu. Der Erstangeklagte habe ihn mit dem Auto nach Eisenstadt gebracht und auf einem Parkplatz aussteigen lassen. Dies deckte sich jedoch nicht mit den Erkenntnissen der Ermittler, die laut Anklage herausgefunden hatten, dass der Mann ebenso wie ein weiterer Komplize mit dem Zug angereist sei.

Auch zwei weitere Mitangeklagte gaben zu, an der Tat in Eisenstadt beteiligt gewesen zu sein. Sie verweigerten jedoch auf mehrmaliges Nachfragen der Vorsitzenden jegliche Auskünfte, die Mitangeklagte betrafen. Im Prozess wird noch für Dienstag ein Urteil erwartet. Zunächst soll am Nachmittag aber noch ein Ermittler des Landeskriminalamtes aussagen.