Oliven aus dem Burgenland: Chance für heimische Bauern

Von der Wirtschaftsagentur Burgenland gefördertes Start-Up „Agro Rebels“ arbeitet in Mörbisch an Projekt zur Züchtung einer „österreichischen“ Olivensorte.

Redaktion BVZ.at Erstellt am 21. September 2021 | 15:30

Der Klimawandel stellt insbesondere die heimische Landwirtschaft vor enorme Probleme. Die Folgen sind geringere Ernteerträge und die längst spürbare Verschiebung der Kulturartenverteilung. Um heimischen Landwirten eine alternative Einkommensquelle im Kampf gegen den Klimawandel zu bieten, hat sich das Start-Up „Agro Rebels“ zum Ziel gesetzt, Oliven und andere mediterrane Sorten in Österreich anzusiedeln.

Das Burgenland bietet mit seinem pannonischen Klima ideale Voraussetzungen. Im Rahmen eines von der FFG geförderten und von der Universität für Bodenkultur wissenschaftlich begleiteten Projekts arbeiten die Jungunternehmer in einem Olivenhain in Mörbisch daran, eine geeignete „österreichische“ Olivensorte zu züchten. Die Nachfrage nach Olivenbäumen seitens der Landwirte sei groß, es bestehen bereits landesweit Partnerschaften.

Das Start-Up wird im Accelerator-Programm des Südhub der Wirtschaftsagentur Burgenland betreut und aus dem Agrarfonds des Landes mit 2.000 Euro unterstützt. Gemeinsam mit den Gründern pflanzten Agrarreferentin Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Eisenkopf und Wirtschaftsagentur Burgenland Geschäftsführer Michael Gerbavsits am Dienstag, 21. September, symbolisch einen Olivenbaum im Olivenhain in Mörbisch.  

Umdenken und neue Ideen notwendig

„Der Klimawandel mit immer höheren Temperaturen, längeren Trockenperioden und Extremwetterereignissen macht der heimischen Landwirtschaft bereits jetzt massiv zu schaffen. Viele autochthone Pflanzen werden langfristig unter diesen Bedingungen nur sehr schwer überleben können. Deshalb braucht es nicht zuletzt auch angesichts des starken internationalen Konkurrenzdrucks am Agrarsektor sofort ein Umdenken und neue Ideen und Strategien. Es braucht vor allem standortangepasste Kulturen, die mit der Hitze und der Trockenheit gut zurechtkommen. Das Olivenprojekt der ‚Agro Rebels‘ erfüllt alle Kriterien der Nachhaltigkeit und ist eine vielversprechende Chance für die burgenländischen Landwirte, neue Absatzmöglichkeiten und damit Einkommensquellen zu erschließen“, sagt Eisenkopf.

Auch Wirtschaftsagentur-Geschäftsführer Gerbavsits ist überzeugt, dass das Projekt erfolgreich sein wird. „Die ‚Agro Rebels‘ sind mit ihrem Olivenbaum-Projekt mit der richtigen Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es freut mich, dass wir seitens der Wirtschaftsagentur mit unserem Knowhow und unseren Beratungsleistungen die Gründer auf ihrem Weg unterstützen können. Von ihrem Erfolg kann letztlich auch die heimische Landwirtschaft profitieren“.

Burgenland kann besonders profitieren

Bereits 2030 sollen die Temperaturen in Österreich jenen von heute in Südeuropa gleichen, die Trockenperioden immer länger, die Extremwetterereignisse häufiger werden – eine Riesenherausforderung für die heimischen Bauern. Die „Agro Rebels“ sehen darin aber auch neue Chancen.

Das Agrar-Start-Up will mediterrane Obstsorten nach Österreich bringen und die Landwirte damit klima-fit machen. „Wenn sich das Klima ändert, dann ändern sich auch die Anbaumöglichkeiten. Und das wollen wir nutzen“ sagt Daniel Rössler, der Co-Gründer der „Agro Rebels“. Vor allem das Burgenland könne davon profitieren.

Exotisch österreichisch

Wegen des günstigen Klimas erweist sich das Burgenland mehr und mehr als idealer Standort für die neuen mediterranen Produkte. Im Zentrum steht dabei eine Frucht mit jahrtausendealter Tradition: Die Olive. 400 Olivenbäume in 4 Bundesländern haben die Agro Rebels bisher eingepflanzt, den Großteil davon im Burgenland. „Unser Ziel ist es, die besten Sorten für den österreichischen Standort zu erforschen“ sagt Lukas Hecke, der zweite Co-Founder des Unternehmens.

Innovation und Tradition      

Diese Forschung findet seit Frühjahr 2020 in Mörbisch am Neusiedlersee statt. Dort haben die Agro Rebels einen Forschungs-Hain angelegt und testen, gemeinsam mit der BOKU, welche Olivenbäume in Österreich am besten gedeihen. „Insgesamt haben wir 25 Sorten aus 5 Ländern eingesetzt. Die Unterstützung des Landes Burgenland hat es uns ermöglicht, so viele unterschiedliche Bäume auszupflanzen und zu erforschen“ erklärt Dr. Markus Fink, der wissenschaftliche Leiter des Start-Ups.

Angebot an Landwirte

Das Wissen, das so in den nächsten Jahren gewonnen wird, gibt burgenländischen Landwirten eine neue „Waffe“ gegen den Klimawandel in die Hand. Ähnlich wie in der Toskana oder der Provence könnten auch zwischen heimischen Weingärten bald Olivenhaine stehen. „Der Wein und die Olive passen hervorragend zusammen: kulinarisch, touristisch und wirtschaftlich“ sagt Markus Simhirt, der Olivenproduzent und landwirtschaftliche Leiter der „Agro Rebels“.

Dieses Potential wollen die Jungunternehmer in Zukunft gemeinsam mit burgenländischen Landwirten nutzen. Bauern mit Interesse, Mut und freier Fläche können sich jederzeit bei ihnen melden.