Osliper Štrapova: Alte Bräuche leben länger. Bei der Osliper Štrapova kommt der Kirtag zu den Menschen: Die Dorfjugend bringt dabei ein bisschen Kirtagsstimmung zu älteren Oslipern, die nicht mehr dabei sein können.

Von Reinhold Woditsch. Erstellt am 23. August 2019 (06:04)
Reinhold Woditsch
Strapova. In Oslip gibt es viele ältere Menschen, die zu schwach sind um dem Kirtag beizuwohnen. Um sie nicht vom Dorfleben auszuschließen, haben die Osliper einen alten Brauch ausgegraben. Jetzt kommt der Kirtag zu ihnen.

Einen Frühschoppen am letzten Tag des Kirtags zu haben, ist im Burgenland keine Seltenheit. Auch der Nachkirtag, der nach dem eigentlichen Kirtag stattfindet, ist vielen Burgenländern ein Begriff.

Eine ganz besondere Form des Nachkirtages findet man in Oslip. Bereits zum 11. Mal fand dort am 16. August die sogenannte Štrapova statt.

Ein Umzug, bei dem eine Feiergemeinde nachmittags durch das Dorf zieht und das Kirtags-feeling zu den Menschen bringt. Dabei öffnen die Bewohner ihre Türen und urige, burgenländische Gastfreundschaft stößt auf traditionelle kroatische Musik.

Wiederaufleben einer alten Tradition

Die Tradition gab es bereits vor über hundert Jahren, sie geriet aber leider zunehmend in Vergessenheit und wurde lange nicht mehr aktiv gefeiert. Hinter der jetzigen Reaktivierung steht eine Gruppe junger Osliper, die die Štrapova wieder aufleben lassen wollte.

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Nachkirtag. Die Dorfjugend rund um Bürgermeister Stefan Bubich (2.vl. mit Cowboy-Hut) brachten den Kirtag zu den Älteren.

Stephan Strommer, einer der Mitorganisatoren, die dem alten Brauch neues Leben einhauchen wollen, erzählt: „Ich bin sehr geschichtsinteressiert und habe meine Eltern und Großeltern öfter nach typischen Bräuchen aus der Region gefragt. Mein Vater hat dabei öfter die Štrapova erwähnt und so haben wir das Konzept gemeinsam mit Konrad Robitza, dem Obmann des kroatischen Kulturvereines, aufgegriffen und entwickelt.“

Fahrende Bar mit eigenem Bier

Am Anfang wurde dabei in den verschiedenen Gasthöfen in Oslip Musik gespielt. „Als wir uns auf den Weg von Gasthaus zu Gasthaus gemacht haben, schauten die Leute aus ihren Häusern. Es dauerte nicht lang, bis die Leute mitsangen, ihre Häuser öffneten und uns mit Getränken versorgten. So hat die Štrapova den Charakter eines Umzuges bekommen“, so Strommer.

Neben einer fahrenden Bar, die durch den Ort gezogen wird, gibt es mittlerweile auch ein eigens für die Štrapova gebrautes Bier. Für den Gerstensaft zeichnet sich der Osliper Hobby-Bierbrauer Didi Kolhanek verantwortlich.

Ein weiterer Mitorganisator ist übrigens der Osliper Bürgermeister Stefan Bubich, der sich vor allem über den Zusammenhalt freut, den die Štrapova mit sich bringt: „Besonders schön ist es, dass Jung und Alt gemeinsam feiert und jeder seinen Beitrag leistet. Vom Musizieren über das Backen bis hin zum Ausschenken fügt sich die Štrapova zu einem wunderschönen Gemeinschaftserlebnis zusammen.“

Bleibt fast überflüssig zu erwähnen, dass sich alle Beteiligten bereits darauf freuen, wenn die Osliper aller Altersklassen bei der Štrapova 2020 wieder ihre Türen öffnen.

Reinhold Woditsch ist Blogger, auf www.PusztaVibes.at schreibt er über das Leben im Burgenland.