Mögliche Grenzöffnung: „Sind nicht abgeneigt“. Bürgermeister Markus Binder (ÖVP) kann sich eine Öffnung der Grenze bei Mörbisch vorstellen. Auch die Pläne für das Seebad in Fertörakos sieht der Ortschef positiv.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 01. August 2019 (18:09)
Große Pläne. Auf der ungarischen Seite des Neusiedler Sees hat die Tochter von Ministerpräsident Viktor Orban ambitionierte Pläne für das Seebad.
zVg/cyberpress.hu

Die Debatte um die Straßenbau-Projekte auf der ungarischen Seite der Grenze strahlt bis nach Mörbisch. Wegen der Straßensperre zwischen St. Margarethen und Sopron sei eine Zunahme des Verkehrs auf Feldwegen zu verzeichnen, berichtet Bürgermeister Markus Binder (ÖVP). „Es fahren zur Zeit wieder mehr Leute über die die grüne Grenze“, obwohl die Schotterwege eigentlich gesperrt sind.

Grundsätzlich hat der Ortschef aber kein Problem mit einer möglichen Grenzöffnung, diesbezüglich gebe es immer wieder Gespräche mit dem ungarischen Amtskollegen in Fertörakos. „Bisher sind wir aber auf keinen grünen Zweig gekommen.“ Streitpunkt sind die grenzübergreifenden Radwege, die für die ganze Region ein Touristensmagnet und Wirtschaftsmotor sind. Binder schließt eine gemeinsame Nutzung für Auto- und Radverkehr aber kategorisch aus: „Ohne getrennte Radwege und Straßen brauchen wir gar nicht weiterdiskutieren.“

Hälfte dafür, Hälfte dagegen

Eine eigene Straße sei aber zur Zeit ausgeschlossen. Nicht wegen Bedenken auf österreichischer Seite, sondern wegen anderer Prioritäten in Ungarn. Weil die Umfahrung Sopron und der Ausbau der Straße Richtung St. Margarethen derzeit einen höheren Stellenwert haben, sei für einen Ausbau auf ungarischer Seite kein Geld da, so Binder. „Bei uns wäre das kein Problem, auf österreichischer Seite ist bis zum Umkehrplatz 150 Meter vor der Grenze alles asphaltiert.“ In Ungarn müssten allerdings vier Kilometer neu errichtet werden. Auch in Mörbisch muss man sich mit den Verkehrsplänen nach den ungarischen Nachbarn richten.

Natürlich gebe es auch berechtigte Argumente gegen die Öffnung — Stichwort Verkehr. Eine unverbindliche Gemeindeumfrage, bei der 30 Prozent der Dorfbevölkerung abgestimmt haben, brachte ebensowenig Klarheit: Jeweils eine Hälfte sprach sich für und gegen eine Grenzöffnung aus. Die Pattstellung sei auch genauso im Gemeinderat gegeben, bis auf weiteres ist also nicht mit Veränderungen zu rechnen.

Pläne in Fertörakos für Binder „sicher positiv“

Unklarheit herrscht in Mörbisch auch bezüglich des umstrittenen Großprojektes in Fertörakos, wo die Tochter von Ministerpräsident Viktor Orban eine Anlage plant, deren Dimension im Burgenland für viel Kopfschütteln sorgt und etwa dem „Masterplan“ für den burgenländischen Teil des Neusiedler Sees widersprechen würde. Bisher liege wenig Handfestes am Tisch, so Binder. Sollten die Pläne allerdings wie eingereicht umgesetzt werden, „kann das nur positiv für uns sein.

Ein Juwel am See wird geschaffen und viel investiert. Der Eintritt wird daher wohl auch eher teuer ausfallen, was für uns natürlich auch nicht negativ ist.“ Bisher seien zwar viele Badegäste aus Ungarn in Mörbisch, die künftig ausbleiben könnten. Aber: „Die Belebung des Seebades in Fertörakos ist sicher für die ganze Region eine gute Entwicklung.“ Bis die Pläne in Fertörakos umgesetzt werden und das Seebad Form annimmt, will Binder mit einem endgültigen Urteil aber noch abwarten.

Heute, Mittwoch, lädt das RAMSAR-Komitee des Bundesumweltamtes zu einem „grenzübergreifenden Gespräch“ zum Thema Fertörakos nach Mörbisch. Auf der Gästeliste steht dabei etwa Vize-Bürgermeisterin Bettina Zentgraf (SPÖ), Ortschef Binder fehlt darauf jedoch. Die Organisatoren erklärten gegenüber der BVZ, dass es sich um ein Versehen handle und man die Einladung nachholt.