Mörbisch: Streit um Kündigung im Seebad. Eigentlich wurde Seebad Mörbisch-Geschäftsführer Michael Bacher entlassen, nach dem Rückzieher kündigt Bacher nun selbst — hinterlässt er einen „Scherbenhaufen“?

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 21. Januar 2021 (05:54)
Dunkle Wolken. Über dem Seebad braut sich ein Sturm zusammen. Kritik an Management und Kommunikation zieht sich durch alle Fraktionen.
BVZ

Im Seebad Mörbisch hängt der Haussegen schief: Nach 2,5 Jahren im Amt wurde Geschäftsführer Michael Bacher nach Kritik von Mitarbeitern und allen drei Fraktionen im Gemeinderat entlassen. Die bereits kommunizierte Kündigung wurde jedoch nicht offiziell durchgesetzt, sondern zurückgezogen. Bacher selbst zog schließlich einen Schlussstrich und kündigte selbst mit 31. März 2021. Bis dahin wolle der scheidende Seebad-Chef und nunmehrige Grüne Burgenland-Geschäftsführer allerdings noch einiges „umkrempeln“ und „Chaos stiften“, kritisieren die blaue und rote Orts-Opposition. Gestritten wird dabei gleich auf mehreren Baustellen.

Kritisch. Vize-Bürgermeisterin Bettina Zentgraf kritisiert das Management der letzten Jahre.
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SPÖ- und FPÖ-Politiker sind dabei allerdings nicht nur in ihrer politischen Funktion in den Streit ums Seebad involviert: Vize-Bürgermeisterin Bettina Zentgraf (SPÖ) sitzt als Vertreterin des örtlichen Tourismusverbandes — dem 25 Prozent des Seebades gehören — im Vorstand. FPÖ-Ortsparteichef Gerald Sommer ist als Pächter mit der Schifffahrt Weiss-Sommer ebenfalls direkt betroffen.

Die Kritik an Bacher: Von Fahrtspesen über ein „vergiftetes Arbeitsklima“ bis zur Untätigkeit wird dem scheidenden Geschäftsführer der Tourismusbetriebe Mörbisch GmbH einiges angekreidet — von Mitarbeitern, Pächtern und über alle Gemeinderatsfraktionen hinweg.

Erste Baustelle: Budget wegen Fehlern abgelehnt

Im Budget-Entwurf (den die BVZ einsehen konnte) ist ein Posten für Fahrtkosten inkludiert, der im Gemeinderat für Stirnrunzeln sorgte: Bacher habe unrechtmäßig Hin- und Rückfahrt sowie Fahrten am Gelände selbst verrechnet. Das berichten mehrere Gemeinderäte gegenüber der BVZ. Laut Bacher handelt es sich um einen Streitwert von 150 Euro. Er wolle die rechtlichen Rahmenbedingungen prüfen und verzichte einstweilen auf „die paar Netsch.“

Zurückhaltend. Bürgermeister Markus Binder (ÖVP) hält sich zur Causa bedeckt.
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Bürgermeister Markus Binder (ÖVP will sich dazu nicht äußern, sehr wohl aber zum 12.000 Euro schweren Budgetposten „Büro“, der der Opposition sauer aufstößt. Entgegen deren Darstellung sei das Büro am Seegelände schon länger geplant: „Wir haben uns für ein Modell wie bei den Seefestspielen entschieden. Im Winter wird das bisherige Büro — das ehemalige Kopier-Kammerl im Gemeindeamt — genutzt, im Sommer sitzt der Geschäftsführer am Seegelände, bei den Gästen und Pächtern.“ Abgelehnt wurde das Budget allerdings wegen eines „Verweisfehlers in Excel“, wie Bacher eingesteht.

Zweite Baustelle: Dauerbrenner Schranken

Ein anderer Streitpunkt am See geht in seiner Entstehungsgeschichte schon zehn Jahre zurück. Damals wurde der Schranken zum Seegelände abgebaut, seither wird kostenlos geparkt. „Ich sage es klar: Wir brauchen eine Schrankenanlage. Das Seebad schreibt jährlich rote Zahlen in Höhe von 200.000 Euro, daher brauchen wir die Mehreinnahmen“, so Binder entschlossen. Bacher alleine ist dafür freilich nicht verantwortlich.

Dritte Baustelle: „Vergiftete“ Atmosphäre

Wo sich alle drei Fraktionen, viele Mitarbeiter und Pächter einig sind: Das Gesprächs- und Arbeitsklima am See sei „vergiftet“, die Kommunikation laufe schlecht bis gar nicht. Der ehemalige Vorarbeiter am See wurde kurz nach Antritt Bachers gekündigt, sein Nachfolger vor Kurzem entlassen. Mitarbeiter klagen der BVZ von „vergiftetem Arbeitsklima“ und „Bauchweh wegen der Arbeit“. Der scheidende Geschäftsführer widerspricht: „Mein Gesprächsstil ist und war aber immer konstruktiv und wertschätzend. Jede andere Behauptung kann ich nur als grobes Missverständnis oder im schlimmsten Fall als Denunzierung mir gegenüber interpretieren.“ Die Entlassung eines Mitarbeiters —

die FPÖ übte daran auf Facebook Kritik — am Seegelände verteidigt Bacher: „Der Mitarbeiter, von dem wir uns mit Jahresende getrennt haben, war handwerklich qualifiziert, jedoch gab es Verfehlungen, die wir nicht nachsehen konnten.“

Vierte Baustelle: Doch keine Entlassung

Die Vize-Bürgermeisterin kritisiert die plötzliche Meinungsänderung Binders hinsichtlich der dann doch nicht durchgesetzten Entlassung Bachers. Dass dieser eigentlich für eine Entlassung Bachers gewesen sei, habe nun „in Gemeinde und Seebad ein völliges Chaos angerichtet, obwohl gerade jetzt in der Krise konstruktives Arbeiten wichtig ist“, so Zentgraf. „Das Ganze hat natürlich auch eine politische Dimension. Ich kann sonst nichts dazu sagen“, hält sich Binder bedeckt. FPÖ-Ortsparteiobmann Sommer schießt sich unterdessen auf den Stillstand im Ort ein: „Rust floriert — Mörbisch stagniert“, moniert die FPÖ in einer Aussendung.

Kündigung. Der scheidende Tourismusbetriebe Mörbisch Geschäftsführer, Michael Bacher.
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Bacher selbst bestätigt die Vorgänge um die Kündigung: „Tatsächlich wurde die Kündigung mündlich formuliert, mit dabei waren Bürgermeister, Vizebürgermeisterin und der Amtmann.“ Als Geschäftsführer müsse er aber schriftlich, per Beschluss, abberufen und aus dem Firmenbuch gelöscht werden. „Schließlich kam man wohl zum Schluss, die formulierte Kündigung wieder zurückzunehmen“, schätzt Bacher. Als Grund für die mündliche Kündigung wurde ihm unter anderem auch eine Datenschutzverletzung vorgeworfen. Der Vorwurf sei aber zu vage, um ihn beurteilen zu können.

„Für mich waren die letzten Monate in Mörbisch nicht einfach. Ich bin erschüttert, wie mit mir umgegangen wurde und wird. Das darf in Zukunft nicht mehr passieren“, hofft Bacher zum Abschied auf eine bessere Zukunft. Touristen empfiehlt er Mörbisch nach wie vor: „Kommen Sie nach Mörbisch. Es ist turbulent, aber schön.“

Ab April ist die Stelle des Geschäftsführers jedenfalls vakant, Bewerbungen sind gerne gesehen, versichert Binder. Ebenso für den frei gewordenen Posten des Gemeindearbeiters. Vielleicht können die beiden neuen Akteure ja Brücken über die tiefen Gräben in der schönen Seegemeinde bauen.