„Animal Hoarding“: Süchtig nach Tieren. Das sogenannte „Animal Hoarding“, das zwanghafte Horten von Tieren, wird zunehmend zum Problem für alle Beteiligten. Wir sprachen mit Wolfgang Böck vom Eisenstädter Tierschutzhaus Sonnenhof.

Von Reinhold Woditsch. Erstellt am 07. Februar 2020 (05:39)
Besorgniserregende Entwicklung. Der Geschäftsführer des Landestierschutzvereines Sonnenhof, Wolfgang Böck, spricht von den Folgekosten und sozialen Problemen mit dem Phänomen des „Animal Hoarding“.
Reinhold Woditsch

Immer häufiger hört man von Menschen, die zahlreiche Tiere unter höchst bedenklichen Umständen halten. Dieses Verhalten kann zum Zwang werden — dann spricht man von „Animal Hoarding“.

„Wissenschaftlich gesehen kennt man mittlerweile mehrere Ursachen für Animal Hoarding“, eröffnet der Geschäftsführer des Landestierschutzvereines Sonnenhof, Wolfgang Böck, das Gespräch mit der BVZ. „Letztlich geht es aber immer darum, dass Menschen mehr Tiere halten, als sie versorgen können.“

Einige Leser werden ähnliche Begebenheiten schon erlebt haben. Oft sind es vereinsamte Menschen mit wenig sozialen Kontakten, die enorm viele Tiere um sich horten und dabei denken, ihnen damit etwas Gutes zu tun. In Extremfällen kommt es dann zu Abnahmen, wobei solche Tiere oft im Sonnenhof landen.

„Leider haben wir in den letzten Jahren dahingehend einen Anstieg bemerkt“, so Böck. „Die genauen Gründe sind individuell unterschiedlich, es ist aber insgesamt davon auszugehen, dass es sich um einen Anstieg von psychosozialen Problemen in der Bevölkerung handelt. Menschen, die von Freunden und Verwandten allein gelassen werden, schaffen sich mit den Tieren ihre eigene Welt.“

Außerdem hat er Erfahrungen mit einer eine weiteren Gruppe von Animal Hoardern gemacht: „Der zweite, geringere Anteil sind Menschen, die Tiere aus narzisstischen Motiven bei sich haben. Ihnen geht es vor allem um Macht und Kontrolle über die Tiere.“

Hohe Folgekosten für Tierschutzhäuser

Da sich viele Tierschutzhäuser aus öffentlichen Geldern und Spenden finanzieren, ist auch der finanzielle Schaden für die Allgemeinheit enorm: „Wenn es zu einer Abnahme und Anzeige kommt, ändert sich dadurch ja nicht die Denkweise der Animal Hoarders“, erklärt Böck.

„Viele Betroffene haben bereits bis zum Prozesstermin die ersten neuen Tiere angeschafft. Die abgenommenen Tiere müssen von uns langsam und mühsam aufgebaut und an das Leben gewöhnt werden. Da kann es schon vorkommen, dass ein Hund sich erst nach Jahren an der Leine führen lässt. Wir müssen also für die gesamte Pflege und Nahrung dieser Tiere aufkommen, weil sie natürlich nicht unmittelbar nach einer solchen Abnahme vermittelbar sind. Dabei kommen erstaunlich hohe Geldbeträge zusammen.“

Experte: „Bei Verdacht die Polizei verständigen

Auf die Frage, wie man dem Phänomen entgegenwirken könne, sagt Böck: „Bei der Gruppe der narzisstisch motivierten Animal Hoarders wäre es wünschenswert, wenn die Behörden eine zentral verwaltete Kartei hätten, denn sie wechseln nach einer Anzeige oft das Bundesland und beginnen dort von Vorne. Aufgrund des Aufwandes und der Kosten halte ich die Durchführung dieser Maßnahme allerdings für nicht sehr wahrscheinlich.“

„Eines könnte aber jeder beitragen“, sagt er abschließend: „Halten Sie die Augen offen und melden Sie Ihre Beobachtungen bei Verdacht der Polizei. Denn wenn andere Menschen darauf aufmerksam werden, ist das Leid der Tiere oft schon weit fortgeschritten.“ Gleichzeitig unterstreicht er, dass es sich dabei um keinen Aufruf zum Denunzieren handelt: „Sollte sich der Verdacht als haltlos erweisen, passiert den Tierhaltern nichts und wenn er sich doch bewahrheitet, helfen Sie Mensch und Tier.“