Kommt Hafenprojekt in Fertörakos nun doch?. Das international kritisierte Bauprojekt wurde nun genehmigt. Der Welterbe-Status des Sees wackelt, die Landesregierung kann nur „beobachten“.

Von Birgit Böhm-Ritter und Markus Wagentristl. Erstellt am 13. August 2020 (05:34)
Status Quo. Bereits seit zwei Jahren ist der Seezugang in ungarischen Fertőrákos gesperrt. 
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Nachdem im Juli der Bauantrag für das zweistöckige Hotel inklusive riesiger Marina in Fertőrákos zurückgezogen wurde, war der Jubel der Umweltschützer groß: Wie die BVZ berichtet hatte, stand der Unesco-Weltkulturerbe-Status des ganzen Neusiedler Sees auf dem Spiel. Nun wurde der Antrag aber laut ungarischen Medienberichten erneut eingereicht und genehmigt.

Es dränge die Zeit, warnen Aktivisten von Unesco und Ramsar (die Feuchtgebiete-Konvention der Vereinten Nationen UN) sowie Kritiker des ungarischen Premierministers Viktor Orbán (die Baufirma steht seiner Schwesterpartei KDNP nahe): Wenn bis 15. August keine Klage eingegangen ist, ist das Projekt durch.

Nach Bekanntwerden der Baugenehmigung vom 31. Juli fordern nun 30 Organisationen aus 20 Ländern (von China bis Estland und von Norwegen bis Australien) in einem gemeinsamen Schreiben an die Direktorin des UNESCO-Welterbe-Zentrums Mechtild Rössler die Eintragung des Neusiedler Sees in die Rote Liste gefährdeter Welterbestätten. Die Umweltschützer kritisieren in ihrem Schreiben „eine nicht nachhaltige Tourismus- und Immobilienentwicklung innerhalb der Kernzone“ des Unesco-Weltkulturerbes. Der außergewöhnliche universelle Wert des Gebietes sei gefährdet.

Zukunftsvision: So soll sich das Strandbad in Fertörakos künftig präsentieren. Der Plan wird von Umweltschutzorganisationen heftig kritisiert.
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Auch die GRÜNE Landessprecherin Regina Petrik zeigte sich alarmiert ob der Baugenehmigung und forderte die Landesregierung zum Handeln auf: Umweltlandesrätin Eisenkopf müsse im Namen des Burgenlandes als direkt Betroffene rasch Einspruch gegen diesen Baubescheid erheben – die Frist laufe bis 14. August. „Unser Ziel muss sein, dieses Projekt auf ein naturverträgliches Maß zu reduzieren, denn nur so lässt sich auch der Welterbe-Status erhalten“, betont Petrik.

Eine rechtliche Handhabe für das Burgenland sieht Landesrätin Astrid Eisenkopf (SPÖ) allerdings nicht: „Die ungarischen Behörden haben das Projekt Fertörakos genehmigt. Es handelt sich dabei um ein Bauverfahren nach ungarischem Recht. Das Land Burgenland hat keine rechtlichen Möglichkeiten, dagegen vorzugehen.“ Eisenkopf erinnert: Eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung, die das Burgenland immer wieder gefordert hatte, sei laut dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus für nicht notwendig befunden worden. Auch das Bundeskanzleramt habe damals keine Gefahr für einen Verlust des Welterbestatus gesehen.

Eisenkopf spielt den Ball an die Grüne Klimaschutzministerin Leonore Gewessler und den Bund. Aus dem Bundesministerium für Klimaschutz und Umwelt (BMK) heißt es allerdings, in grenzüberschreitenden UVP-Verfahren habe das BMK eine reine Übermittlungsfunktion, die zuständigen Behörden seien die jeweiligen Landesregierungen.

Das BMK hat nun von der ungarischen Espoo Kontaktstelle (Landwirtschaftsministerium) Informationen zum aktuellen Bauverfahren angefordert, um prüfen zu können, ob rechtliche Handlungsmöglichkeiten für das Burgenland oder für Umweltorganisationen bestehen. Klimaschutzministerin Gewessler wird das Thema auch bei einem Treffen mit ihrem ungarischen Amtskollegen Anfang September auf die Agenda nehmen.

Folgen für das Burgenland

Der Ramsar-Aktivist Wolfang Pelikan sieht das anders. Gegenüber der BVZ betont er, dass das Projekt zweierlei Folgen für das Burgenland haben könnte: Einerseits ist ein Verlust des Welterbe-Status ein Verlust für die Tourismus-Werbung (wie schon vor Jahren beim Verlust des Biosphären-Status). Der zweite, wesentlich folgenschwerere Schaden: Wenn der Unesco-Status fällt, öffnet sich gleichzeitig die Tür für „gigantomanische“ Bauprojekte auf der österreichischen Seite. „Der See“, warnt er, „wird nicht mehr das sein, was er jahrhundertelang war.“