Auferstehung des Eisenstädter Haydn-Kinos. Das alte Haydn-Kino in Eisenstadt wurde neu übernommen und soll wieder ein Ort für Filmvorführungen, Vorträge und Events werden. Ein Fragezeichen aber bleibt.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 13. August 2020 (05:39)

Jede Generation in Eisenstadt – und vor allem am Oberberg – hat eine andere Erinnerung an das Haydn-Kino. Für die Jüngsten ist es nur noch ein überdimensionierter Taubenkobel hinter der Bushaltestelle, für die Kinder der Achtziger und Neunziger wird es wohl für immer das „Cocktail“ bleiben. Die Generation davor sah wahrscheinlich noch den letzten Film von der Rolle laufen.

Leerstand nach bewegter Geschichte

Diese hatte Eduard Tschida Ende der Achtziger-Jahre eingelegt, es war ein Blockbuster („entweder ,Otto‘ oder ,James Bond‘“). Und auch einen Bildauftrag wollte Tschida noch erfüllen: In den letzten drei Wochen führte er die Eisenstädter durch die Filmgeschichte, bis ganz an den Anfang, als es noch Stummfilme gab und ein Klavierspieler diese musikalisch begleitete.

In die Stummfilm-Ära fiel auch die Gründung des Haydn-Kinos durch Tschidas Urgroßeltern. Seine Urgroßmutter Josefa Horak scheint als Gründerin des Kinos im Jahr 1924 auf. Damit ist das Haydn-Kino nur 19 Jahre jünger als das älteste noch bespielte Kino Österreichs, die Breitenseer Lichtspiele in Wien.

Julia Pinter hat ihre Diplomarbeit an der Uni Wien über die Kino-Geschichte des Burgenlandes geschrieben. Sie ist ironischerweise ebenfalls Kinogründer-Urenkelin, ihr Urgroßvater Stefan Pinter eröffnete 1926 das (1986 geschlossene) Schattendorfer Zentralkino. Sie betont die Rolle des Kinos als modernes Massenmedium im damals bettelarmen Burgenland, in dem Radiogeräte rar waren.

Aus diesem Grund verwendete die Rote Armee nach der Befreiung des Burgenlandes von den Nazis das Haydn-Kino auch, um die Eisenstädter mit Filmen über russische Kultur für sich zu gewinnen. Bei 452 Sitzplätzen erreichten sie einen Gutteil der damals nur 7.000 Eisenstädter.

Aber wenige Jahrzehnte nach Abzug der Roten Armee zogen die Fernsehgeräte in die Haushalte des Burgenlandes ein, die eine übermächtige Konkurrenz für die burgenländischen Kinos darstellten. Pinter zählte 1961 noch 98 Kinos, 1983 waren es nur noch 29, 1998 nur noch acht. Auch das Haydn-Kino schloss in dieser Phase. Nach Intermezzi mit Tanzkursen, Billard, Glückspiel und Cocktailbar blieb das Haydn-Kino leer, ging an eine niederösterreichische Familie, und verfiel fünfzehn Jahre lang.

Haydn-Kino soll wieder Kultur-Ort werden

Wie die BVZ nun erfuhr, erwarb in der vergangenen Woche ein Burgenländer das Haus. Der zukünftige Besitzer plant laut Auskunft des Planers Wolfgang Klepeis „dieses Baujuwel zu erhalten“. Der ehemalige Kinosaal soll auf jeden Fall erhalten werden, wie er der BVZ gegenüber betont, und zu Veranstaltungen dienen. Diese Pläne sind von der Zustimmung des Bundesdenkmalamtes abhängig, die Gespräche dazu laufen bereits, die BVZ wird natürlich berichten. Geplant ist außerdem diese Räume mit weiteren Projekten des privaten Bauträgers unter dem Namen „Kulturräume Eisenstadt“ zu integrieren.