Sex mit Klient: keine Schuld der Therapeutin

Erstellt am 23. September 2022 | 04:55
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Gericht Eisenstadt Justizzentrum Eisenstadt Burgenland Prozess Urteil Symbolbild
Das Justizzentrum Eisenstadt.
Foto: Werner Müllner
Klient: „Sie war faszinierend für mich!“ Psychologin: „Es gelang mir, das professionell zu handhaben.“ Freispruch!

Nach dem Tod seiner Frau hatte ein Mann aus dem Bezirk Eisenstadt psychologische Hilfe gesucht.

Er wurde zu einer Psychotherapeutin mit Praxis im Nordburgenland vermittelt, wo im November 2021 die erste Sitzung stattfand.

„Vom ersten Augenblick bestand ein persönliches Interesse von meiner Seite“, sagte der Klient vor Gericht aus. „Sie war faszinierend für mich.“

Auch die Psychotherapeutin bemerkte, dass der Klient mehr wollte. „Das war mir sehr unangenehm“, sagte sie vor Gericht als Angeklagte aus.

Der Klient hatte sie im März 2022 beim Dachverband der Psychotherapeuten angezeigt, die Angelegenheit ging dann zur Beschwerdestelle im Bundesministerium weiter, von dort zur Polizei und zur Staatsanwaltschaft.

Diese klagte die Psychotherapeutin an. Sie habe ihr Autoritätsverhältnis ausgenützt und von 15. Dezember 2021 bis 25. Jänner 2022 eine sexuelle Beziehung zu ihrem Klienten gepflogen.

Die Therapeutin bekannte sich nicht schuldig. Nach fünf Sitzungen habe sie die Therapie mit dem Klienten am 7. Dezember 2021 beendet.

Erst danach sei man sich näher gekommen.

„Bis zum Ende der Sitzungen gelang es mir, das professionell zu handhaben“, sagte die Therapeutin.

Außerdem habe es „nie ein Autoritätsverhältnis gegeben“.

„Im Gegenteil: Ich fühlte mich respektlos behandelt“, schilderte die Therapeutin das Verhalten des Klienten. „Er kommentierte in der Sitzung, wie ich gekleidet bin, meine Figur und wie toll ich aussehe“, sagte sie.

„Ich erlaubte mir keine Entgleisungen“, widersprach der ehemalige Klient vor Gericht. Die Therapeutin habe ihm schließlich eröffnet: „Du brauchst mich und keine Therapie.“ Damit habe sich für ihn, so der Witwer, „ein Fenster geöffnet“.

Er bestätigte, dass die Psychologin aus seiner Sicht die Therapie beendet hatte, bevor die sexuelle Beziehung begann. Im Dezember habe sich in Chats eine Beziehung entwickelt, so der Ex-Klient. Im Jänner sei diese „relativ unmittelbar in sehr intensiven sexuellen Kontakt umgeschlagen“.

Die Therapeutin bestritt, dass es Geschlechtsverkehr gegeben habe. Einmal habe sie im alkoholisierten Zustand mit dem Mann oral verkehrt.

Sie habe ihn in Chats als „Sexgott“ bezeichnet, entgegnete der Ex-Klient.

Ex-Klient: „Ich hätte sie geheiratet!“

„Nach drei Monaten hätte ich sie geheiratet. Ich habe sie über alles geliebt“, sagte er.

Im März habe die Therapeutin dann ihm gegenüber zugegeben, „dass alles ein Fake war“, so der enttäuschte Liebhaber.

Sein Psychiater und die Psychologen, mit denen er danach versuchte, seine Situation aufzuarbeiten, hätten ihm geraten, die Episode zu melden.

Richterin Doris Halper-Praunias sprach die Psychotherapeutin frei. „Sogar das vermeintliche Opfer gab an, dass die Beziehung erst begann, als die Therapiesitzungen zu Ende waren.“ Damit sei das vorgeworfene Delikt nicht erfüllt.