Gut versorgt in der Coronakrise: Helden des Alltags. Manfred Moyses ist zur Zeit als Nahversorger gefragter denn je.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 05. April 2020 (06:11)
Liefersiervice. Greißler Manfred Moyses (r.) und Manfred Scherr.
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„Mir wäre es lieber, wenn es normal weitergehen würde— auch wenn ich jetzt mehr Umsatz mache“, erzählt Manfred Moyses. Seine „Nah und Frisch“-Filialen — er leitet das Geschäft in Oggau, seine Mutter in Donnerskirchen — liefern derzeit auch nachhause.

Dabei wird ihm viel Dankbarkeit entgegengebracht, selten waren Greißler so wichtig wie derzeit für die Versorgung am Land. Doch die Arbeit sei derzeit besonders hart: „Es ist stressig. Logistisch ist es ein Riesenaufwand“, so Moyses.

Im Laden. Tamara Gruber, Silke Schmit, Petra Kern (v.r.).
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Nach Absprache mit den Ortschefs in Donnerskirchen und Oggau hält er sich möglichst von den Verkaufsflächen fern: Er zählt zur kritischen Infrastruktur, wenn es im Laden einen Corona-Fall gibt, muss sein Lieferdienst trotzdem weiterlaufen. Hygiene und Abstand seien dabei natürlich oberstes Gebot: Vom regelmäßigen Desinfizieren sind seine Hände schon rau und trocken. Geliefert wird kontaktlos, die Lieferung stellt Moyses vor die Tür mit beigelegter Rechnung, dann werden die Kunden erst verständigt.

Gezahlt wird dann per Überweisung, was nicht ganz problemlos ist: „Vor allem die älteren Leute sind auf unseren Lieferservice angewiesen. Viele davon erledigen Überweisungen aber noch in der Bank, was derzeit vermieden werden soll. Zum Glück haben die meisten Kunden in ihrem Umfeld Freunde oder Kinder, die für sie die Bezahlung erledigen.“ Aber auch für ihn ist das nicht immer so einfach, da das Geld erst nach mehreren Tagen am Konto ankommt, zudem ist mit dem Lieferservice enorm viel Aufwand bei der Verrechnung verbunden.

In den Filialen halten unterdessen weiterhin seine Mitarbeiter-innen die Stellung. Mit den vorgeschriebenen neuen Öffnungszeiten haben sie aber keine Freude, erzählt Moyses: „Die Regierung spricht bei der Versorgung nur von den großen Konzernen und Supermärkten. Am Land läuft die Nahversorgung zu einem großen Teil aber über die Kleinen Läden.“

Auch die Gewerkschaft denke nur an die Supermärkte und Städte. „Am Land stehen die Leute früher auf, da ist es unsinnig, dass wir erst um 7.40 Uhr und nicht wie sonst um sechs Uhr aufsperren dürfen“, ärgert sich Moyses. Nach zwölf Uhr komme ohnehin keiner, dann wird noch eine Stunde gereinigt und sortiert bevor um 13 Uhr Schluss ist. Den Nachmittag sollen seine Mitarbeiterinnen dann verdienterweise mit der Familie verbringen können, zeigt sich der Greißler auch in Krisenzeiten solidarisch.