Der Wolkenstrudel als Star. Der BVZ Opern-Kritiker Dietmar Baurecht zieht eine gemischte Bilanz von der Premiere.

Von Dietmar Baurecht. Erstellt am 11. Juli 2019 (17:26)
Markus Wagentristl, BVZ
Das Bühnenbild der "Zauberflöte" im Steinbruch St. Margarethen.

Wer imposante Massenauftritte und den überdimensionalen Wolkenstrudel – der erst in voller Finsternis der Nacht seine volle Leuchtkraft entfaltet – schätzt, ist bei dieser Zauberflöte in St. Margarethen gut aufgehoben. Attilio Glaser als phlegmatischer Tamino ist gesanglich durchaus sicher und wird von der riesigen Schlange durch die drei im theatralen und gesanglichen Zusammenspiel gut besetzten Damen (Elizabeth Reiter, Nina Tarandek, Marie-Luise Dreßen) gerettet. Sehr statisch hingegen der stimmlich gut besetzte Sarastro (Luke Stoker) und Danae Kontora als Königin der Nacht, die auf einer Halbkugel eine darstellerisch typische Arie „Der Hölle Rache“ singt. Obendrein scheinen die Solisten auf der Bühne oft allein gelassen. Dass auch Emotion durchaus in dieser Produktion im Steinbruch Platz hat, zeigt kurz Keith Bernard Stonum als Monostatos. Er möchte Pamina in einen emotionalen Anfall für sich gewinnen.

 Gesangliches Highlight

 Im Übrigen ist Ana Maria Labin als Pamina stimmlich wie emotional eine Lichtgestalt in dieser Inszenierung und wirft im Duett „Bei Männern welche Liebe fühlen“ einen langen Schatten auf Max Simonischek als Papageno. Hier vermisst man in dieser Rolle letztendlich doch einen gut ausgebildeten Sänger. Simonischek hält sich trotzdem tapfer, lässt aber den seichten Wortwitz nicht aus und kann mit seiner aus dem Grab entstiegenen Zombi-Papagena (Theresa Dax) überzeugen.

An eine Inszenierung wie sie Philippe Arlaud mit Rigoletto 2017 im Steinbruch gemacht hat, kommt diese Inszenierung von Carolin Pienkos und Cornelius Obonya bei weiten nicht heran. Da hätte es mehr von kreativen Einfällen, wie den drei Segway-Knaben (St. Florianer Sängerknaben) und klügerer und sinnvollerer Gruppen- und Personenführung gebraucht.

Das Orchester der Budapester Philharmonischen Gesellschaft gemeinsam mit dem Philharmonia Chor Wien unter dem Dirigat von Karsten Januschke stand bei dieser Produktion auf den sichersten musikalischen Beinen.

Kurz gesagt: Es wäre bei dieser Inszenierung noch Luft nach oben gewesen.

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