„Burgenland-Film“: Kritik von mehreren Seiten. Kroaten fühlen sich beim „Burgenland-Film“ des Neujahrskonzertes vernachlässigt. Unzufriedene Stimmen auch wegen zu wenig Bezug zum Hier und Heute.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 08. Januar 2021 (04:28)
Heute wie damals? Zu viel Bezug auf 1921, kaum Bilder von der modernen burgenländischen Gesellschaft — so die Kritiker.
screenshot ORF

Beim meistgesehen TV-Event der Welt, dem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, wurde heuer die Werbetrommel für das Burgenland gerührt. Anlass ist der 100. Geburtstag des Landes.

Doch nicht alle scheinen mit dem 20-minütigen Film zufrieden zu sein, wie zahlreiche Diskussionen — coronabedingt fast nur virtuell geführt — zeigen. Kurz zusammengefasst: Die Volksgruppen, die einen erheblichen Teil des Kulturlebens im Land tragen, wurden etwa gar nicht berücksichtigt.

Das kritisiert auch der Osliper Konrad Robitza. „Volksgruppen, die 500 Jahre und länger hier miteinander leben, werden in keinster Weise gezeigt... guade Nocht Kultur Burgenland. Oder lahku noć.“ Er trat damit auf Facebook eine Diskussion los, an der sich auch viele Prominente beteiligten. Zuspruch, bekommt er dabei nicht nur von der burgenländisch-kroatischen Volksgruppe.

Zu wenig Bezug zur Situation im Jahr 2021

So schlägt auch ASVÖ-Präsident Robert Zsifkovits in dieselbe Kerbe: „Die Chance das Burgenland als traditionell und modern, seine Volksgruppen sowie die Vielfalt von Nord bis Süd einem Riesenpublikum zu präsentieren, wurde leider vertan! Man ist im Jahr 1921 verharrt, mit schönen Bildern und Musik.“ Tatsächlich könnten mit dem Burgenland unvertraute Zuseher denken, die Uhren seien hier vor hundert Jahren stehengeblieben (siehe screenshot oben).

Der Eisenstädter Winzer F. X. Lehner geht sogar noch weiter: „Ich bin entsetzt über die Darstellung unseres tollen, modernen Burgenlandes und dessen Volksgruppen. Der Beitrag hat unserem Image eher geschadet als genützt.“ Weniger umstritten

Facebook

Beim meistgesehen TV-Event der Welt, dem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, wurde heuer die Werbetrommel für das Burgenland gerührt. Anlass ist der 100. Geburtstag des Landes.

Gespannt ist Robitza bezüglich der Website wirsind100.at, die sich dem 100. Geburtstag des Burgenlands widmet. „Auf der Website wirsind100.at des Landes gibt es verständlicherweise bis dato nur wenige Informationen über Programm und Termine. Interessant finde ich dennoch die Schlagworte und Ausdrücke bezüglich Förderungen für inhaltsbezogene Veranstaltungen, Projekte und Ideen. Identität, Wurzeln, Geschichte und Zukunft. Das gefällt mir schon weit besser. Also: mitgestalten und etwas beitragen! Ich freue mich daher, beim 100er dabei zu sein."