Freispruch nach Kirtag-Schießerei. Schießerei am Osliper Kirtag – Staatsanwaltschaft geht von Notwehr aus. 48 Jahre alter Mann musste aber wegen Verdacht auf Drogenkonsum mit Jugendlichen vor Gericht.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 18. Februar 2021 (05:55)
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Der Vorfall hatte im Sommer 2020 für großes Aufsehen gesorgt: Ein heute 48-jähriger Mann hatte in der Nacht auf den 16. August in einer Menschenmenge am Kirtagsfest in Oslip Schüsse abgefeuert.

Sechs Jugendliche wurden dabei durch Reizgas verletzt.

Am Montag dieser Woche stand der 48-jährige siebenfach vorbestrafte und arbeitslose Schütze vor Gericht. Jedoch nicht wegen der Schießerei in Oslip.

Im Zuge der Ermittlungen nach der Kirtagsschießerei waren Hinweise auf einen gemeinsamen Drogenkonsum mit zwei Eisenstädter Jugendlichen aufgetaucht. Dem Angeklagten mit Wohnsitz im Bezirk Eisenstadt wurde vorgeworfen, er habe im Vorjahr mit den Burschen im Alter von 15 und 16 Jahren Joints geraucht.

Dazu bekannte sich der 48-Jährige nicht schuldig.

„Was war das für eine Beziehung?“, wollte Richterin Karin Lückl wissen.

„Die kamen zu mir mit ihren Sorgen“, erklärte der Angeklagte.

Ein Kriminalbeamter, der die Ermittlungen geführt hatte, berichtete von einem „sehr innigen freundschaftlichen Verhältnis“. Er habe die Handy-Chats des Angeklagten mit den Jugendlichen gesehen. „Da wurden mir ein bissl zu viele Herzerl geschickt“, sagte der Polizeibeamte.

Mehr als eine „Männerfreundschaft“?

„Sie schlossen daraus, dass es mehr als eine reine Männerfreundschaft ist“, hakte die Richterin nach.

„Da könnte mehr gewesen sein“, stimmte der Polizist zu.

„Gab es ein sexuelles Verhältnis?“, fragte die Richterin den 16-Jährigen.

„Nein. Hat es nie gegeben“, antwortete dieser.

„Sie schickten ihm Herzchen!“, wunderte sich die Richterin.

„Ja, das war damals. Aber es war nichts Sexuelles“, beteuerte der Jugendliche.

Bei der Polizei hatte der 16-Jährige davon gesprochen, dass er und der 15-Jährige mit dem Angeklagten Joints geraucht hätten. Einmal sei man nach Wien gefahren und habe am Praterstern ein Dekagramm „Gras“ gekauft.

Vor Gericht bestätigte der 16-Jährige: „Wir hatten das Geld vom Angeklagten. Dann kauften wir das Marihuana.“

„Wo konsumierten Sie es?“, fragte die Richterin.

„Im Burgenland.“

„War der Angeklagte dabei?“

„Ich muss da ur-nachdenken…“, blieb der 16-Jährige vage.

Der 15-Jährige bestritt den Drogenkauf am Praterstern. Auch habe ihn der Angeklagte „weder angefasst, noch Sonstiges“.

Mangels Beweisen wurde der Angeklagte am Montag vom Vorwurf des Drogenkonsums mit den Jugendlichen freigesprochen.

Kirtag in Oslip: Aus Notwehr geschossen

Wegen der Schüsse am Kirtag war er gar nicht angeklagt worden. Nach Einvernahme von Augenzeugen habe sich herausgestellt, so der Mediensprecher der Staatsanwaltschaft, Roland Koch, dass es sich bei der Tat um eine Nothilfe- bzw. Notwehrsituation gehandelt habe.

Der 15-jährige Freund des Verdächtigen sei am Kirtag in eine Rauferei verwickelt gewesen. Der 48-Jährige habe ihm helfen wollen, wurde selbst zu Boden gebracht und schoss mit seiner Gaspistole in die Luft. Dabei trat Reizgas aus.

Der 48-Jährige habe sich dann mit dem 15-Jährigen in ein Auto geflüchtet. Als Kirtagsbesucher an diesem Fahrzeug rüttelten, schoss der 48-Jährige ein weiteres Mal in die Luft.

Die Gaspistole übergab der Verdächtige am nächsten Tag freiwillig an die Polizei, in seinem Auto fand man auch eine Softgun.