Eisenstadt

Erstellt am 14. November 2018, 06:30

von Elisabeth Kirchmeir

315.000 Euro herausgelockt: Haft für Bitcoin-Betrug. 315.000 Euro lockte ein 26-Jähriger seinen Opfern mit Lügengeschichten heraus. Das Geld verprasste er großteils.

Symbolbild  |  NOEN, shutterstock/aztekphoto

„Sie werden heute in die fantastische Welt des Angeklagten entführt“, kündigte Staatsanwältin Verena Strnad zu Beginn ihres Anklagevortrags an. Jede Menge Geld hat ein 26-jähriger Eisenstädter Opfern aus dem Raum Eisenstadt und weiteren Geschädigten aus Kärnten herausgelockt.

Am Montag dieser Woche musste sich der Mann wegen des Vorwurfs des gewerbsmäßigen schweren Betrugs vor einem Schöffensenat verantworten.

„Er ist ein verdammt guter Redner, ein Top-Verkäufer, wenn er nicht so kriminell wäre“, fasste einer der betrogenen Investoren das Psychogramm des Angeklagten zusammen.

Fünf Personen aus dem Raum Eisenstadt gaukelte der Angeklagte vor, er werde Computerhardware ankaufen und damit „Bitcoin-Mining“ betreiben, also Einheiten einer virtuellen Währung herstellen.

Die gutgläubigen Investoren stellten ihm dafür bis Dezember 2017 jeweils 8183 Euro zur Verfügung, einer der Geschädigten schoss 7000 Euro nach.

Bitcoins wurden keine generiert. Als die Geschädigten misstrauisch wurden, ging der Angeklagte zur Polizei und behauptete, er sei selbst einem Betrüger aufgesessen. Dabei handelte es sich wie bei vielen Aussagen des 26-Jährigen um eine Lügengeschichte.

Jede Menge Märchen tischte er auch vier Personen aus Kärnten auf. Er behauptete, an einem Computerprogramm zu arbeiten, das Webseiten auf Viren und Trojaner überprüft, und Computer zu bauen, die einen um 90 Prozent geringeren Energieverbrauch als herkömmliche Geräte haben.

Hobby-Programmierer versprach Gewinne

„Welche Ausbildung haben Sie?“, fragte Richterin Karin Lückl. „Keine nennenswerte in diesem Gebiet“, gab der Angeklagte zu. Sein Wissen habe er sich aus YouTube Videos und Zeitschriften angeeignet.

Einem 33-jährigen Monteur aus Kärnten zog er nach und nach 131.000 Euro aus der Tasche und versprach ihm eine Gewinnbeteiligung von 12 Prozent. Die Freundin des Kärntners investierte ebenfalls 22.000 Euro.

„Ich habe sogar meinen Job gekündigt“, berichtete der Monteur, der zuvor auf Montage 3500 Euro monatlich verdient hatte. „Der Angeklagte sagte mir, es passt mit dem Geld, ich bekomme es im nächsten Monat.“ Acht Monate lang habe er vergeblich auf die Rückzahlung seines Investments gewartet, so der Kärntner.

„Es war ein Höhenflug, ich war geblendet“, sagte der Angeklagte über sich selbst. Er habe seinen Job bei einer Eisenstädter Firma aufgegeben, um sich ganz seinen Projekten zu widmen.

Das Geld, das ihm die Investoren gutgläubig zur Verfügung stellten, habe er mit einem „exklusiven Lebenswandel verprasst“, gab der Angeklagte zu.

Obwohl seit 2011 bis zu 44 Exekutionen gegen ihn liefen, eröffnete er 2014 ein Handelsgeschäft in Eisenstadt und sponserte einen Fußballverein. Im Februar 2015 ging sein Unternehmen in Konkurs.

„Keine Sekunde“ habe er geglaubt, so der Angeklagte, dass er wegen seiner „grausamen Lügen auffliegen“ würde.

„Was war Ihre Exit-Strategie?“, wollte die Staatsanwältin wissen. „Ich sage es ehrlich, ich hatte keine“, lautete die Antwort.

Der Schaden wurde insgesamt mit 315.000 Euro beziffert. Der Schöffensenat sprach den bislang unbescholtenen Mann schuldig und verurteilte ihn zu 3,5 Jahren Freiheitsstrafe unbedingt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Ob die Opfer jemals etwas von ihrem Geld sehen werden, steht in den Sternen.