Postlerin stahl hunderte Pakete. Acht Monate bedingte Haft für 38-Jährige. An die Post muss sie 35.674 Euro zahlen.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 15. Oktober 2020 (11:51)
Symbolbild
APA

„Ich habe die Pakete einfach genommen, weil der Drang wieder da war“, bekannte sich die 38-jährige Angeklagte am Dienstag, 13. Oktober 2020, vor Richterin Birgit Falb am Landesgericht Eisenstadt schuldig.

Als Vorsortiererin in einer burgenländischen Post-Zustellbasis soll sie von 1. Dezember 2018 bis 19. Februar 2020 hunderte Pakete gestohlen haben.

„Am Anfang waren es Zigaretten“, erzählte die Angeklagte. „Die konnte man zuordnen, weil ein Trafikant als Adressat drauf stand.“

Dann sei es immer mehr geworden. Glücksgefühle habe sie gespürt, wenn sie ein Paket nach draußen schmuggeln konnte, sagte die Frau, die von der Post gekündigt worden war, nachdem man sie am 20. Februar 2020 quasi auf frischer Tat ertappt hatte: Im Kofferraum ihres Autos fand man damals vier gestohlene Pakete.

„Haben Sie sich mit den Diebstählen selbst belohnt?“, fragte die Richterin.

„Schon“, antwortete die Angeklagte.

Ihr Verteidiger erwähnte, dass sich seine Mandantin mittlerweile in Psychotherapie befinde.

„Was würden Sie glauben: Welchen Schaden haben Sie angerichtet?“, wollte die Richterin wissen.

„Ein Vermögen“ als Schaden

„Sicher ein Vermögen“, antwortete die Angeklagte.

„Ein kleines?“, fragte die Richterin.

„Schon ein großes“, schätzte die Angeklagte.

Weder Anzahl noch Wert der gestohlenen Pakete lassen sich genau beziffern.

300 Lieferungen könnten es gewesen sein, meinte die Angeklagte.

Eine Mitarbeiterin der Post AG wurde als Zeugin befragt. Sie wird aktiv, wenn es in einer Poststelle zu Auffälligkeiten kommt.

Im Dezember 2018 war erstmals aufgefallen, dass in der burgenländischen Zustellbasis vermehrt nach vermissten Paketen geforscht werden musste.

„Im Jänner und Februar 2019 ging es weiter. Das ist für uns ein Hinweis darauf, dass jemand stiehlt“, sagte die Zeugin.

Post vermisste 1233 Pakete

Eine Auswertung ergab, dass im Tatzeitraum 1233 Pakete im Verteilzentrum Wien sehr wohl eingescannt worden waren, aber in der burgenländischen Zustellbasis nie offiziell ankamen.

Die Vorsortiererin soll es unterlassen haben, einen Teil jener Pakete, die täglich ab 4.30 Uhr morgens durch ihre Hände gingen, korrekt zu scannen.

Viele Zigarettenlieferungen waren darunter, einen Teil der Zigaretten verkaufte die Frau weiter.

Auch Schmuck, Mobiltelefone, Elektrogeräte und Kleidung fielen ihr in die Hände.

Bei einer freiwilligen Nachschau in der Wohnung der Angeklagten im Bezirk Eisenstadt fand die Polizei 40 Pakete. Allein Zigaretten im Wert von 14.900 Euro soll die Angeklagte zuhause gehortet haben. Und „Unmengen Kaffeekapseln“, wie die Mitarbeiterin der Post AG bemerkte.

Auch eigene Lieferungen mitgenommen

Die Frau stahl übrigens nicht nur Pakete, die an andere Personen adressiert waren, sondern wurde auch bei eigenen Bestellungen tätig.

Sie fing zumindest vier an sich selbst adressierte Lieferungen ab und nahm sie mit nach Hause. Die Pakete galten daraufhin als vermisst, die Frau bezahlte die Rechnungen für die bestellten Elektrogeräte und Kleidungsstücke nicht.

Für 170 verschollene Pakete leistete die Post eine Schadensgutmachung in der Höhe von 35.674,26 Euro.

Längst nicht alle Firmen würden Nachforschungen anstellen und von der Post als Transporteur Schadenersatz fordern, wenn ein Paket nicht ankommt, berichtete die Mitarbeiterin der Post AG. Meist bekomme der Kunde die Ware einfach ein zweites Mal geliefert.

„Ich will mir gar nicht vorstellen, welchen Schaden wir bei 1200 Paketen hätten“, sagte die Zeugin.

Schaden mit 45.000 Euro beziffert

Die Richterin ging schließlich zugunsten der Angeklagten von 500 gestohlenen Paketen und einem Schaden von 45.000 Euro aus.

Die bislang unbescholtene Frau wurde zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. An die Post muss sie 35.674,26 Euro bezahlen.

Zusätzlich wurde der Differenzbetrag auf den Gesamtschaden, somit 9.325,74 Euro, für verfallen erklärt. Diesen Betrag muss die Frau an die Republik Österreich bezahlen.

Die in der Wohnung der Frau sichergestellten Zigaretten müssen vernichtet werden. Die restlichen gestohlenen Waren sollen vom Gerichtsvollzieher des Bezirksgerichts Eisenstadt versteigert werden.

Die Angeklagte nahm das Urteil an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.