Logistik kommt nicht nach Müllendorf. Der Sekthersteller Schlumberger baut entgegen ersten Plänen nicht 33 Meter hoch, sondern 26 Meter.

Von Redaktion, APA und Doris Fischer. Erstellt am 16. Juli 2019 (15:07)
Symbolbild: Schlumberger
Sektkellerei. Schlumberger möchte die Sektproduktion nach Müllendorf verlegen und baut daher im Betriebsgebiet eine neue Niederlassung. Symbolbild: Schlumberger

Der Bau der Sektkellerei Schlumberger sorgte in den vergangenen Monaten für einige Diskussionen. So wurde vom Gemeinderat mit den Stimmen der SPÖ die Bebauungsrichtlinie im Gewerbegebiet geändert. Demnach wäre es für Schlumberger möglich gewesen, ein 33 Meter hohes Lager, statt der bisher üblichen Höchstgrenze von 26 Metern, zu errichten.

Gegen diesen Bescheid liefen Vertreter der Orts-ÖVP, allen voran ihr Obmann Berthold Pavitsich, Sturm. Eine Volksabstimmung stand im Raum. Durch einen Formalfehler, den SPÖ-Vertreter orteten, wurde daraus nichts.

Baugenehmigung steht noch aus

Jetzt ist ohnedies alles anders: Schlumberger hat den Plan verworfen, 33 Meter hoch zu bauen. „Nicht alle Teile der Sektkellerei wären so hoch geworden. Dem derzeitigen Plan gemäß wird alles 26 Meter hoch gebaut“, ist von Schlumberger-Sprecher Markus Graser zu erfahren. Und das aus einem Grund: der Baugenehmigung. „Die Pläne wurden bei der Bezirkshauptmannschaft eingereicht“, stellt Graser fest. Mehr möchte er aufgrund des laufenden Genehmigungsverfahrens nicht sagen.

„Trotz intensivem Gegenwind der SPÖ-Verantwortlichen hat Schlumberger auf die Dorfbewohner Rücksicht genommen“, freut sich ÖVP-Obmann Pavitsich. Vonseiten der SPÖ bestätigt Vizebürgermeister Norbert Rauhofer die neuen Pläne.

Schlumberger
Symbolbild

Wegen Anrainerbeschwerden will der Sekthersteller nun kein Hochlager errichten, der Baustart war ursprünglich für 2019 geplant inklusive Umzug im Jahr 2021. Nun soll nur die Sektproduktion nach Müllendorf, nicht aber das Lager, informierte ein Schlumberger-Sprecher die BVZ über eine gerade gefällte Entscheidung seines Chefs, Arno Lippert.

Die Produktionsstätte in Wien Heiligenstadt soll nach Müllendorf verlagert werden, die Kellerwelten sowie die Firmenzentrale aber in Wien verbleiben. Der geplante Bau eines 33 Meter hohen Lagers in Müllendorf durch Schlumberger sorgte in den vergangenen Monaten auf Lokalebene für einige Diskussionen. Erwartet wurde von Projektkritikern ein deutlich höheres Verkehrsaufkommen wegen des Lagers. Laut Medienberichten stand eine Volksbefragung im Raum. "Wir müssen das Konzept neu denken", sagte Lippert der APA.

SPÖ: Jobs in Gefahr

Nachdem der Sekthersteller Schlumberger am Dienstag bekannt gab, dass die geplante Produktion von Wien nach Müllendorf aufgrund von Anrainerbeschwerden auf unbestimmte Zeit verschoben wird, befürchtete Landesrat Christian Illedits (SPÖ) Schlimmes: Er geht davon aus, dass dadurch bis zu 60 Jobs für die Region verloren gehen.

„Das ist, was passiert, wenn man mit dem Feuer spielt. Und das hier ist ein wirtschaftspolitisches Feuer“, betont Landesrat Christian Illedits (SPÖ) in Richtung ÖVP-Müllendorf, die eine Volksbefragung angekündigt hatte. Grund dafür war die Änderung der Bebauungsrichtlinien auf eine Höhe von 33 Meter. „Wir sind nicht gegen das Projekt, sondern gegen die Höhe des Lagerturms“, stellte damals ÖVP-Müllendorf-

BVZ
Arbeitsmarkt-Landesrat Christian Illedits

Obmann Berthold Pavitsich fest. „Die ÖVP hat mit dem Nein zur Bauhöhe Arbeitsplätze verhindert“, ist sich Illedits sicher. Der kritisierte Lagerturm wird nun nicht errichtet.

Was die Zahl der Arbeitsplätze betrifft, heißt es vonseiten Schlumberger: „Das Headquarter bleibt in Wien, der Logistikbereich bleibt bei unserem Partner in Achau und die Sektkellerei kommt nach Müllendorf.“ Wie viele Jobs letztendlich dadurch für den Standort Müllendorf verloren gehen werden, kann aktuell nicht gesagt werden. Fix ist: Bei den anvisierten 60 Arbeitsplätzen wird es sicher nicht bleiben.

Baubeginn hätte 2019 und die Übersiedlung von Wien nach Müllendorf 2021 sein sollen. „Wir müssen das Konzept neu überdenken“ sagte Schlumberger-Chef Arno Lippert. Schlumberger wollte ursprünglich rund 70 Millionen Euro in die neue Produktion und das Lager im Burgenland investieren und bis zu 60 Jobs schaffen. Der Sekthersteller hat für das Projekt bereits ein 122.000 Quadratmeter großes Grundstück im Wirtschaftspark der Gemeinde Müllendorf gekauft. Der Schlumberger-Chef will am Bau der neuen Sektkellerei festhalten – ohne Datum für den Baubeginn.

Petschnig: Hoffen auf vollen Investitionsumfang

Bei einer Pressekonferenz (ebenfalls) am 16. Juli bedauert Wirtschaftslandesrat Alexander Petschnig (FPÖ) die Entscheidung Schlumbergers. Auch er sieht die Schuld am Scheitern der Übersiedelung des Logistik-Zentrums "eindeutig bei der ÖVP". "Als langjährige ehemalige Oppositionspolitiker verstehen wir die populistische Methode der ÖVP, aber hier müsste wirtschaftliche Verstand herrschen", so Petschnig, der nach wie vor auf das volle Investitionvolumen und die Schaffung aller avisierten Arbeitsplätze hofft.

Harald Zagiczek von der Wirtschaft Burgenland hat bereits Zahlen kalkuliert: "Wir gehen davon aus, dass das Investitions-Volumen etwa 20% geringer ausfallen wird, auch erste Arbeitsplätze dürften weniger als 70 geschaffen werden."

Das wesentliche Bedenken war die Höhe des Logistik-Turms, erklärt Zagiczek. Die Genehmigung dieses Turms war bereits in Bad Vöslau für Schlumberger ein Problem, daher habe man sich hier gegen ein langwieriges Verfahren wie in NÖ entschieden und den Entwurf für das Logistik-Zentrum zurückgezogen.

Zagiczek schließt kämpferisch: "Wir lassen uns nur verzögern, nicht aufhalten."

Hintergrund: Das waren die Pläne

Schlumberger wollte ursprünglich rund 70 Mio. Euro in die neue Produktion und das Lager im Burgenland investieren und bis zu 60 Jobs schaffen. Der Sekthersteller hat für das Projekt bereits ein 122.000 Quadratmeter großes Grundstück im Wirtschaftspark der Gemeinde Müllendorf gekauft. Der Schlumberger-Chef will am Bau der neuen Sektkellerei festhalten. Es gebe aber "kein Datum" für den Baubeginn. Der Produktionsstandort in Wien Heiligenstadt sei für Lkw verkehrstechnisch nicht gut erreichbar und der Standort stoße bald an seine Produktionsgrenzen, so Lippert. Bereits der Ausbau des Schlumberger-Standorts in Bad Vöslau (NÖ) scheiterte an Anrainerprotesten.

Stein des Anstoßes ist der geplante Bau eines 33 Meter hohen Lagers in Müllendorf. Ursprünglich hätte es nur 26 Meter hoch sein sollen, aber laut Landesrat Illedits habe sich die Höhe von 33 Metern durch die Planungen ergeben. Der von dem Gebäude geworfene Schatten hätte die Ernte am benachbarten Feld eines Landwirts beeinträchtigt, weshalb die örtliche ÖVP eine Volksbefragung wollte, die aber nicht zustande kam. "Es passiert regelmäßig, die Bebauungsvorschriften den Notwendigkeiten anzupassen", sagte Illedits am Dienstag in einer Pressekonferenz in Eisenstadt. Er hätte sich jedenfalls erwartet, dass die Landes-ÖVP in Müllendorf kalmierend eingreife. Illedits sprach in Bezug auf die Volksbefragung u.a. von einem "sehr bedenklichen Ansatz, mit direktdemokratischen Instrumenten muss man sehr sorgsam umgehen".

Er glaube nicht, dass das Projekt nun als ganzes infrage stehe. Aber es sei schon so, dass ein Unternehmen sich auf Zusagen müsse verlassen können. Man werde seitens der Landesregierung das Gespräch mit Schlumberger suchen. Immerhin gehe es für das Burgenland um rund 80 Jobs in der ersten Phase und rund 150 im Endausbau, auch wenn man nun wohl mit einer Reduzierung der geplanten Jobzahl rechnen müsse. Er sehe nun schon zum zweiten Mal einen "Anschlag der früheren Wirtschaftspartei ÖVP auf die arbeitende Bevölkerung und auf die Beschäftigungspolitik des Landes". Der erste "Anschlag" sei die Einstellung der Aktion 20.000 gewesen.

Hintergrund der Aktivitäten war die am Dienstag in der Früh bekannt gewordene Verschiebung eines für das Burgenland wichtigen Projekts: Schlumberger-Chef Arno Lippert hatte im APA-Gespräch erklärt, dass man - wegen Anrainerbeschwerden - nun kein Hochregallager am geplanten Standort Müllendorf (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) errichten werde. Der Baustart war ursprünglich für 2019 geplant, inklusive Umzug im Jahr 2021. Nun soll nur die Sektproduktion von Wien-Heiligenstadt nach Müllendorf, nicht aber das Lager, sagte Lippert. Ein neues Datum für den Baubeginn gibt es noch nicht. Landesrat Illedits hofft auf einen Baustart Frühjahr bis Mitte 2020.

Das Projekt umfasste in seiner ursprünglichen Planung ein Investitionsvolumen von rund 82 Mio. Euro, davon 2 Mio. Euro für den Grundstücksankauf. 40 Mio. Euro seien Eigenmittel, 35,5 Mio. Euro kämen aus Darlehen und Krediten, rund 6,5 Mio. Euro aus Förderungen.