Kritik an Luxus-Seewohnung in Mörbisch. In Mörbisch entstehen am Ende der Seestraße Tourismus-Wohneinheiten im gehobenen Preissegment. Die FPÖ ortet bei der Vergabe einen Deal unter „Golffreunden“.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 02. Mai 2021 (04:34)
Urlaub am See. Ein Rendering der luxuriösen „Seensuchtssuiten“, die in Mörbisch entstehen sollen — passend mit Porsche unter dem Carport.
zVg, zVg

Schon länger sorgen einige metaphorische und physische Baustellen in der Gemeinde für erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen den Fraktionen. Die Liste an Themen, bei denen Uneinigkeit herrscht, wird sogar wöchentlich länger: Die FPÖ kritisert in einem Gemeindebrief ein geplantes Tourismus-Projekt am Ende der Seestraße.

Entstehen sollen drei in Massivbauweise gefertigte „Seensuchtssuiten“ mit Terassen und Carports. Den Ausgang nimmt das Streitthema kurz vor Weihnachten 2019. Am 19. Dezember 2019 schrieb die Gemeinde ein Grundstück zum Verkauf aus. „Innerhalb von nur 20 Tagen über Weihnachten und Neujahr sollte jemand mit fertigem Konzept gefunden werden. Laut Ausschreibung sollte dieser auch Verkehrsflächen herstellen und das Blumenbeet erhalten. Diese Details konnte man vorab als Anbotssteller nicht wissen“, ortet die FPÖ eine schiefe Optik bei der Vergabe.

Den Zuschlag habe schließlich für 66.000 Euro inklusive Folgekosten eine Familie von Immobilienhändlern und -entwicklern aus dem Mittelburgenland erhalten. Darunter „ein enger (Golf)Freund eines Gemeindevorstandes“, so der mit einem gemeinsamen Foto unterlegte Vorwurf der FPÖ.

Die Bürgermeister-Partei, ÖVP, hat für die Kritik kein Verständnis: „Die Anfrage für den Kauf des Grundstücks zur Errichtung einer Suite für touristische Zwecke wurde korrekt eingebracht und ist für uns als Aufwertung für den Tourismusstandort grundsätzlich positiv zu sehen“, erklärt Gemeinderat Manfred Krajasich — für viele „die rechte Hand des Bürgermeisters“.

Luxus-Suiten statt leistbarem Wohnen?

Schließlich habe man sich für das beste Angebot entschieden, das zudem ein Konzept beinhaltete und den höchsten Preis geboten hätte, so der ÖVP-Gemeinderat weiter. Die Ausschreibung sei zudem mit der Zustimmung der Opposition erfolgt.

Beim Angebot (das der BVZ vorliegt) sei ein Kostenvoranschlag der STRABAG inkludiert gewesen — der bereits 17 Tage vor der Ausschreibung erstellt wurde. Diese Kritik der FPÖ können weder ÖVP („Keine Ahnung, ob das mit der STRABAG im Vorhinein abgeklärt wurde“) noch SPÖ gänzlich ausräumen: „Das muss man so zur Kenntnis nehmen“, so Vize-Bürgermeisterin Bettina Zentgraf (SPÖ).

Sie betont, dass das Grundstück mit 369 Quadratmetern für ein Wohnhaus ohnehin kaum geeignet wäre — und spricht damit den wohl größten Kritikpunkt an: die Knappheit bei leistbarem Wohnraum und Bauplätzen. Dass in diesem Punkt dringender Handlungsbedarf herrscht, darüber sind sich alle Parteien einig — nur nicht bei den Lösungsvorschlägen.