Eitelberger-Initiative in Wulkaprodersdorf: Sicher fallen mit „SuSi“

Erstellt am 04. Dezember 2022 | 05:44
Lesezeit: 4 Min
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„Mama ist umwerfend“. Eltern-Kind-Turnen mit sicherem Fallen..
Foto: zVg
Mit der Initiative „Selbst und Sicher“ („SuSi“) will Judo-Urgestein Rudolf Eitelberger Angebote für jene im Ort liefern, „die für ihre Sicherheit vorsorgen.“

„Heute ist Rudi-Turnen!“ Die Freude bei den Kindern im Ort ist groß, wenn Rudolf Eitelberger jeweils zweimal wöchentlich in Volksschule und Kindergarten im Rahmen der Initiative „Kinder gesund bewegen“ für „Action“ sorgt. Der Obmann des Vereins SV Sandokan Burgenland bietet dieses bundesweite Programm in der Gemeinde mittlerweile seit mehreren Jahren in Kooperation mit dem ASVÖ an.

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Aufmerksamer Beobachter. Rudi Eitelberger steht den Kids beim Trainieren mit Rat und Tat zur Seite.
Foto: Foto zVg.

Im Rahmen dessen ist es dem 74-Jährigen, der zu den Urgesteinen des österreichischen Judo-Sports zählt, ein großes Anliegen, den kleinsten Dorfbewohnern auch sicheres Fallen sowie eine Stärkung des Selbstwertgefühls näherzubringen. Beides Elemente, die sich auch in seiner jüngsten Initiative für Wulkaprodersdorf, „SuSi“ (Selbst und Sicher), wiederfinden. „Im Zuge dessen trainieren etwa seit dem Herbst Mütter beziehungsweise Väter einmal wöchentlich mit ihren Kindern gemeinsam im Kindergarten, um Alltagsgefahren zu erkennen und diesen entgegenzuwirken. Zum Ende des Kurses erhalten sie eine Urkunde für das sichere Fallen.“

Abgesehen davon gehe es bei „SuSi“ etwa auch um judospezifisches Training und, „sofern gewünscht, um einen Sicherheitstag für Frauen und Mädchen sowie sicheres Fallen für Senioren“, so Eitelberger. Generell sei „SuSi“ ein Projekt für jene im Ort, „die für ihre eigene Sicherheit vorsorgen“, seit Kurzem gebe es auch ein eigenes Logo sowie eine eigene Homepage ( www.selbstundsicher.at ).

„Rund ein Drittel verhält sich beim Fallen falsch“

Spaß an regelmäßiger Bewegung sei für Kinder gerade in der heutigen Zeit der zunehmenden Technisierung enorm wichtig, ist der dreifache Vater und vierfache Großvater überzeugt – genauso wichtig sei aber auch das richtige Fallen: „So wie jedes Kind schwimmen lernen sollte, wäre es meiner Meinung nach auch wichtig zu wissen, wie man sich verhält, wenn man stürzt. Das würde sehr viele Folgekosten abwenden.“

Seinen Erfahrungen zufolge reagiere rund ein Drittel der Kinder in einem derartigen Fall falsch, so Eitelberger: „Beim gemeinsamen Herumtoben stoßen sie natürlich auch immer wieder gegeneinander, fallen dann meist nach vorne und schlagen sich Zähne aus oder brechen sich die Nase. Das Um und Auf wäre hier, die Hände vor das Gesicht zu halten und den Kopf zur Seite zu drehen, dann passiert nicht so viel. Meine Vision wäre ja auch, dass bereits Lehramtskandidaten an den Pädagogischen Hochschulen Grundbegriffe des sicheren Fallens lernen, um sie später weitergeben zu können.“

Judo als Ausgleich zu Job in Labor für Kernphysik

Das Engagement des gebürtigen Wieners für Wulkaprodersdorfs Kinder begann vor mittlerweile 13 Jahren. „Wir waren bereits 2000 in die Gemeinde gezogen, ich kannte aber lange kaum jemanden“, erinnert sich der frühere Vize-Präsident des Judo-Landesverbands Wien und Leiter des bundesweit größten Judoklubs, Sandokan Austria. Kinder waren dem Rudi, auch „Mr. Schuljudo“ genannt, schon seit jeher ein großes Anliegen.

„Den Anstoß gab letztendlich meine Frau, sie hat gemeint: ,Du fährst immer nur nach Wien und in der eigenen Ortschaft machst du nichts.‘ Also bin ich zum Volksschuldirektor gegangen und habe ihn gefragt, ob er das Projekt ,Kinder gesund bewegen‘ von mir umgesetzt haben möchte. Heute kennt mich jedes Kind und ruft mir ,Hallo Rudi!‘ zu.“

Zum Judo kam der Namensvetter eines berühmten Vorfahrens – „mein Urgroßonkel Rudolf Eitelberger war Gründer des Museums für Angewandte Kunst in Wien“ – bereits in jungen Jahren: „Ich war Lehrling und hatte mit 15 Jahren eine Freundin, mit der ich im Stadtpark spazieren war. Plötzlich kamen Jugendliche und verprügelten mich. Da habe ich gewusst, ich muss etwas tun, damit ich mich wehren kann.“

Judo blieb eine große Leidenschaft im Leben des Trägers des Sportehrenzeichens der Stadt Wien (2005) und war zudem ein willkommener Ausgleich zu seinem Beruf: „Ich habe 40 Jahre lang in einem Labor für Kernphysik gearbeitet, – da war ich meistens sehr abgeschieden.“