Mörbisch hilft Malawi. Drei Mörbischer Winzer sammelten mit einer Kunst-Ausstellung Geld für einen guten Zweck: Sie wollen Menschen mit Albinismus in Malawi helfen. Die BVZ war in Mörbisch.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 24. August 2019 (05:49)
BVZ
Team. Berndt Sommer, Dr. Rosemarie Moser, Altbürgermeister Peter Vargyas, Bettina Zentgraf, Stefan Pfeiffer mit einer der Künstlerinnen.

Diese Geschichte ist einerseits traurig, weil sie viele unerwartete Wendungen nimmt. Aber sie ist auch wirklich gut. Eben weil sie viele unerwartete Wendungen nimmt.

Sie beginnt in Malawi, einem kleinen südost-afrikanischen Land, in dem es besonders viele Menschen mit Albinismus gibt. Das ist ein Gen-Defekt bei dem die Haut keinerlei Pigmente aufweist. Schwarze werden so schneeweiß, was gerade in heißen Ländern gefährlich ist, die Krebsrate ist extrem hoch. Noch gefährlicher ist ein grassierender Aberglaube, der die Heilung von Krankheiten verspricht, wenn man das Fleisch von Menschen mit Albinismus isst.

Event in nur fünf Wochen aus dem Boden gestampft

Gegen den Kannibalismus kann Dr. Rosemarie Moser nicht viel ausrichten, beim Thema Albinismus ist sie aber eine weltweit führende Expertin. Neben ihrer Praxis in Eisenstadt forscht die Hautärztin und Tropenmedizinerin seit Jahren zu dem Thema. Sie forscht nicht nur, sie beschloss auch zu helfen.

Ab jetzt wird die Geschichte burgenländischer, jetzt geht es um einen Heurigen. In einem solchen kamen die Mörbischer Winzer Stefan Pfeiffer und Bettina Zentgraf mit Dr. Moser zu sitzen.

Die Themen beim Heurigen drehen sich bekannterweise um Gott und die Welt, warum also nicht auch um Albinismus und Malawi. Und wie es beim Heurigen halt so ist, wird man zu späterer Stunde vom Tatendrang gepackt. Und so wurde ein Charity-Event geplant, in nur fünf Wochen aus dem Boden gestampft, ein dritter Winzer (Weinkantine Dió Mörbisch) gefunden und sechs Wiener Künstler nach Mörbisch gelotst um dort ihre Kunst zugunsten der Albinismus-Hilfe von Dr. Moser zu versteigern.

Schwule Kunst gegen Albinismus

Eine letzte unerwartete Wendung: Die sechs Künstler sind alle schwul, ihre Kunst ist es natürlich auch. Mittlerweile ist der 15. August, Mariä Himmelfahrt und in Mörbisch öffnen sich die Weingut-Türen.

„Kommen‘S nur herein, Frau Nachbarin“, winkt Pfeiffer einer älteren Dame im Blaudruck zu. Diese winkt lächelnd zurück und sagt in der für die Wiener Künstler unverständlichen Geheimsprache „Tuits nur, tuits“ und geht weiter. Sie wirkt dabei eher beschäftigt als ablehnend. „Wer sich aufregen will, wird sich immer aufregen. Wichtig ist, dass etwas gemacht wird. Und das taugt den Leuten“, schildert Pfeiffer seine hemdärmelige Philosophie.

Diese scheint aufzugehen. Die Gäste sind erfrischende Mischung aus ländlich und am Wein interessiert auf der einen und städtisch und an schwuler Kunst interessiert auf der anderen Seite. Auch Altbürgermeister Peter Vargyas betont die Mischung. Er hat die Patronanz für die Veranstaltung übernommen. Seine Eröffnungsrede geht in DJ Candy Licious Bässe über. Die Spendenparty hat begonnen. Es sollten über 1.000 Euro werden, die am Eröffnungstag für Dr. Mosers Verein „Tumaini“ hereinkommen. Bis 6. September sind die Kunstwerke täglich von 16 bis 20 Uhr in der „fab winery“ Weingut Pfeiffer ausgestellt, danach werden sie versteigert.

Am Ende der Geschichte ist Mörbisch ein bisschen offener geworden. Und so hat Malawi ja auch Mörbisch geholfen.