Trausdorfs „Bailerin“: Jahrestag mit Sorgenfalten

Erstellt am 17. November 2022 | 04:29
Lesezeit: 3 Min
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Setzt auf regionale Spezialitäten und Beratung. Greisslerin Kerstin Bailer mit Sohn Ferdinand.
Foto: Gollubics
Kundenrückgang und Zukunftsängste plagen zum zweijährigen Bestehen ihres Ladens die „Moorochsengreisslerin des Jahres 2021“, Kerstin Bailer aus Trausdorf. Braucht es Unterstützungsmaßnahmen, um kleine Handelsunternehmern über den Winter zu retten? Stimmt bei unserer Umfrage mit!

Leidenschaft für regionale Spezialitäten und ihre leutselige Art zeichnen Kerstin Bailer aus. In den vergangenen zwei Jahren hat sie sich damit im Bezirk und darüber hinaus – „ich habe auch Kunden aus Wien“ – einen Namen gemacht, im Mai wurde ihr sogar die Auszeichnung „Moorochsen-Greisslerin des Jahres 2021“ verliehen.

Mit ihrem Gemischtwarenladen „Zur Bailerin“ habe sich im November 2020 „ein Traum erfüllt“, betont die Inhaberin, auch wenn die Zeiten mittlerweile schwerer geworden seien.

Der Trend zu Regionalität und Saisonalität sinke, sie habe „definitiv einen Rückgang“ bei der Kundschaft: „Ich versteh das auch, die Leute müssen aufs Geld schauen. Das hat sich deutlich gezeigt, denn bei der Auszahlung vom Klimabonus gab es einen merklichen Aufschwung im Kundeneinkaufverhalten.“

Was die Lage für Greisslereien oder kleine Bio-Läden oft erschwere: „Viele glauben, das kann nur teurer sein.“ Das möge bei einigen Produkten durchaus auch zutreffen, räumt Bailer ein, sie würde sich generell aber wünschen, dass Preise mehr verglichen würden: „Ich bin zum Beispiel bei meinen Weihnachtskeksen bei einem Kilopreis von 39 Euro, – eine Supermarktkette bietet 250 Gramm davon zu einem Aktionspreis an, wenn man hinschaut, merkt man aber, dass der Kilopreis hier auf knapp über 42 Euro kommt.“

Es gehe ihr nicht um Konkurrenz: „Ich habe Kunden, die zuerst zu mir kommen und dann in den Supermarkt fahren, um dort zu besorgen, was ich ,Kleine’ nicht habe, – dieser Ansatz ist cool.“

Die aktuelle Teuerung und Strompreiserhöhung bekomme sie als Wiederverkäuferin „von allen Seiten mit“, so die „Bailerin“. Auch ihre 80 Lieferanten hätten mit „massiven Sorgen, mit Existenzängsten“ zu kämpfen: „Ich habe eine Käselieferantin, die große Probleme hat, bestimmte Sorten zu bekommen. Sollte mir ein Lieferant wegfallen, wäre das schwierig, denn wir sind in der Region bezüglich Produzenten sehr begrenzt.“

Sie selbst merke die Teuerung beim Einkauf „überall“, könne diese aber nicht 1:1 weitergeben: „Der Kunde soll ja zufrieden sein.“ Immer wieder werde sie gefragt, wie es ihr mit ihrem Laden in der derzeitigen Situation gehe, schildert die begeisterte Greisslerin: „Ich will die Kunden nicht anlügen und auch nicht raunzen, aber es könnte besser laufen.“

Sie befinde sich zwar durch ihre Einmietung in der glücklichen Lage, „beim Strom auch im kommenden Jahr gedeckelt“ zu sein, wenn 2024 aber „nicht ein bisserl Normalität reinkommt, habe ich ein Problem. Es hat so toll angefangen, – jetzt stampfen sie uns Kleine wieder in den Boden zurück.“

Umfrage beendet

  • Braucht es Unterstützungsmaßnahmen von Bund, Land und/oder Gemeinde, um kleine Handelsunternehmern über den Winter zu retten?