Eisenstadts Heurige: Einer bleibt, einer kommt (zurück). Der Buschenschank Bauer in Kleinhöflein feiert Fünfziger, ebendort hat der Köllerhaus-Heurige nach fast 40 Jahren Pause wieder seine Tore geöffnet.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 19. Juni 2019 (06:44)

Heurigen haben im Burgenland eine lange Tradition, gehen sie doch auf eine Verordnung Kaiser Josephs II. aus dem 18. Jahrhundert zurück. Nicht ganz so lange, aber sehr wohl auch beachtlich ist die Tradition der Winzerfamilie Bauer: Genau vor 50 Jahren, am 15. Juni 1969, wurde zum ersten Mal „ausg’steckt“.

Seniorchef Hans und Frau „Heli“ wagten sich mit nur einem Weingarten in die Selbstständigkeit. Anfangs war es Sitte das Essen selbst mitzubringen und nur den Wein vom Heurigen dazuzukaufen, erzählt Helene. Außerdem gab es den Wein nur im typischen „Henkel-Glas“. Bis heute ist der Heurige Bauer ein Familienbetrieb geblieben. Am vergangenen Wochenende lud er zur Fünfziger-Feier.

Das Wetter war zwar etwas windig, hatte es aber gut gemeint und die zahlreichen Gratulanten blieben gerne und lange. Umso trauriger war die Antwort auf die Frage, wie denn wohl die 100-Jahr-Feier wird. „Des wird‘s nicht spielen, so lange die Mama noch kann, machen wir weiter. Danach ist Schluss“, erklärt Tochter Irene Raber. Die Enkel wären nicht interessiert, erzählt sie, die Enkelin anfangs schon. „Dann war sie einen Tag in der Küche – und hat sich sofort umentschieden.“

Am anderen Ende der Kleinhöfleiner Hauptstraße laufen auch die Zeichen der Zeit anders. Hier stand ein einst traditionsreicher Heuriger seit 1981 leer. Bis Maximilian Köller die Idee, die bereits sein Vater hatte, aufgriff und den Heurigen seiner Großmutter wieder eröffnete. Viele Gäste seien schon vor 40 Jahren zu Gast gewesen, erzählt Köller.

Die Erinnerungen an den Heurigen sind scheinbar gut, auf Nachfrage der BVZ fallen immer die zwei gleichen Wörter: Bohnenstrudel und Kümmelbraten. Diese müssen wirklich gut sein, wenn sich ihr Ruf über 40 Jahre hält.

„Die Idee war eigentlich immer schon da, wir haben jetzt einfach nur beschlossen, sie anzugehen“, lächelt Max. Wenig Arbeit ist es nicht, aber für einen Büro-Job ist der Köller, der neben seinem Studium an der BoKu Wien auch Tauchlehrer in Thailand war, nicht zu haben.

Vielleicht gibt es dann ja doch noch Hoffnung für die Bauers, wenn die Enkel erst einmal den Vergleich mit der Arbeitswelt haben und sehen, dass ein eigener Heuriger vielleicht doch eine tolle Karriereoption ist. „Ja, vielleicht“, lacht Bauer. In dem Lächeln liegt keine Spur von Schwermut, eher Optimismus.