Die älteste Band des Landes: „Moonshots“ sind seit den 60ern aktiv

Erstellt am 18. Juni 2022 | 06:13
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.Aktuelle Formation. Ernst Bures, Sascha Baumgartner, Willi Krojer, Peter Pint, Richard Hermann, Rene Nabinger.
Foto: Zehetbauer
Die vor rund 54 Jahren gegründete Wulkaprodersdorfer Cover-Band „Moonshots“ ist auch heute nicht aus der Unterhaltungsbranche wegzudenken.

Es ist ein gewisser Legendenstatus, der sie umgibt – die „Moonshots“, die auch nach Jahrzehnten noch zu begeistern wissen, wie erst vergangenes Wochenende beim Musikerfest im Ort wieder offenkundig wurde.

„Ich weiß noch, wie unfassbar nervös wir vier waren, unsere Hände haben gezittert. Aber vor dem Publikum haben wir uns natürlich nichts anmerken lassen.“ Stefan Pint erinnert sich an den ersten Auftritt am Faschingsdienstag

In der Blütezeit der Rolling Stones, Beatles oder von Jimmy Hendrix erfüllten sich Peter Pint und Stefan Hoffmann 1964 einen Traum: Sie gründeten mit Richard Hermann und Robert Semeliker eine eigene Band. Da die Burschen keine eigenen Instrumente besaßen, mussten zunächst Mutters Kochtöpfe und eine zweckentfremdete Gemeindetrommel herhalten, schließlich wurden ein Schlagzeug und eine Orgel, die über ein Radio verstärkt wurde, gekauft.

Auch der Name der Band war schnell gefunden. Aufgrund der ersten Mondlandung und des gern gehörten Songs „Moonshot“ der Spotnicks: „Moonshots“. Ein Jahr danach erfolgte der erste Auftritt am Faschingsdienstag im Gasthaus Kovacs in Wulkaprodersdorf, erinnert sich Stefan Pint: „Ich weiß noch, wie unfassbar nervös wir vier waren, unsere Hände haben gezittert. Aber vor dem Publikum haben wir uns natürlich nichts anmerken lassen.“

Die Band konnte sich rasch in der Musikszene behaupten. Das lag auch an der Teilnahme an Bandwettbewerben, wo sie beachtliche Erfolge erzielte. So gingen die „Moonshots“ 1965 als Sieger in Hornstein hervor. Ihre Anhängerschar wuchs rasant an.

Im Jahr 1968 kehrten dann Richard Hermann und Robert Semeliker der Band den Rücken, woraufhin Johnny Pint und Willi Krojer zur Band stießen. Die beiden Neuzugänge erwiesen sich als Bereicherung. Willi Krojer: „Es war unglaublich wie viele weibliche Anhänger wir hatten. Unsere Groupies wären uns bei den Konzerten fast auf die Bühne gesprungen.“

Ein Erfolg jagt den nächsten

Die „Moonshots“ waren bald mehr als Lokalmatadore. Es wurde eine musikalische Gastspielreise durchs Burgenland gestartet. Mit dabei waren auch die „Hubbus“ oder „Sirs“. Sogar Schlagergrößen wie „Al Fats Edwards“ und Marika Lichter vertrauten auf die musikalische Umrahmung der „Moonshots“.

Beim ORF-Bandwettbewerb im Jahr 1975 stellte die Band die Eigenkompositionen „So ist die Liebe“ und „Mister Moonshine“ vor und erreichte damit den dritten Platz. Außerdem spielte sie in den Sommersaisonen von 1974 bis 1977 in einem Tanzcafe in Mörbisch und wurde so auch einem internationalen Publikum bekannt.

„The show must go on“

Ein schwerer Schicksalsschlag am 9. November 1976 stoppte den Höhenflug der Cover-Band. Johnny Pint kam bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben. Er habe bis heute eine große Lücke hinterlassen, betont Willi Krojer.

Doch ans Aufhören habe die Band deswegen nicht gedacht. „Johnny hätte das auch nicht gewollt“, so Peter Pint. Ganz nach dem Motto „The show must go on“ begaben sich die Moonshots auf die Suche nach einem neuen Gitarristen.

Nach mehreren Umbesetzungen fand sich schließlich mit Franz Zaufel eine langfristige Lösung. Es folgten österreichweite Auftritte bei Festen, auch in der Schweiz wurde vor einem großen Publikum gespielt.

Ab 1983 bestanden die Moonshots sogar aus acht Mitgliedern. Ein Jahr später stieg jedoch Gründer Peter Pint aus privaten Gründen aus. An seine Stelle rückte mit Inge Pischinger die erste Frau in die Band. Mit den Jahren änderte sich aber die Unterhaltungsbranche, Elektronik und Technik bestimmten weitgehend das musikalische Geschehen. Dieser Entwicklung und zunehmender Konkurrenz zufolge, entschieden sich die Moonshots 2002, die Band aufzulösen.

Jeder ging seine eigenen Wege, – zumindest bis 2015. Zum 50-jährigen Jubiläum fanden die Moon-shots wieder zusammen, auch Urgestein Peter Pint war wieder mit von der Partie. Obwohl die Reunion eigentlich nur für eine Jubiläumsshow gedacht war, trennte sich die Band danach nicht wieder, einmal die Woche wird seither geprobt. Seit 2015 besteht die Band aus Ernst Bures, Sascha Baumgartner, Rene Nabinger, Willi Krojer und den Gründern Peter Pint und Richard Hermann.

Mit den Jahren haben sich die Prioritäten verändert. Anstelle möglichst vieler Auftritte wie früher, beschränkt man sich auf wenige im Jahr – der nächste Auftritt ist am 25. Juni in Sauerbrunn geplant. „Wir sind natürlich nicht mehr so fit wie damals, unsere Ausdauer ist auch nicht mehr die beste“, lacht Richard Hermann. In Musikerrente wollen sie dennoch nicht gehen, stellt Peter Pint klar: „Es wird so lange musiziert, wie es uns Spaß macht und es die Gesundheit erlaubt. Die Musik hält uns jung.“