Coronavirus: Eisenstadt steht still. Es herrscht eine gespenstische Leere in der Landeshauptstadt. Dass das in der Pandemie-Zeit ein gutes Zeichen ist, daran müssen sich die Eisenstädter erst gewöhnen.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 18. März 2020 (05:41)
Menschenleer. Die Eisenstädter Fußgängerzone war am Montag komplett verwaist, was in Pandemie-Zeiten eigentlich gut ist.
Vogler

Géza Molnár stand rauchend vor dem neuen FPÖ-Stadtparteilokal. „Das ist nicht die Zeit für Parteipolitik“, sagte der eigentlich als wortgewandt bekannte Rathaus-Kritiker die Zigarette ausdämpfend. Und hat damit eigentlich eh viel gesagt.

Isolation. Das Krankenhaus muss Besucher wegschicken, aber laut BVZ-Info „trauen“ sich ohnehin nur wenige Patienten ins Spital.
BB/Schmirl

Wer die leere Fußgängerzone so anschaut, kommt schnell zur Überzeugung: Hier hält eine ganze Stadt Abstand – sie hält damit aber auch zusammen.

Stadt-Leben eingestellt

Würde Bürgermeister Thomas Steiner noch Pressekonferenzen abhalten, er käme damit gar nicht mehr nach, so sehr überschlagen sich die Ereignisse.

Stolz. Thomas Steiner sen. ist stolz auf Sohn Thomas, der sich sofort zum freiwilligen Zivildienst gemeldet hat.
zVg

Vor dem Wochenende hatte er in einer gemeinsamen Pressekonferenz noch die Aufrechterhaltung des Stadtbusses und eine 58-prozentige Belegung der Kindergartenplätze verkündet.

Über das Wochenende musste der Stadtbus eingestellt werden, und nahezu alle Eltern nahmen ihre Kinder aus den städtischen Betreuungseinrichtungen.

Alle Schulen sind zu, die Events der Stadt abgesagt.

Die Ruhe nach dem Hamsterkauf

Wo vor dem Wochenende noch Hamsterkäufe getätigt wurden, herrschte zwar noch Betrieb, von der freitäglichen war aber keine Spur mehr. Das bestätigte der BVZ auch die zuständige REWE-Regionalmanagerin.

Etwaiger Leerstand in den Regalen habe nichts, so REWE, mit Lebensmittelknappheit zu tun, die Mitarbeiter kämen nur einfach nicht mehr mit dem Schlichten nach. Ihnen helfen jetzt 366 Soldaten beim Befüllen der Regale von Billa, Merkur und Co. REWE musste sogar 2.000 Stellen ausschreiben.

Harte Zeiten in der Gastronomie

Weniger rosig geht es den Unternehmen der Stadt. Das Hotel Burgenland kündigte rasch die Schließung bis April an, ebenso das Schloss Esterhazy inklusive Restaurant Henrici. Die Selektion und Hopfen&Söhne schließen beide sowohl Wein/Bier-Bar, als auch ihre Shops.

Während sich das Ruckendorfer die Option, Essen zu bestellen, überlegt, stellten sich manche andere Gastronomen gleich die Existenzfrage. In einem waren sich die meisten einig: Ein paar Wochen geht das vielleicht noch gut, aber ab dann muss der Staat „steuerlich massiv entgegenkommen“.

Die guten Nachrichten zum Schluss

Gute Nachrichten gibt es aber auch genug: Das Social Distancing funktioniert, die Polizei musste kein einziges Gerücht einer Hamsterkauf-Schlägerei bestätigten, dass das spontane Abspielen der Hymne durch Blasmusiker war sehr schön, und es gibt bereits freiwillige Meldungen zum Zivildienst.

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