Die Wunderwelt der Stille. Ein Landstrich wie im Bilderbuch: Die Provinz Munster hat sich die Idylle ruhigerer Zeiten bewahrt.

Von Udo Sagl. Update am 08. Dezember 2018 (08:46)

„Sprich ganz leise! So leise, wie du nur kannst. Ich werde dich trotzdem ganz deutlich hören. Versuche es!“ John Bourke, gewitzter Gästeführer in der Zisterzienser-Abtei Holycross Abbey, versteht es bestens, Besucher zum Staunen zu bringen.

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Der Festungsberg Rock of Cashel, das Wahrzeichen Irlands.

Der „Trick“, den er vorführt, nennt sich „Geheimnis des flüsternden Torbogens“: Was man auf der linken Seite des Bogens wispert, ist auf der rechten Seite klar vernehmbar. Wie das Wunderwerk der alten Bautechnik funktioniert? Stillschweigen. Das Geheimnis bleibt gehütet.

Still und geheimnisvoll: So ist die ganze Gegend, in der das Kloster steht. Die dünn besiedelte Provinz Munster im Süden von Irland hat sich die Idylle sagenhaft ruhiger Zeiten bewahrt.

Udo Sagl

„Bitte langsam fahren: Eichhörnchen-Kreuzung“

Wie schon „ewig“: Sechs kleine Grafschaften bilden hier einen wundersamen, ja wundervollen Landstrich. Alles sieht aus wie im Bilderbuch. Sattgrüne Weiden, die weitläufig in sanfte Hügel und lichte Wälder übergehen. Überall Schafherden und Kühe. Dort und da ein Bauernhof, hier und dort ein Dorf. Was für eine Ruhe: Sobald man die Hauptstraße verlassen hat, ist man mitten im Landleben scheinbar längst vergangener Tage. „Squirrel crossing“ steht da etwa auf einem Schild. Das heißt: „Eichhörnchen-Kreuzung“. Also ganz langsam fahren!

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Ormond Castle, Irlands einziges Renaissance-Schloss.

Der Inselsüden nennt sich selbst „unentdeckt“ und will nun verstärkt Gäste an der Idylle und an den zahlreichen Sehenswürdigkeiten teilhaben lassen. „Ancient trails“, also uralte Wege, erschließen edle Schätze der bewegten Geschichte – wie etwa den legendären Festungsberg Rock of Cashel. Er gilt als irisches Wahrzeichen. Ähnlich bedeutend: Ormond Castle, Irlands einziges Renaissance-Schloss, gefällt durch die malerische Lage am Fluss Suir in der Grafschaft Tipperary.

Noch ein „Märchenschloss“: Lismore Castle ist der irische Landsitz des englischen Duke of Devonshire. Die Weitläufigkeit des prächtigen Schlossgartens wird nur noch vom riesigen Park rund um Doneraile Court übertroffen.

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Auftritt für Parkbesucher: „König Heinrich VIII.“ 

Er umfasst 166 Hektar. Neben dem Erholungswert wird Parkbesuchern historische Bildung geboten. Einmal pro Monat treten Laienschauspieler als Figuren wie Heinrich VIII. oder Thomas Cromwell auf, um die Heimatgeschichte darzustellen. Geschichte und Tradition spielen in Irland überhaupt eine große Rolle. Dazu gehören auch Pferderennen.

Galileo, das teuerste Rennpferd der Welt

Coolmore Stud in Fethard ist der Hauptsitz der weltweit größten Zucht von Vollblütern. Seriensieger Galileo hat als „Haushengst“ einen Rekordwert von mehreren Millionen Euro.

Udo Sagl
Seriensieger Hengst Galileo

Der größte Wert Irlands liegt freilich in der einzigartigen Natur: So sind etwa die Comeragh Mountains mit versteckten Wasserfällen und Bergseen eines der schönsten Wandergebiete Europas. Radfahrer wiederum sind auf dem 46 Kilometer langen Waterford Greenway, einer alten Eisenbahntrasse, gut aufgehoben. Und Fischer lieben den viel gerühmten Blackwater River. In seinem Tal fangen sie massenhaft Lachse. Weil es hier so still ist ...